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Industrie 4.0 Digitalisierung in der Industrie ist unausweichlich

| Autor: Stefanie Michel

Die Themen Digitalisierung und Vernetzung sind komplex und erfordern von den Unternehmen in der Industrie ein umfassendes Wissen und Investitionen. Die Vereinigung der bayerischen Wirtschaft (vbw) will einen Beitrag zur Digitalisierung für seine Mitglieder leisten und sie unterstützen. Deshalb kamen zahlreiche Firmenvertreter zur vbw-Veranstaltung „Chancen der Digitalisierung“ nach Schweinfurt.

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Rudolf Martin Siegers: „Wir müssen unsere Wettbewerbsfähigkeit sichern und steigern.“ Und das kann mit Digitalisierung und Vernetzung gelingen.
Rudolf Martin Siegers: „Wir müssen unsere Wettbewerbsfähigkeit sichern und steigern.“ Und das kann mit Digitalisierung und Vernetzung gelingen.
(Bild: Stefanie Michel)

Die Bedeutung der Digitalisierung steht außer Frage, doch die Umsetzung bedarf neben Veränderungen in den Unternehmen auch politischer Weichenstellungen. So fordert Dirk Pollert, stellvertretender vbw-Hauptgeschäftsführer, die Politik auf, endlich den Netzausbau zu beschleunigen. Bis 2020 müsste eine Übertragungsgeschwindigkeit von mindestens 100 Mbit Standard sein, um wettbewerbsfähig zu bleiben. Auch für Rudolf Martin Siegers, Leiter Siemens Deutschland, sieht hier deutlich Nachholbedarf: „Wie können wir in Deutschland führend bleiben, wenn nicht einmal eine leistungsfähige Kommunikation möglich ist?“

Des Weiteren müssen sich aber auch die Arbeitsbedingungen verändern. Dazu gehöre eine entsprechende Arbeitsplatzgestaltung, flexible Arbeitszeiten, aber auch Rechtssicherheit. Um entsprechendes Personal für den digitalen Wandel jetzt und in Zukunft zu haben, muss zudem in die Aus- und Weiterbildung in Richtung Industrie 4.0 investiert werden. Motor der Digitalisierung ist laut Pollert Forschung und Entwicklung, doch hier werde zu wenig getan. Diese Ausgaben müssten gesteigert werden, auch über eine steuerliche Forschungsförderung. Zuletzt fordert Pollert, sich mit dem Thema Sicherheit – sowohl Cyber Security als auch Datenschutz – zu beschäftigen.

Neue Geschäftsmodelle entstehen durch Digitalisierung

Sind die Hürden genommen und die Digitalisierung im Gange, dann können Unternehmen auch neue Geschäftsmodelle entwickeln – Uber, My-Hammer, aber auch Amazon und Google mache es vor. Vergleicht man solche Firmen, dann hinkt Deutschland deutlich hinterher. So machte Prof. Dr. Thomas Bauernhansl vom Fraunhofer IPA klar, dass der gesamte deutsche Maschinenbau pro Jahr 2 Mio. Euro weniger investiert als Google. Vielleicht haben einige noch nicht verstanden, dass man im Zuge von Digitalisierung und Vernetzung auf Internet-Dienste setzen muss und haben das Potenzial dahinter noch nicht erfasst. Bauernhansl zeigt am Beispiel von Whatsapp, dass Facebook genau wußte, warum es ein Unternehmen mit lediglich 40 Mitarbeitern und ohne Gewinn für 32 Mrd. US-Dollar übernommen hat: Die 800 Mio. Kunden könnten schnell zum Millionengeschäft werden. Verstanden hat das auch der Landmaschinenhersteller Claas, der beispielsweise mit „Formnet 365“ eine offene Service-Plattform anbietet und diverse Fremddaten wie Wettervorhersagen oder Düngerinformationen miteinander vernetzt. Zusammen mit den Geodaten aus den Landmaschinen, können Landwirte beispielsweise optimiert düngen.

Industrie 4.0 in kleinen Schritten ins Unternehmen bringen

Um Lösungen in der eigenen Fertigung umzusetzen, ist es allerdings wichtig die Angst vor der scheinbar unlösbaren Aufgabe zu nehmen. Werner Balandat, Executive Vice President und Leiter Business Service von ZF Friedrichshafen am Standort Schweinfurt, zeigte am Beispiel von ZF exemplarisch, wie dort die Digitalisierung Schritt für Schritt umgesetzt wird. Bis 2020 will man die erste autonome Produktionseinrichtung realisiert haben. Doch auch kleine Unternehmen können sich daran ein Beispiel nehmen: bestimmte Projekte heraussuchen, Erfahrungen in kleineren Projekten sammeln und Mitarbeiter in den Wandel mit einbinden. Dann lässt sich das sukzessive ausweiten. Bauernhansl weist zudem darauf hin, dass jedes Unternehmen offen sein sollte für Kooperationen, denn nicht alles ist alleine zu schaffen.

Letztenendes bleibt der deutschen Industrie keine Wahl; die Digitalisierung und Vernetzung ist unausweichlich – ob dies nun Industrie 4.0 heißt oder nicht – und sie betrifft die Fertigung ebenso wie den Betrieb und die Instandhaltung. „Wir müssen unsere Wettbewerbsfähigkeit sichern und steigern“, betont Siegers, und damit die Time-to-market verkürzen, die Flexibilität erhöhen und die Energieeffizienz in der Produktion steigern. .

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Über den Autor

 Stefanie Michel

Stefanie Michel

Journalist, MM MaschinenMarkt