Energiemanagementsystem

DIN ISO 50001/50003: Was die Normung bedeutet

| Redakteur: Sariana Kunze

Den Durchblick behalten: Mit der neuen ISO 50003 gibt es für Unternehmen mit einem zertifizierten Energiemanagementsystem nach ISO 50001 grundsätzliche Änderungen.
Den Durchblick behalten: Mit der neuen ISO 50003 gibt es für Unternehmen mit einem zertifizierten Energiemanagementsystem nach ISO 50001 grundsätzliche Änderungen. (Bild: ©rcfotostock - stock.adobe.com)

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Für die Zertifizierung eines Energiemanagementsystems gelten neue Anforderungen. Doch was bedeutet die neue Normenfamilie nach DIN ISO 50001/50003 für Unternehmen genau? Wir klären über die neuen Anforderungen bei der Zertifizierung auf.

Für die Zertifizierung eines Energiemanagementsystems nach ISO 50001 gibt es seit dem 14. Oktober 2017 neue Bestimmungen. Diese sollten Energiemanager kennen, denn die Norm ISO 50003 verändert die Zertifizierungspraxis. Im ersten Schritt sind die Unternehmen betroffen, die nach diesem Stichtag eine Erstzertifizierung oder eine Re-Zertifizierung durchführen lassen. Wiederholungs-, bzw. Überwachungsaudits können bis zur nächsten Zertifizierung noch nach den bisher gültigen Anforderungen durchgeführt werden. Da aber im dreijährlichen Abstand zertifiziert werden muss, besteht die Übergangszeit nur noch maximal zwei Jahre. Aber was bedeuten diese Fristen nun für Unternehmen?

Hat ein Unternehmen beispielsweise die Erstzertifizierung oder die letzte Re-Zertifizierung vor dem 14. Oktober 2017 durchgeführt, dann erfolgte diese nach der bisherigen ISO 50001. Auch die nächsten beiden Überwachungsaudits können noch wie bisher durchgeführt werden. Unternehmen, die nach dem Stichtag eine Erst- oder Re- Zertifizierung durchführen, müssen dies schon nach den neuen Anforderungen der ISO 50003 vornehmen lassen. Da die Bestimmungen der ISO 50003 aufwändiger sind als die bisherigen, empfiehlt es sich, beizeiten alle Aktivitäten und Maßnahmen auf die neue Normung auszurichten, denn sie erfordern voraussichtlich einen höheren Zeit- und Arbeitsaufwand als bisher, insbesondere wegen der höheren Anforderungen bei den energetischen Leistungskennzahlen (EnPI). Werden die definierten EnPI nicht erreicht, dann kommt es zu Abweichungen und die Zertifizierung kann abgelehnt werden. Unternehmen, die Ansprüche nach § 10 Stromsteuer- oder nach § 55 Energiesteuerrückerstattungen geltend machen wollen, können darüber hinaus die Erstattungsansprüche verlieren. Insgesamt sind die Anforderungen an die Unternehmen, an die externen oder internen Energiemanagementbeauftragten, aber auch an die Auditoren höher geworden. Fünf Hauptpunkte unterteilen, was sich verändert hat: Die energiebezogenen Leistungen müssen sich nachweislich verbessert haben, belastbare Daten und Messwerte werden verlangt, sinnvolle Energie-Basislinien (EnB) und Energieleistungskennzahlen (EnPI) müssen definiert sein, durchgeführte Maßnahmen müssen anhand von Mess- und Bewertungsplänen validiert werden und die Berechnung der Auditzeiten ändert sich. Während bisher die Angabe von Zahlen und Daten ohne Nachweis genügte, sind jetzt diese Zahlen und Daten, die die Verbesserung der Energieeffizienz abbilden, belastbar nachzuweisen. Grundlagen für die Herangehensweise bieten die ISO 50006 und 50015. Welche Nachweise sind möglich?

  • Der Gesamtenergieverbrauch wurde reduziert.
  • Der Gesamtenergieverbrauch stieg, aber die Kennzahlen haben sich positiv entwickelt.
  • Der Energieverbrauch der Ausrüstung oder Produktionstechnik hat sich verbessert.
  • Die Entwicklung der energiebezogenen Kennzahlen.

Grundlage sind nicht nur Energiesparprojekte, sondern alle Prozessoptimierungen, die auf den Energieverbrauch Einfluss nehmen. Dafür müssen sinnvolle und aussagefähige Kennzahlen gebildet werden. Fazit: Es können alle energetisch relevanten Maßnahmen in die Gesamtbilanz einbezogen werden. Das können mehr Maßnahmen sein als bisher. Es sollten also alle Änderungen auf ihre „Energiewirksamkeit“ überprüft und ggf. in das Energiemanagementsystem (EnMS) eingebunden werden. Die Anforderungen an die Qualität und Aussagekraft der Kennzahlen steigt gleichzeitig.

ISO 50015: Belastbare Daten und Messwerte

Verbrauchswerte sind genau zu ermitteln und müssen durch Messungen mit allen wichtigen Einflussfaktoren den Anlagen bzw. Prozessen und den Einsparzielen im Aktionsplan zugeordnet werden. Wichtig ist, für den Auditor müssen die Daten nachvollziehbar und plausibel sein, was die Zuordnung und Erlangung betrifft. Unterstützt werden kann die Bewertung der einzelnen Messungen durch den Leitfaden zur Messung und Verifizierung der ISO 50015. Dort findet man außerdem konkrete Hinweise, wie ein Maßnahmenplan erstellt wird und welche Anforderungen es an die Dokumentation gibt. Die ISO 50015 (wie auch die 50006) verstehen sich als Leitfaden, welcher Messungen der energiebezogenen Leistung näher erläutert. Er enthält beispielsweise: Hinweise zum Aufbau und zur Implementierung individueller Messkonzepte, die eine aussagefähige Darstellung der Effizienzsteigerung ermöglichen, Prinzipien der Messung und Verifizierung, Hinweise zur Erstellung eines Mess- und Bewertungs-/Verifizierungsplans (M&V-Plan) und zu dessen Einführung sowie Richtlinien zur Dokumentation von Messung und Verifizierung.

ISO 50006: Energie-Basislinien und -Kennzahlen erarbeiten

Energiekennzahlen und Energie-Basislinien bilden die Grundlage, wie verbesserte Energieeffizienz bemessen wird. Mit ihnen können die energiebezogenen Leistungen über einen bestimmten Zeitraum quantifiziert werden. Nach welcher Methodik und nach welchen Kriterien diese Kennzahlen ermittelt werden sollen, legt die neue ISO 50006 fest. Dabei sind vor allem das Herleiten und das Bewerten von Einflussfaktoren auf die Energiekennzahlen wichtige Punkte mit einem neuen Qualitätsstandard. Die ISO 50006 definiert vier Arten von Kennzahlen. Mit den Energiekennzahlen können Veränderungen in einem bestimmten Zeitraum bewertet werden. Sie müssen sinnvoll sein, sind sorgfältig auszuwählen und bei betrieblichen oder organisatorischen Veränderungen anzupassen. Häufige Veränderungen mit Einfluss auf EnB und EnPI können sein: Veränderung des Energieeinsatzes, neue Daten durch verbessertes Messkonzept, genauere Messergebnisse oder Einbeziehung neuer Variablen, Datenmenge sowie Veränderung der operativen Ziele. Somit sind alle Veränderungen auf ihren energetischen Einfluss zu prüfen.

ISO 50015: Maßnahmen in Messplänen validieren

Die im Leitfaden der ISO 50015 festgelegten Mess- und Validierungspläne (M&V-Pläne) dienen nicht nur als Grundlage für Messkonzept und Erfassung der EnPI, sondern sind für einen ständigen Abgleich zwischen geplanten und erreichten Effizienzverbesserungsergebnissen einzusetzen. Diese Pläne stellen den ständigen Begleiter im Laufe der Maßnahmenumsetzung dar und werden stets aktualisiert, präzisiert und den sich veränderten Gegebenheiten angepasst. In diesem Zusammenhang ist auch ein Energiedatenerfassungsplan notwendig, der ebenfalls stets aktuell zu halten ist. Alle Pläne sind so zu gestalten, dass die Daten und Zahlen nachvollziehbar für den Auditor sind. Dadurch erweitert sich die Dokumentation um Mess- und Validierungspläne sowie um Energiedatenerfassungspläne.

ISO 50003: Neue Berechnung der Auditzeiten

Die Berechnungsgrundlage der Auditzeiten ändert sich auch. Sie richtet sich nunmehr nach der EnMS-relevanten Mitarbeiterzahl und nach der Komplexität des EnMS. Der Auditaufwand wird nicht mehr nach der Mitarbeitergesamtzahl ermittelt, sondern nach der Anzahl des wirksamen Personals im EnMS.

Das sind die Mitarbeiter, die einen wesentlichen Einfluss auf den Energieverbrauch im Unternehmen haben – also Top-Management, EnMS-Team, Mitarbeiter mit Einfluss auf die Wirksamkeit des EnMS oder auf wesentliche Veränderungen, die sich auf das EnMS auswirken, Mitarbeiter mit Einfluss auf den Energieverbrauch und die Energieeffizienz. Verwaltungs- und Montagepersonal zählen nicht dazu. Die Kriterien der Komplexität des EnMS sind jährlicher Energieverbrauch, Anzahl der Energiequellen und die Anzahl wesentlicher Energieeinsätze. Diese Kriterien werden je nach Größe mit Komplexitätsfaktoren ausgestattet und gewichtet. Daraus errechnet sich die Dauer des Überwachungs- (1 bis 4 Tage) und des Re-Zertifizierungsaudits (2 bis 9 Tage). Fazit: Unternehmen müssen differenziertere und mehr Informationen als bisher an den Auditor liefern, damit dieser den Auditaufwand entsprechend der Kriterien berechnen kann. Eventuell muss auch mit einer längeren Auditzeit gerechnet werden. Die Novellierung der Normenfamilie für ein Energiemanagementsystem stellt insgesamt höhere Anforderungen in Bezug auf Zeitaufwand, Detailliertheit und Nachweisführung an die Unternehmen. Je nach terminlichem Stand der Zertifizierungen sollten Unternehmen mindestens ein Jahr vor der nächsten fälligen Re-Zertifizierung mit der Umstellung auf die neue Normenreihe beginnen. Damit sichern sich Unternehmen eine erfolgreiche Zertifizierung im ersten Anlauf.

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