Gewerbegebiete

Energie vom Nachbar?

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„Oft fehlte den Mietern die Zeit, um über neue Ideen und Ansätze zu entscheiden“, berichtet Neuhäuser. Sein Vorteil: Das Parkmanagement stand hinter den Plänen und forcierte die Lösungen. Vorerst zurückstellen mussten sich die Verantwortlichen allerdings von einem Windrad, einem Blockheizkraftwerk und einer Holzhackschnitzelanlagen für die 1.500 t Holzabfälle, die jährlich auf dem Großmarkt anfallen. Die Technik war nicht finanzierbar. Anders sah es bei dem Austausch der Kältetechnik aus. Eine neue Kälteanlage im Fleischmarkt soll die Klimabilanz verbessern. Es sind vor allem die kleinen, überschaubaren und günstigen Projekte, die gerne umgesetzt werden. In anderen Gewerbegebieten ist die Ausgangslage oft noch schwieriger: gemietete Immobilien, ein zentrales Parkmanagement fehlt und Kapazitäten für die Umsetzung von Effizienzmaßnahmen sind begrenzt. „Das Interesse ist vorhanden, aber wir müssen Klinken putzen“, bestätigt Neuhäuser. Mit einem Parkmanagement zusammen, scheint es einfacher zu funktionieren. Energieeffizienz ist kein Selbstläufer. Allerdings: In Deutschland werden nur wenige Gewerbegebiete von einem Management betreut. Ausnahme bilden vor allem die großen Chemieparks, bei denen besondere Sicherheitsstandards eingehalten werden müssen. Das Berliner Projekt ist Teil des europäischen Ansatzes Go Eco und läuft noch bis Ende 2015. Dann sollen auch die neuen LED-Lichter im Parkhaus leuchten. Die alten Neonröhren mit 60 Watt mussten den modernen 35 Watt-Leuchten weichen, die sich innerhalb von drei Jahren rechnen.

Aus Dampf Strom gewinnen und versorgen

Auch im Industry Park of Sweden (IPOS) in Helsingborg arbeitet das Parkmanagement an der Effizienz und Nachhaltigkeit des Gewerbegebiets. In der offiziellen Werbebroschüre des Standorts nimmt das Thema Energie die ersten Seiten ein und zieht sich thematisch durch den Flyer. Das Ziel der Nordeuropäer: Verbesserung des Umweltschutzes und die Reduktion von Energiekosten. Überschüssige Energie, die in den Produktionsprozessen gewonnen wurde, wird den anliegenden Kommunen zur Verfügung gestellt. Rund ein Drittel der Fernwärme, die in Helsingborg verbraucht wird, stammt aus der Überschussenergie des benachbarten Industriegeländes IPOS. Die meiste Energie gewinnen die Schweden bei der Dampferzeugung zurück, heißt es in einer Pressemitteilung. Der Energieverbrauch des Parks liegt bei 500 GWh pro Jahr. Den schwedischen Ansatz mit dem Berliner Projekt zu vergleichen, macht wenig Sinn, denn in Helsingborg ist vor allem die Prozessindustrie angesiedelt. Doch das europäische Projekt bietet grenzüberschreitend Einblick in das Management von Energie in Gewerbegebieten. Davon profitieren Berliner und Schweden.

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