Sensorik und Messtechnik in der Agrar- und Forstwirtschaft Eine Million Jahre Evolution sparen mit Sensorik und Messtechnik

Redakteur: Sariana Kunze

Der AMA Wissenschaftsrat, bestehend aus Vertretern der rund 70 im AMA Fachverband für Sensorik organisierten Forschungseinrichtungen, trifft sich zweimal jährlich zum offenen Austausch. Diesmal kamen Wissenschaftler und AMA Mitgliedsunternehmen im Büsgen-Institut der Universität Göttingen zusammen, um über aktuelle Bedarfe an Sensorik und Messtechnik in der Agrar- und Forstwirtschaft zu diskutieren.

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( Archiv: Vogel Business Media )

Professor Dr. Andreas Schütze von der Universität des Saarlandes und Vorsitzender des AMA Wissenschaftsrates betonte, dass diese Treffen dazu dienen, die Wissenschaft und die Industrie enger zu verbinden. Neueste Forschungserkenntnisse wurden präsentiert und anschließend die Wünsche der Industrie gemeinsam diskutiert.

Mit biomimetischer Sensorik eine Million Jahre Evolution sparen

Prof. Dr. Stefan Schütz, Leiter der Abteilung Forstzoologie und Waldschutz des Büsgen-Institutes und zugleich Gastgeber dieser Sitzung, stellte den Teilnehmern ein aktuelles Projekt der biomimetischen Sensorik auf der Basis des Insektengeruchssinns vor. Ausgangspunkt war die Feststellung, dass eine Käferart einen ausgeprägten Geruchssinn für Waldbrände besitzt. Diese Kiefernprachtkäfer fliehen nicht etwa vor dem Feuer, sondern suchen Waldbrände, um ihre Eier in angebrannten Baumstämmen abzulegen. Diesen besonderen sensorischen Sinn wollen Forstwirtschaftler und Wissenschaftlern aus der Sensorik- und Messtechnik nutzen, um Brände in gefährdeten Industrieanlagen auf der Basis von Halbleiter-Gassensoren frühzeitig zu erkennen. „Wenn wir von der Biologie lernen, welche Gerüche z.B. spezifisch für brennendes Holz sind, und dieses Wissen in die Sensorik übersetzen, sparen wir uns im besten Fall eine Mio. Jahre Evolution“, resümierte Professor Schütz zum Ende seines Vortrages.

Bewässerungsmanagement zur verbesserten Ressourcennutzung

Prof. Dr. Ulrich Zimmermann von der Firma ZIM Plant GmbH präsentierte seine Sensorik-gesteuerte Bewässerung in der Land- und Forstwirtschaft. Diese marktreife Entwicklung erhielt den SENSOR Innovationspreis 2011 und zeichnet sich dadurch aus, dass die sogenannten ZIM-Sonden eine nicht-invasive und nutzerfreundliche Echtzeit-Überwachung des Wassergehaltes von Pflanzen ermöglichen. Bei dieser Messmethode werden die Pflanzen nicht beschädigt und ein Bewässerungsmanagement informiert den Landwirt in Echtzeit weltweit über die aktuelle Wasserversorgung seiner Pflanzen. Laut Professor Zimmermann sorgt diese kontrollierte Bewässerung für signifikante Einsparungen bei der Bewässerung, reduziert die Versalzung von Böden und optimiert gleichzeitig den Einsatz von Dünge- und Pflanzenschutzmitteln.

Sensoren entlasten Bediener, schonen Ressourcen und erhöhen die Produktivität

Weitere Gäste des AMA Wissenschaftsrates waren die Firmen Claas und Amazonen Werke, die u.a. selbstfahrende Erntemaschinen bzw. Sä- und Düngemaschinen entwickeln und vertreiben.

Beide Industrievertreter berichteten, dass eine weitere Steigerung von Effizienz und Qualität im Nutzpflanzenanbau nur mit hochwertiger Sensorik und Messtechnik in modernen Landmaschinen möglich sei. Bezahlte ein Kunde vor 30 Jahren ca. 3.000 Euro für eine Maschine, so kosten moderne Landmaschinen heute nicht selten 30.000 Euro und mehr. Dabei entfallen nur noch ca. 30 Prozent auf die Grundmaschine, 30 Prozent auf die Regelelektronik und 40 Prozent auf die eingesetzte Sensorik. Die Firma Claas z.B. investierte 2010 gut fünf Prozent des Jahresumsatzes in Forschung und Entwicklung. Das Ergebnis sind Landmaschinen, die immer selbstständiger und intelligenter werden. Ob durch präzisere Messungen bei der Streuung des Saatgutes oder der gleichmäßigen Befüllung der Erntefahrzeuge: Sensoren entlasten Bediener, schonen Ressourcen und steigern die Produktivität.

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