Psychologie

Egotrips in Projekten und wie Sie sich schützen

27.11.2009 | Autor / Redakteur: Peter Siwon* / Martina Hafner

Peter Siwon, der im Management des Trainingsanbieters MicroConsult tätig ist, beschäftigt sich seit langem mit der menschlichen Seite des Projekterfolgs. Er hat sich mit Vorträgen und Publikationen einen Namen gemacht und ist Autor des Buchs „Denkanstöße für den Projekterfolg“. Kontakt: denkanstoss@miroconsult.de
Peter Siwon, der im Management des Trainingsanbieters MicroConsult tätig ist, beschäftigt sich seit langem mit der menschlichen Seite des Projekterfolgs. Er hat sich mit Vorträgen und Publikationen einen Namen gemacht und ist Autor des Buchs „Denkanstöße für den Projekterfolg“. Kontakt: denkanstoss@miroconsult.de

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Der Wunsch nach Selbstbestätigung treibt Menschen einerseits zu großen Leistungen. Andererseits wenden sie Tricks an, um sich erfolgreicher erscheinen zu lassen. Was steckt dahinter und wie schützen Sie sich vor Egotrips im Berufsalltag?

Das Wörtchen „Ich“ kommt so bescheiden mit drei Buchstaben daher. Doch dahinter verbirgt sich die komplexe Leistung des Gehirns, ein Ich-Modell (Ego) zu entwickeln und anzuwenden. Ohne dieses Ego wäre z.B. Arbeits- und Rollenverteilung in Projekten nicht möglich.

Aber es kommt auch zum Einsatz, um Projektergebnisse geschickt ins rechte Licht zu rücken, zu lügen oder zu betrügen. In allen Lebenssituationen agiert das Ego als ständiger stiller Begleiter im Hintergrund. Wir bemerken meist nicht, wie sehr es unser Handeln und Denken bestimmt.

Selbstbild und Selbsttäuschung sind eng verwandt

Die Mehrheit der Menschen schätzt sich als überdurchschnittlich leistungsfähig und unterbezahlt ein. Bei einer typischen Normalverteilung der Begabungen liegt allerdings etwa die Hälfte des betrachteten Personenkreises unter dem Durchschnitt. Dieser Widerspruch deutet auf eine systematische Fehleinschätzung hin. Und so ist es auch. Die meisten halten sich für besser, als sie es nach objektiven Kriterien oder der Einschätzung anderer sind.

Diese Tatsache offenbarte sich mir durch ein 360°-Feedback. Dabei wurden die Einschätzungen meiner fachlichen und persönlichen Kompetenzen bei Vorgesetzten, Kollegen, Mitarbeitern und mir selbst anonym gesammelt und ausgewertet. Ergebnis: Mein Selbstbild wich eindeutig von dem Bild der anderen Befragten ab. So hat zwar mein Selbstbewusstsein einen kleinen Knacks bekommen, aber die Selbsterkenntnis einen großen Schub.

Bild 1: Abweichung des Selbstbilds
Bild 1: Abweichung des Selbstbilds

Der Mensch hat eine intuitive Neigung, Erfolg oder Misserfolg zu seinen Gunsten zu interpretieren. Die Psychologen nennen das Phänomen Self-Serving Bias (eigennützige Verzerrung). Es führt dazu, dass der Einfluss der Situation und anderer Personen im Erfolgsfall unterbewertet, bei Misserfolg aber überbewertet wird. Der Grund dafür wird sichtbar, wenn wir Menschen in einer Gemeinschaft wie Projektteams betrachten.

Eine Gemeinschaft senkt Aufwand und Risiko und bietet bessere Erfolgschancen, weil jeder seine Fähigkeiten und Eigenschaften einbringt und im Gegenzug die der anderen nutzt. Dabei werden u.a. materielle, körperliche und emotionale Leistungen ausgetauscht. Wer seine Stärken gut darstellt, hat die besten Chancen auf einen profitablen Austausch. Ein verstärktes Selbstbewusstsein stellt eine wichtige Voraussetzung dar, denn wer von sich selbst überzeugt ist, überzeugt auch nach außen.

Großes Reportoire an Hoch-und Tiefstapel-Tricks

Bild 2: Selbstdarstellung bei Hochstaplern und Tiefstaplern
Bild 2: Selbstdarstellung bei Hochstaplern und Tiefstaplern

Da eine geschickte Selbstdarstellung die Chancen erhöht, verfügt der Mensch über ein großes Repertoire an Hochstapel-Tricks. Sie nutzen positive Assoziationen als Verstärker und vermeiden negative Assoziationen. Es spielt keine Rolle, ob es sich um sinnvolle und beweisbare Zusammenhänge handelt. Alles was in einem positiven Kontext zu einer Person steht, kommt ihr zugute: schönes Wetter, gutes Essen, schönes Ambiente, gutes Aussehen, angenehmer Duft, gute Nachricht, Schmeicheleien.

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