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Mobbing

Druck am Arbeitsplatz fördert Aggressivität

| Autor/ Redakteur: Jürgen Schreier / Sariana Kunze

Wie weit verbreitet sind Mobbing und Gewalt am Arbeitsplatz in Deutschland? Repräsentative Daten fehlen. Der WSI-Betriebsrätebefragung zufolge müssen Arbeitnehmervertreter aber immer häufiger gegen Mobbing einschreiten.

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Zunehmender Druck am Arbeitsplatz erhöht nicht nur das Burn-out-Risiko, sondern kann auch zu mehr Aggressivität beitragen.
Zunehmender Druck am Arbeitsplatz erhöht nicht nur das Burn-out-Risiko, sondern kann auch zu mehr Aggressivität beitragen.
(Bild: CC0 Public Domain )

Zu den vielen Widrigkeiten, die Arbeitnehmern den Job verleiden können, gehören Feindseligkeiten von Kollegen, Chefs oder Kunden. Die europäischen Sozialpartner haben 2007 beschlossen, gegen Aggressionen am Arbeitsplatz aktiv zu werden, und eine entsprechende Rahmenvereinbarung verabschiedet. Wie sich seitdem die Situation in Deutschland entwickelt hat, hat WSI-Forscherin Birgit Kraemer für die Europäische Stiftung zur Verbesserung der Lebens- und Arbeitsbedingungen (Eurofound) analysiert.

17,4 Prozent der deutschen Arbeitnehmer leiden unter feindseligem Sozialverhalten

Dass Gewalt und Mobbing gravierende Folgen haben können, sei empirisch überzeugend belegt, so Kraemer. Auf dem Spiel stünden nicht nur die Arbeitszufriedenheit und die Motivation, sondern auch die Gesundheit der Opfer. Etliche Befunde deuteten darauf hin, dass Druck am Arbeitsplatz in diesem Zusammenhang eine wichtige Rolle spielt: Zunehmender Stress dürfte nicht nur das Burn-out-Risiko erhöhen, sondern auch zu mehr Aggressivität beitragen.

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Wie viele Beschäftigte tatsächlich betroffen sind, sei dagegen schwer einzuschätzen, weil es kaum belastbare Daten gebe. Laut dem European Working Conditions Survey (EWCS) von 2010 leiden 17,4 Prozent der deutschen Arbeitnehmer unter feindseligem Sozialverhalten, mehr als im EU-Durchschnitt. Die EWCS-Ergebnisse seien allerdings nur begrenzt aussagekräftig, weil die Frage nach Aggressionen am Arbeitsplatz Interpretationsspielraum lasse, warnt die Soziologin. Es sei anzunehmen, dass die Differenzen auch nationale Unterschiede in der Sensibilität gegenüber körperlicher oder seelischer Gewalt widerspiegeln.

Datenlage in Deutschland bislang gänzlich unzureichend

In Deutschland sei die Datenlage – anders als in manchen anderen Mitgliedsstaaten – bislang gänzlich unzureichend. Repräsentative Daten zu Mobbing seien über zehn Jahre alt und solche zu sexueller Belästigung oder physischer Gewalt am Arbeitsplatz lägen nicht vor, so Kraemer.

Ihre Auswertung unterschiedlicher Quellen lege allerdings nahe, die Entwicklung genauer zu beobachten: Zwar ist nach der bundesweiten Erwerbstätigenbefragung der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin und des Bundesinstituts für Berufsbildung der Anteil der Beschäftigten, die sich bei der Arbeit ausgegrenzt fühlen, zwischen 2006 und 2012 von 9,9 auf 8,2 Prozent gesunken. Doch der WSI-Betriebsrätebefragung zufolge müssen Arbeitnehmervertreter häufiger gegen Mobbing einschreiten: 2005 gab knapp ein Drittel der Betriebsräte an, sich mit entsprechenden Fällen befasst zu haben, 2011 mehr als die Hälfte.

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