Contracting Energie-Dienstleistungen mindern das Investitionsrisiko und steigern die Energieeffizienz

Autor / Redakteur: Dr. Jobst Klien / Wolfgang Leppert

Erfolgreiche Contractoren setzen energieeffiziente Technologien intelligent ein und ermöglichen ihren Kunden damit beträchtliche Einsparungen. Dazu müssen sie die teils komplexen Prozesse bei den Kunden exakt kennen und verstehen. Zugleich ist Contracting aber auch Vertrauenssache. Das Portenzial jedenfalls ist noch längst nicht ausgereizt.

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Mehr Energieeffizienz, weniger Emissionen: ein Hauptmotiv für das Outsourcing von Energie-Dienstleistungen. Contracting-Anbieter beweisen in vielen Projekten, dass die vereinbarten Ziele sicher erreicht und manchmal auch übertroffen werden können.
Mehr Energieeffizienz, weniger Emissionen: ein Hauptmotiv für das Outsourcing von Energie-Dienstleistungen. Contracting-Anbieter beweisen in vielen Projekten, dass die vereinbarten Ziele sicher erreicht und manchmal auch übertroffen werden können.
( Archiv: Vogel Business Media )

Das Kerngeschäft von Contracting ist die Steigerung von Energieeffizienz mit dem Ziel, bei der Bereitstellung von Medien und Nutzenergie Kosten einzusparen. Zweites wichtiges Kundenmotiv für das Outsourcing von Energie-Dienstleitungen ist die Vermeidung von Emissionen durch mehr Energieeffizienz. In der Regel gilt gleichermaßen für Industrie, Gewerbe und Immobilienwirtschaft, dass Vertrauen in höchste Zuverlässigkeit und Effizienz des Contractors den Weg zum Outsourcing von bisher in Eigenregie erbrachter Energie-Dienstleitungen ebnet. Ein Pluspunkt in Sachen Vertrauen ist dabei, dass Contracting-Lösungen nicht primär auf Technologie-Innovationen setzen, sondern auf die optimierte Nutzung der besten am Markt vorhandenen und bewährten Technologien mit gesicherter Anlagenverfügbarkeit sowie Leistungsfähigkeit. Auf diese Weise erreichen Contracting-Anbieter nicht nur eine erhebliche Steigerung der Energieeffizienz und die damit verbundene Reduktion der CO2-Emissionen, sondern auch einen qualitativ hochwertigen Betrieb mit höchster Zuverlässigkeit für ihre Kunden.

Die Kernkompetenz der Contractoren ist also der intelligente Einsatz von energieeffizienten Technologien. Erfolgreiches Contracting beinhaltet die Beherrschung komplexer Prozessabläufe und Optimierungsstrategien mit eigener Wertschöpfung, häufig in eigener Betriebsverantwortung bei den Contractoren. Erfolgreiche Contracting-Konzepte basieren auch auf dem Know-how des Contractors etwa über die industriellen Kernprozesse des Kunden, mit dem er im Rahmen der Effizienzpotenzial-Ermittlung eine optimierte, individuell zugeschnittene Lösung erarbeitet.

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So funktioniert Contracting in der Praxis

Das sich immer schneller entwickelnde Kerngeschäft der Contracting-Kunden erfordert eine konsequente Fokussierung auf eigene Prozesse. Dies führt zu neuer Arbeitsteilung. Viele Unternehmen haben in der aktuellen wirtschaftlichen Situation einen großen Kostendruck, der sich insbesondere in den geschäftsunterstützenden Prozessen auswirkt. Energie- und Medienkosten machen hier einen stetig steigenden Anteil aus. Unternehmen suchen deshalb nach Dienstleistern, die ihren Anforderungen gerecht werden. Der Contracting-Dienstleister muss deshalb die Fähigkeit besitzen, die Nutzenergie- und Medienversorgung des Kunden mit den Produktions- und Betriebsprozessen zu verzahnen, Sich hierzu Kenntnisse über die Anforderungen des Kunden an den Produktionsprozess oder an die Betriebsabläufe für die Gewerbeimmobilie erarbeiten, Benchmarks und Erfahrungswerte aus diesen kundenspezifischen Produktions- und Betriebsprozessen mitbringen sowie eine enge Kundenbeziehung aufbauen, um sich ständig an veränderte Anforderungen flexibel anzupassen.

Contracting braucht Know-how-Träger, die neben technischen Einrichtungen auch die Produktions- und Betriebsabläufe beim Kunden verstehen und verbessern können. (Archiv: Vogel Business Media)

Bereits das Grobkonzept beinhaltet im typischen Projektablauf eine intensive Auseinandersetzung mit den Prozessen beim Kunden, die mit den Erfahrungen des Anbieters in ein Richtpreisangebot mündet. Bei Forstsetzung der Zusammenarbeit wird ein „Letter of Intent“ als Basis für die Ausarbeitung eines Feinkonzepts unterzeichnet. Damit erhält die folgende Phase einer intensiven Analyse der Effizienzpotenziale in den Kundenprozessen die beiderseitig notwendige Verbindlichkeit. Ziel ist eine Win-Win-Situation mit individueller Kundenausrichtung — einschließlich der Verantwortungsübernahme für funktionale Kundenziele und Garantien.

Eigenverantwortliches Profit-Center ersetzt ehemaliges Cost-Center

Beim „klassischen“ Contracting mit Übernahme der komplexen Medienversorgung — für ein produzierendes Unternehmen, für Handel und Gewerbe oder für Einrichtungen der Öffentlichen Hand — stehen umfangreiche Investitionen in die Anlagentechnik an. Neben der reinen Prozessoptimierung für den Betrieb und die Nutzung des Objekts sind in der Regel Effizienzinvestitionen die wesentliche Stellschraube, um die vereinbarten Kostenreduzierungen zu erzielen. Damit einher geht häufig die Gründung einer Betriebsgesellschaft oder Betriebsstätte für die früheren Eigenanlagen, die nun vom Contractor in voller Verantwortung geführt werden.

Die neue Betriebsgesellschaft zur Medienversorgung profitiert von kürzeren Entscheidungswegen in einer flachen Organisation. Sie trägt als Profit-Center auch mehr Verantwortung als ein früheres Cost-Center im Rahmen der Eigenversorgungs-Lösung. Neben der Optimierung von technischen Einrichtungen und Medienversorgung kommt es also immer auch auf die Optimierung von Prozessen an, wenn Contracting die prognostizierten Resultate erzielen soll.

Investitionen zur Steigerung der Energieeffizienz hängen an drei Kriterien

Drei Rahmenbedingungen sind ausschlaggebend für Investitionen in Energieeffizienz: Investitionsrisiko, Amortisationszeit und Eigenkapital. Investitionsrisiko: Energieeffizienz-Projekte sind kein Kerngeschäft von Industrie, Handel oder Immobilien-Betreibern. Sie sind mit Unwägbarkeiten behaftete Investitionsprojekte, die aus ihren ökonomischen Kenngrößen gerechtfertigt werden müssen. Wichtig ist daher die Quantifizierung des Investitionsrisikos. Ein Contractor hat hier durch die Vielzahl seiner Projekte einen großen Wissens- und Erfahrungsvorteil.

Amortisationszeit: Energieeffizienz-Projekte sind Investitionen in Infrastruktur und haben daher üblicherweise deutlich höhere Amortisationszeiten als Investitionen in Produktionstechnik. Der gobale Wettbewerb von Standorten und die auf kurzfristige Amortisation ausgelegte „Shareholder value“-Sicht erhöhen die Wahrscheinlichkeit, dass Energieeffizienz-Projekte erst gar nicht realisiert werden. Die Aufgabe eines Produktionsstandorts vor Ende der Amortisationszeit kann nämlich nicht ausgeschlossen werden. Einsparpotenziale bei Kosten und Emissionen bleiben bei Eigenversorgungs-Lösungen so ungenutzt.

Eigenkapital: Investitionen in Energieeffizienz-Projekte stehen in direktem Wettbewerb zu Investitionen in das jeweilige Kerngeschäft. Infolge der Basel II-Regulierungen des Finanzmarkts sind in der Folge häufig keine ausreichenden Finanzmittel zur Verfügung, um alle Investitionen in Eigenregie durchzuführen. Im Ergebnis bleiben die Effizienzpotenziale in den geschäftsunterstützenden Prozessen weithin ungenutzt.

Ein gewaltiges Potenzial wartet auf seine Erschließung

Bei einem theoretischen Marktpotenzial von 20 Mrd.€ in Deutschland, das derzeit nur zu weniger als zehn Prozent ausgeschöpft wird, besteht ein riesiges Wachstumspotenzial für wirtschaftlich und energetisch effiziente Contracting-Lösungen. Das ESCO-Forum im ZVEI, das die führenden Contracting-Anbieter in Deutschland repräsentiert, hat mit einem marktorientierten Gutachten zur „Prognose der Marktdurchdringung des Contracting in der deutschen Wohnungswirtschaft“ für den Bereich der Immobilienwirtschaft im April 2008 mehr Klarheit geschaffen. Danach ist bereits mit geringinvestiven Maßnahmen der durchschnittliche Jahresnutzungsgrad von heizöl- und erdgasbetriebenen Kesselanlagen im Bestand von rund 70 auf 90% anzuheben. Die Gutachter des Instituts für Energiewirtschaftsrecht an der Friedrich-Schiller-Universität Jena haben festgestellt, dass Contracting im Vergleich zur Eigenversorgung bei einer Marktdurchdringung von 90% bis zum Jahr 2015 Einsparpotenziale in Höhe von rund zehn Mrd.€, 27 Mio. Tonnen CO2 und 120 TWh Energie ermöglicht — Potenziale, die bei schnellerer Umsetzung auch höher sein können.

Projektziele erreicht: In der Lebensmittelindustrie ist Contracting ein wertvolles Instrument zur Standortsicherung. (Archiv: Vogel Business Media)

In größeren industriellen Projekten wird Contracting immer ein Maßanzug sein, die spezifischen Anforderungen komplexer Produktions- und Fertigungsprozesse machen dies erforderlich. Einsparpotenziale lassen sich daher nur beispielhaft darstellen. So wird Contracting etwa in der Lebensmittelindustrie zum Standortsicherungs-Instrument — durch Absenkung der Energie- und Instandhaltungskosten um 16 bzw. 35%. Und in einer Halbleiterfertigung lässt sich der Energieeinsatz um 35% reduzieren, was wiederum zu 45% weniger CO2-Emissionen führt.

Projektbeispiel aus der Halbleiterfertigung: Durch ein Energieliefer-Contracting konnten der Energieeinsatz um 35 Prozent und die CO2-Emissionen um 45 Prozent verringert werden. (Archiv: Vogel Business Media)

Aber nicht nur die unmittelbaren Contracting-Kunden, auch andere Industriezweige haben Vorteile, wenn das Energie-Contracting ausgebaut wird. Denn in der Regel wird die Steigerung der Energie-Effizienz durch technische Investitionen erreicht. Und Effizienz-Investitionen im Rahmen von Contracting-Projekten in Höhe von rund zehn Prozent der Jahresumsätze kommen den Anlagenherstellern zugute. Vor allem Branchen wie zum Beispiel die Hersteller von Kessel-, Kälte- oder Druckluftanlagen, von Pumpen oder auch von Mess- und Regeltechnik spüren diese Investitionen direkt in ihren Auftragsbüchern.

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