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Schalttechnik Einsatz von Hybrid-Motorstartern in Auktionshallen halbieren Geräteanzahl

Autor / Redakteur: Marc Wevers* / Dipl. -Ing. Ines Stotz

In den Auktionshallen im belgischen Mechelen sollte der Antrieb eines neuen Fördersystems montiert werden, das Dutzende von Rollenbahnen umfasst. Dem Industrie-Dienstleister Fabricom standen dazu lediglich 2,5 Meter Schaltschrankplatz zur Verfügung. Vor diesem Hintergrund setzt das Unternehmen den Hybrid-Motorstarter Contactron von Phoenix Contact ein – der bis zu vier Funktionen in einem nur daumenbreiten Gerät vereint.

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Koen Schoefs, Automatisierungstechniker, Fabricom: „Contactron war das einzige Gerät, das uns eine Steuerung der 77 Antriebe in einem kompakten Schaltschrank ermöglichte.“
Koen Schoefs, Automatisierungstechniker, Fabricom: „Contactron war das einzige Gerät, das uns eine Steuerung der 77 Antriebe in einem kompakten Schaltschrank ermöglichte.“
(Bilder: Phoenix Contact)

Die Mechelner Auktionshallen befinden sich in der Nähe der Ortschaft Sint-Katelijne-Waver. Auf einer Grundfläche von 58 ha werden hier jährlich 265.000 t Gemüse verkauft. Bei einem Umsatz von 200 Mio. Euro handelt es sich somit um die größte genossenschaftliche Versteigerung von Gemüse in ganz Europa. Eines der zahlreichen Lagerhäuser am Standort dient dabei als Verpackungszentrum. Die große Halle ist bis an die Decke mit Plastikkörben und Kartons gefüllt, die für den nationalen Markt und den Export bestimmt sind. Jedes Jahr werden elf Mio. Kartons zusammengefaltet und im Verpackungszentrum gestapelt, um von den Gemüsebauern beladen und in die Auktionshallen gebracht zu werden.

Intelligentes Fördersystem mit einer Vielzahl von Antrieben

Zwölf Falzmaschinen falten die Kartons in einer kleinen Halle neben dem Verpackungszentrum zusammen. Dazu führt der Bediener den flachen Karton auf der einen Seite in die Maschine ein. Der Karton kommt dann aufgerichtet auf der gegenüber liegenden Seite der Maschine heraus und wird manuell auf Paletten geschichtet. Da der Vorgang vollautomatisch abläuft, muss der Bediener keine leeren Paletten heranschaffen oder befüllte Paletten abtransportieren.

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Process Solutions North, eine in Gent ansässige Abteilung des belgischen Industrie-Dienstleisters Fabricom GDF Suez, hat zu diesem Zweck ein intelligentes Fördersystem entwickelt. Koen Schoefs, Automatisierungstechniker bei Fabricom, erläutert: „Der Hybrid-Motorstarter Contactron von Phoenix Contact eignet sich bestens für Rollenbänder und andere Lösungen mit einer großen Anzahl von Antrieben“.

Das in den Mechelner Auktionshallen installierte Fördersystem umfasst zwölf Stapelpositionen mit Rollenbändern, an denen der Bediener der Falzmaschine die gefalteten Kartons auf leere Paletten stapeln kann. Darüber hinaus gibt es acht Abholpositionen für Gabelstapler. Hierbei handelt es sich ebenfalls um Rollenbänder, von wo die Gabelstapler die beladenen Paletten zur Lagerung im Verpackungszentrum abfahren. Drei Entstapler greifen sich die Paletten von einem Stapel und platzieren sie auf einem Rollenband.

Nicht zu vergessen die drei „Tcars“ – bewegliche Transportwagen auf Schienen, die zwischen den Entstaplern sowie Stapel- und Abholpositionen für die Gabelstapler hin- und herfahren. Die Tcars haben zwei Funktionen: Zum einen nehmen sie die leeren Paletten vom Entstapler auf und bringen sie zur richtigen Stapelposition. Ferner holen sie die vollen Paletten von den Stapelpositionen ab und befördern sie zu den Abholpositionen für die Gabelstapler. Die Transportwagen selbst bestehen aus zwei kleinen Rollenbändern und einer Klemme, die für den richtigen Halt der Kartonstapel sorgt.

Geringer Platzbedarf im Schaltschrank

Jedes Rollenband muss mit mindestens einem Antrieb verbunden werden. Ken Schoefs berichtet: „In Summe mussten wir 77 Antriebe ankoppeln, sodass 154 Schütze benötigt wurden, also je 77 für den Rechts- und den Linkslauf. Das Problem war jedoch, dass uns im Schaltschrank nur 2,5 Meter Platz zur Verfügung stand. Die Baubreite herkömmlicher Schütze und thermischer Sicherungen erwies sich als zu groß, weshalb wir nach kleineren Geräten suchen mussten.“

So stieß man auf den Hybrid-Motorstarter Contactron von Phoenix Contact - das einzige am Markt erhältliche Gerät, das die erforderlichen Funktionen auf einer Baubreite von lediglich 22,5 mm bietet. „Fabricom hat sich also an Phoenix Contact gewandt, obwohl die Technik-Abteilung der Auktionshallen einen anderen Hersteller vorgeschrieben hatte. Durch die Verwendung von Contactron konnten wir dann alle notwendigen Elemente problemlos im Schaltschrank unterbringen. Wir wären sogar noch weniger Platz gebraucht, wenn die Module für die Antriebe mit weniger als 2,5 kW Leistung nebeneinander ohne Zwischenraum verbaut worden wären“.

Mit dem roten Drehknopf am Hybrid-Motorstarter wird der Nennstrom für den Motorschutz eingestellt. Er lässt sich in 16 Stufen regeln. Da das Gerät bereits alle wichtigen Funktionen wie Rechts- und Linkslauf, Motorschutz und Not-Halt in einem Modul integriert, reduziert sich die Anzahl an benötigten Ersatzteilen erheblich.

Funktionen der Motorstarter selbst wählbar

Der Motorstarter war zum Zeitpunkt der Entscheidung für den Einsatz in den Auktionshallen Mechelen in vier Versionen erhältlich. 2008 kam mit der Variante „4-in-1“ das erste Gerät auf den Markt. Hierbei handelt es sich um ein dreiphasiges Lastrelais, das als Linkslauf- und Rechtslauf-Schütz, Motorschutz sowie als Schütz für den Not-Halt dient.

Zwei Jahre später wurde das Portfolio um die Versionen „3-in-1“, „2-in-1“ und „1-in-1“ ergänzt. Wie die Bezeichnung bereits impliziert, verfügen die Geräte über drei, zwei oder eine Funktion. Bei den Varianten „3-in-1“ und „2-in-1“ können die Anwender selbst wählen, welche der vier Funktionen Contactron aufweisen soll.

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