Mitarbeiter „Effizienz muss sexy sein“

Redakteur: Robert Weber

Die Gewerkschaften entdecken die Energie für sich. Sie wollen die Arbeitnehmer im Unternehmen fit für mehr Effizienz machen und sie weiter qualifizieren. Nebenbei könnte dadurch auch die Mitbestimmung an Bedeutung gewinnen.

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Die Unternehmen müssen im Energiemanagementsystem die Mitarbeiter mitnehmen, denn sie sind die Experten in den Prozessen.
Die Unternehmen müssen im Energiemanagementsystem die Mitarbeiter mitnehmen, denn sie sind die Experten in den Prozessen.
(Bild: Weber, Richter)

Eckard Schäfer und Tom Schablack arbeiten bei Volkswagen in der Gießerei in Hannover. Der Eine schafft in der Frühschicht, der andere Kollege in der Spätschicht. In der Vergangenheit trafen sich die Niedersachsen immer beim Schichtwechsel, tauschten sich kurz aus und Schäfer ging in den Feierabend und Schablack ans Werk – Arbeitsroutine in der Automobilindustrie. Abseits der Standardprozesse kam den beiden VW-Mitarbeitern vor einigen Monaten eine Idee, die sie dann immer während des Schichtwechsels ausformulierten und dann in der Praxis konkretisierten .Der Lohn für das Engagement: Die Auszeichnung „Volkswagen Idee des Monats“. Schablack und Schäfer war es gelungen 1,1 Mio. kWh Strom einzusparen. Der Vorstand freut sich, eine Pressemitteilung geht raus, der Betriebsrat lobt die Kollegen und Schäfers und Schablacks Boss, Dr. Raimund Rösch, ist stolz auf seine Mitarbeiter.

Gewerkschaft definiert neue Rolle des Mitarbeiters

Das Beispiel aus Hannover ist Wind auf die Mühlen von Dietmar Hexel vom DGB (Deutscher Gewerkschaftsbund) in Frankfurt. Für ihn sind motivierte Mitarbeiter Voraussetzung einer energieeffizienten Produktion. Die Gewerkschaft mischt sich ein, auch in die Energieeffizienzdebatten in der Öffentlichkeit, denn mit ihnen verbinden die Arbeitnehmervertreter auch neue unternehmerische Ziele und eine neue Rolle für die Mitarbeiter.

Hexel und seine Kollegen fordern von den Unternehmen, mehr auf Energieeffizienz zu setzen und sehen auch die Politik unter Zugzwang. Stichwort: Kreditprogramme für den Mittelstand.

Neben technischen Investitionen, steht für den DGB vor allem der Mitarbeiter und seine Kompetenz in Energiefragen im Mittelpunkt. Ohne Akzeptanz für mehr Effizienz in der Produktion, könne die Energiewende nicht funktionieren, ist man sich in den Gremien einig. „Effizienz muss sexy sein“, erklärt Hexel vor Unternehmern . Der Gewerkschaftler verdeutlicht dieses an der Kommunikation von Effizienz-Projekten:

Die Geschäftsführung oder das Projektteam sollten klare Botschaften vermitteln: „Wir wollen Energie so einsetzen, dass wir gute Ergebnisse erzielen, unsere Energiebilanz besser als der Wettbewerb ist und wir die Umwelt durch weniger Energieverbauch entlasten.“ Einen Ordnungsrahmen schaffen, schlägt Hexel vor: „Damit wir unser Ziel erreichen, führen wir ein Energiemanagementsystem ein.“ Initiativen fördern: „Was bedeutet Energieeffizienz bei uns konkret? Haben Sie Lust mitzumachen? Sind Sie ein Effizienz-Fan?“Der Mensch ist Teil des Energiemanagementsystems. Mitarbeiter sind Experten, denn sie kennen den Betriebsablauf am besten, sie wissen, wo Energie verschwendet wird, sie wollen ihre Ideen einbringen und sind an guten Lösungen interessiert. Allerdings: Die Mitarbeiter müssen gefragt werden. Gute Beispiele? Hexel verweist gerne auf das Energiemanagementsystem der Georgsmarienhütte GmbH. Die Stahlkocher haben Energieteams etabliert, Energiepaten ausgebildet, regelmäßige Schulungen, Audits, Kampagne für Effizienz und wollen alle Mitarbeiter in das Projekt einbinden. Für die Unternehmen und deren Mitarbeiter haben Hexel und der DGB einige Tipps und Forderungen für den Energiealltag daraus abgeleitet:

  • Klare Haltung, Kursvorgabe und Ressourcen durch das Management
  • Betriebsräte müssen die Prozesse der Effizienz stärker beeinflussen
  • Betriebliches Vorschlagswesen umbauen
  • Mitarbeiter vorbereiten und aktiv einbeziehen (Ideenwerkstatt, Seminare)
  • Zertifikate ausstellen, staatliche Anerkennung organisieren
  • Erfolge berichten und feiern (Presse, Interne Kommunikation, Wettbewerbe)
  • Audit und Energiecontrolling einrichten
  • Alle Akteure fit machen. Motto: Effizienz bedeutet für mich...

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