Wasseraufbereitung Die Potenziale für mehr Effizienz und Stabilität sind noch lange nicht ausgereizt

Redakteur: Wolfgang Leppert

Etwa 3.000 kommunale sowie zusätzlich zahlreiche industrielle Anlagen klären allein in Bayern das Wasser. Sie müssen rund um die Uhr stabil laufen und zugleich möglichst kostengünstig sein, wozu neben entsprechend effizienten Verfahren gerade auch die Mess-, Steuer- und Regelungstechnik beitragen kann. Rund 60 Experten informierten sich darüber unlängst auf Initiative der bayerischen Cluster Umwelttechnologie, Sensorik und Mechatronik in einem Workshop bei Endress+Hauser Wetzer in Nesselwang.

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Gut 60 Teilnehmer folgten dem Ruf der bayerischen Cluster Umwelttechnik, Sensorik und Mechatronik nach Nesselwang
Gut 60 Teilnehmer folgten dem Ruf der bayerischen Cluster Umwelttechnik, Sensorik und Mechatronik nach Nesselwang
( Archiv: Vogel Business Media )

Gut 450 Mitarbeiter beschäftigt das bereits 1872 gegründete und im Jahr 1976 von der Endress+Hauser-Gruppe übernommene Unternehmen am Standort Nesselwang sowie an weiteren Betriebsstätten in Italien, den USA, China und Japan sowie Südafrika. Innerhalb der Gruppe ist E+H Wetzer der Spezialist für Entwicklung und Produktion von Temperatur-, Registrier- und Systemtechnik mit Fokus auf Anwendungen in der Prozessindustrie. Etwa 15 Prozent der Belegschaft beschäftigt sich ausschließlich mit Innovationen, weshalb über ein Drittel des Umsatzes mit Produkten erzielt wird, die nicht älter sind als drei Jahre. Hohe Ansprüche an die eigene Qualität und Zuverlässigkeit führten — neben den einschlägigen Zertifizierungen — bereits zu diversen renommierten Auszeichnungen.

Prof. Franz Bischof: Die Kläranlage der Zukunft kann als Energieproduzent punkten (Archiv: Vogel Business Media)

Ein ideales Ambiente auch für Prof. Franz Bischof von der Hochschule Amberg-Weiden, um seine Ideen für die Kläranlage der Zukunft vorzustellen. Neue Ansätze dafür seien schon deshalb nötig, weil bestehende Anlagen mit steigenden Energiekosten zu kämpfen hätten, ohne selbst einen monetären Wertschöpfungsbeitrag zu liefern. „Eine Abwasserreinigungsanlage produziert zwar Nährstoffe und Wasser, was aber keiner kaufen will“, so Prof. Bischof. Beim Thema Energie sei dies jedoch ganz anders. Dabei sei die Einsparung von Energie durch Betriebsoptimierungen zwar wichtig, aber nur ein Teilaspekt. Denn durch neue Verfahren und Technologien könnte eine relevante Biogasproduktion entstehen, wodurch die Anlagen als neue Energielieferanten deutlich mehr Bedeutung erhielten. Dies erfordere jedoch nicht nur weitere verfahrenstechnische Entwicklungen, sondern stelle auch an die gesamte Mess- und Regeltechnik neue Anforderungen.

Was wiederum schon heute in der Prozessindustrie machbar ist, verdeutlicht für Reiner Weber, Abteilungsleiter Marketing Automatisierung bei Endress+Hauser in Weil am Rhein, der neue Standard WirelessHART. Seine Vorteile — von der Daten- und Übertragungssicherheit über entsprechende Einsparungen bei der Verkabelung oder der problemlosen Einbindung von Feldgeräten verschiedener Hersteller bis zum Wegfall diverser E/A-Komponenten — habe Endress+Hauser u.a. bei einem Netzwerktest in der eigenen Produktion verifiziert. Jedoch werde WirelessHART die verdrahtete HART-Technik nicht ersetzen sondern ergänzen, betont Reiner Weber.

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Teleservice eignet sich für gut 60 Prozent aller Serviceleistungen

Einen weiteren Ansatz, die Effizienz und Stabilität von Anlagen zu erhöhen und gleichzeitig die Lebenszykluskosten zu reduzierten, bietet nach Ansicht von Martin Springs, Leiter Automatisierungstechnik beim Maschinen- und Anlagenbauer Hans Huber in Berching, der Teleservice. Über 60 Prozent aller Serviceleistungen seien grundsätzlich für Teleservice geeignet, so Springs. Und dabei werde nicht nur für den Kunden Mehrwert generiert, etwa durch reduzierte Ausfallzeiten, höhere Anlagenperformance oder schnelle und kostengünstige Fehlerbeseitigung. Auch für den Maschinenbauer selbst ergäben sich Vorteile: So steige die Effizienz der eigenen Serviceteams, zugleich profitiere die Entwicklung und Kontruktion von einem besseren Informationsrückfluss. In einem aktuellen Gemeinschaftsprojekt mit der Emschergenossenschaft-Lippe-Verband habe Hans Huber klar messbare Ergebnisse etwa bei der Reduzierung von Aggregate-Ausfällen sowie der Instandhaltungs- und Betriebskosten insgesamt erzielt. „Als produktbegleitende Dienstleistung über den gesamten Lebenszyklus einer Anlage dient Teleservice der Ergänzung, nicht aber der Substitution einer Serviceabteilung“, resümiert Martin Springs.

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Attraktive Finanzierungsmodelle eröffnen neue Spielräume

Eine ganzheitliche Sicht unter Berücksichtung aller technischen und wirtschaftlichen Details empfieht wiederum Franz-Josef Sauer von Siemens I&D in Würzburg. Erst dann könnten Anlagenbetreiber umfassend beraten werden, wo die jeweils höchsten Verbesserungs- und Einsparpotenziale liegen. Nach wie vor müsse ja die Abwasserreinigung als Hauptfunktion einer Anlage im Vordergrund bleiben. Zugleich könnten mit einem Stufenkonzept zur energietechnischen Optimierung der verschiedenen Anlagenkomponenten erhebliche Reserven gehoben werden — insbesondere bei den Antrieben und Pumpen. Auf diese Weise habe man unlängst beispielsweise den Effizienzgrad einer Kläranlage in einer 10.000 Einwohner zählenden Gemeinde um 30 Prozent verbessert.

Ins Blickfeld rückt Franz-Josef Sauer aber auch die Finanzierungsfrage: Gerade bei öffentlichen Anlagen würde nämlich die Vergabe zu häufig nach Gesichtspunkten der Investition betrachtet und weniger auf Basis der Effizienz und der Betriebskosten. Hier biete Siemens ein Finanzierungsmodell auf Basis garantierter Einsparungen, das eine Refinanzierung aus später erzielbaren Einsparungen ermögliche.

Johannes Preiß, Krones: Um ein Glas Bier herzustellen braucht man bald vielleicht nur noch zweieinhalb Gläser Wasser, heute sind es noch fünf (Archiv: Vogel Business Media)

Welche Wassermengen auch in einem Getränkebetrieb eingespart werden können, beschäftigt Johannes Preiß aus der Forschung und Entwicklung der Krones AG in Neutraubling. Und das betrifft Wasser als Rohstoff, als Reinigungsmedium und als Energieträger. Die Aktivitäten richten sich dabei auf eine optimierte Prozesstechnik und Prozesssteuerung, eine sinnvolle Nutzung von Abwasser sowie eine Ressourcen schonende Reinigung. „Damit planen wir die Nutzung von 90 Prozent aller anfallenden Abwässer sowie eine Einsparung an Frischwasser um 50 Prozent“, erklärt Preiß. Und er verdeutlicht die Konsequenzen mit einem plakativen Beispiel: „Werden heute noch fünf Gläser Wasser zur Herstellung von einem Glas Bier benötigt, kommt man nach Umsetzung unserer Maßnahmen mit zweieinhalb Gläsern aus.“

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