Netzgerät Die passende Stromversorgung finden

Autor Sariana Kunze

Die Vernetzung in der Produktion nimmt zu. Das hat auch Auswirkungen auf die Stromversorgung. Im Interview erklärt Klaus Böhmer von Wago, wann eine kommunikationsfähige Stromversorgung zum Einsatz kommen sollte und wann ein Standardgerät sinnvoll ist.

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Für die vernetzte Zukunft sind kommunikationsfähige Stromversorgungen, wie die Pro 2 von Wago, vorteilhaft. Jedoch werden Low Cost Geräte ihre Daseinsberechtigung nicht verlieren.
Für die vernetzte Zukunft sind kommunikationsfähige Stromversorgungen, wie die Pro 2 von Wago, vorteilhaft. Jedoch werden Low Cost Geräte ihre Daseinsberechtigung nicht verlieren.
(Bild: Wago)

Herr Böhmer, der Schaltschrank ist im Wandel. Welche Auswirkungen hat das auf die Stromversorgung?

Klaus Böhmer ist Geschäftsführer der neu gegründeten Wago Electronics.
Klaus Böhmer ist Geschäftsführer der neu gegründeten Wago Electronics.
(Bild: Wago)

Jede Anlage, Maschine und Installation steht unter Kostendruck. Das wird nie verschwinden. Je kleiner ein Schaltschrank ausfallen kann, desto geringer sind die Gesamtkosten. Deshalb sollten die verbauten Komponenten eine gewisse Baugröße nicht überschreiten. Das spielt auch für die Stromversorgung eine Rolle. Sie braucht eine natürliche Konvektion. Das heißt, es muss Wärme abgeführt werden. Wenn die Effizienz entsprechend hoch ist, kann die Baugröße kleiner ausfallen. Und: Es ist auch nicht so kritisch, wenn eine Stromversorgung in einem kompakten Schaltschrank oder auch dezentral in einem Schaltkasten verbaut ist.

Welche Eigenschaften sollte die Stromversorgung noch mitbringen?

Eine hohe Ausfallsicherheit, Lebensdauer und Diagnosemöglichkeit stehen immer mehr im Vordergrund. Die Diagnose wird dann relevant, wenn der Anwender nicht mehr richtig an die Stromversorgung rankommt. Bei einem kompakten Aufbau – irgendwo dezentral an der Maschine – geht kein Techniker gerne hin, um zu sehen, ob alles in Ordnung ist. Eine Möglichkeit zur Ferndiagnose ist hierfür vorteilhaft. Denn wenn die Stromversorgung ausfällt, geht nichts mehr. Es muss somit eine gewisse Qualität vorhanden sein, um eine Anlage so aufbauen zu können, dass sie ausfallsicher funktioniert.

Mit der Pro 2 Stromversorgung bietet Wago ein kommunikationsfähiges Produkt an. Brauchen wir also für die vernetzte Zukunft nur noch kommunikationsfähige Stromversorgungen?

Wir sind an dieser Stelle noch missionarisch unterwegs. Das liegt daran, dass es in der Vergangenheit keine oder nur sehr eingeschränkte Kommunikationsmöglichkeiten gab. Viele Anwender denken nicht daran, dass es so was überhaupt gibt. Wir zeigen auf, wie wichtig es ist, eine Stromversorgung in eine Automatisierungslösung einzubinden. Dafür stellen wir über unsere Website eine Konfigurationssoftware zur Verfügung. Ein Anwender kann damit unterschiedliche Lasten und Betriebszustände simulieren und sieht welche Informationen über das Kommunikationsmodul an die Steuerung geliefert werden – ohne ein Gerät anschließen zu müssen. Perspektivisch wird die direkte Verbindung in die Cloud relevant werden. Wir werden MQTT als Protokoll anbieten, damit kann man auch von einer Cloud eine Diagnose oder Auswertung fahren.

Aber eine Stromversorgung mit Kommunikationsmodul kostet mehr ...

So ein Kommunikationsmodul ist nicht teuer. Es macht etwa einen Aufpreis von 10 Prozent aus. Da es ein optionaler Zusatz ist, kann der Kunde wählen. Wir haben uns bewusst dagegen entschieden, das Modul direkt zu integrieren. Der Anwender muss heute flexibel sein. Je nach Maschine bedient er unterschiedliche Protokolle. So kann er sich das geeignete Kommunikationsmodul aussuchen und mit der gleichen Stromversorgung unterschiedliche Protokolle bedienen. Zum Beispiel werden wir im Sommer das Modbus-TCP-Modul ausrollen und nachfolgend zusammen mit einem Ethernet-IP-Modul auch MQTT im gleichen Modul anbieten.

Was bietet eine kommunikationsfähige Stromversorgung?

Neben einem aufrastbaren Kommunikationsmodul verfügt die Pro 2 von Wago über einen Wirkungsgrad von 96,3 Prozent.
Neben einem aufrastbaren Kommunikationsmodul verfügt die Pro 2 von Wago über einen Wirkungsgrad von 96,3 Prozent.
(Bild: Wago)

Anwender denken bei einer kommunikationsfähigen Stromversorgung zuerst an einstellbare Parameter – wie Spannung, Obergrenzen für den Strom und so weiter. Das ist aber nur ein kleiner Teil. Wir können beispielsweise den Lastzustand permanent übertragen. Das heißt: In der Steuerung kann ich immer sehen, wie sich die Lastzustände über die Zeit verändern. Wenn ich das regelmäßig mache, sehe ich, wie sich meine angeschlossenen Verbraucher verhalten. Liegt zum Beispiel ein Verschleiß vor, braucht eine Pumpe mehr Strom. Das kann ich sehen. Ich kann also neben der Diagnose auch meine Verbraucher kontinuierlich überwachen. Zudem gibt es in den Pro 2 Stromversorgungen eine eingebaute elektronische Sicherung. Über die Steuerung kann nicht nur die Schwelle automatisch eingestellt, sondern auch die Sicherung wieder zurückgesetzt werden. Das passiert voll integriert über die Steuerung.

Thema Low Cost: Welche Rolle werden diese Stromversorgungen in der Zukunft noch spielen?

Auch Standard-Stromversorgungen werden in der Zukunft noch ihre Daseinsberechtigung haben. Wir bieten eine neue Familie an Eco-Stromversorgungen in unterschiedlichen Klassen an, bei denen die einfachsten Geräte keine Kommunikationsmöglichkeit haben. Warum machen wir das, wenn ich für die Kommunikationsmodule argumentiere? In der Automatisierungslandschaft wird es immer Anwendungen geben, die unkritisch sind. Die Einbauverhältnisse sind so, dass Kühlung immer gewährleistet ist, es weder hohe Temperaturen noch Vibrationen gibt, genug Platz vorhanden ist und unkritische Verbraucher angeschlossen sind. Jederzeit kann ein Techniker überprüfen, ob die Stromversorgung funktioniert. Jedoch sollte man auch bei diesen Geräten auf die Ausfallsicherheit achten. Zudem ist der Wirkungsgrad bei einem solchen Gerät nicht so hoch, wie bei einer höherwertigen Stromversorgung. Das muss der Anwender in Kauf nehmen.

Zum Beispiel gibt es aus dem asiatischen Bereich Geräte, bei denen der Anwender schon wissen muss, was er tut. Neben der Qualität und Ausfallsicherheit, spielt der Energieverbrauch eine immer wichtigere Rolle. Wenn ich ein Netzteil mit einem Wirkungsgrad von 80 Prozent oder sogar noch geringer habe, dann muss jedem klar sein, dass Energie unnötig verbrannt wird.

Welche Mindestanforderung muss ein günstiges Netzgerät erfüllen?

Bei solchen Geräten sollten Qualitätsmerkmale wie Robustheit und Sicherheit erfüllt werden. Performance-Einschränkungen ergeben sich aus einem einfacheren Aufbau mit geringerer Komplexität. Die Kaufentscheidung wird sehr bewusst getroffen und muss zur Anwendung passen.

Herr Böhmer, im März gründete Wago eine Tochter für Stromversorgungen. Wie kam es zu diesem Schritt?

Es gibt keine Automatisierungstechnik ohne Stromversorgung. Deshalb wollen wir unsere Automatisierungs-Kunden auch mit Stromversorgungen bedienen. Für uns war klar, wir müssen uns hier stärker aufstellen. Wir brauchen Know-how und Entwicklerkapazitäten im Haus, um kundenspezifische Anpassungen im internationalen Umfeld anbieten zu können. Es gibt viele Anwender aus unterschiedlichen Gebieten und Industrien, die ganz spezifische Anforderungen an die Stromversorgung haben. Das können beispielsweise Formfaktor, Leistungsdaten, proprietäre Protokolle sein.

Für die Wago Electronics GmbH haben wir Entwickler von einem Entwicklungspartner im Einvernehmen übernommen. Eigenentwickelte Stromversorgungen und generell Leistungselektronik sind für Wago ein wichtiges Wachstumsfeld. Deshalb werden wir das Team über die nächsten Jahre sukzessive aufbauen.

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