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Smart Factory

Erst echte Kundenbedürfnisse führen zu neuen Produkten

| Autor/ Redakteur: Das Interview führte Ines Näther / Dipl. -Ing. Ines Stotz

Die Wirtschaft bereitet sich auf die 4. industrielle Revolution vor. Ohnehin stark in Maschinenbau, Elektro-, Informations- und Kommunikationstechnik haben deutsche Unternehmen hervorragende Chancen an der Spitze der Entwicklung mitzumischen. Was das für ein mittelständisches Unternehmen wie Turck bedeutet, darüber sprach elektrotechnik-Redakteurin Ines Näther mit Oliver Merget, dem Leiter des Geschäftsbereichs Automation Systems bei Turck.

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Wir Hersteller können immer wieder neue hochtechnologische Lösungen entwickeln, aber am Ende entscheiden die Kunden, wie schnell eine Technik zum Standard wird.
Wir Hersteller können immer wieder neue hochtechnologische Lösungen entwickeln, aber am Ende entscheiden die Kunden, wie schnell eine Technik zum Standard wird.
(Bild: Turck)

Herr Merget, die deutsche Wirtschaft bereitet sich auf die 4. industrielle Revolution vor, heißt es überall. Danach regiert die vernetzte, sich selbst steuernde Fabrik. Können Sie dem zustimmen und was heißt das für Turck?

Ja, wir sehen diesen Trend auch. Die Industrie steht vor der stetig wachsenden Herausforderung, ihre Wettbewerbsfähigkeit im weltweiten Wettbewerb kontinuierlich steigern zu müssen. Dazu gehören natürlich Punkte wie Effizienzsteigerung, verkürzte Time-to-Market-Zyklen und eine immer höhere Flexibilität im Produktionsprozess. Der Trend geht dabei zu Systemen, die die Selbststeuerung und -optimierung einer Produktion zielgerichtet unterstützen können – ganz im Sinne des Industrie-4.0-Gedankens.

Für diese Aufgabe haben einige Produkte heute schon die richtigen Funktionalitäten an Bord. Bestimmte Technologien, die auf dem Weg zu Industrie 4.0 sinnvoll wären, suchen andererseits noch Ihre Anwendung in Produkten. Die Hauptaufgabe der meisten Industrie-4.0-Aktivitäten der Hersteller, wenn man es so formulieren will, ist heute die Forschung und Entwicklung neuer Technologien, die morgen in Produkte und Lösungen einfließen könnten.

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Auch Turck hält die Augen offen für aktuelle Trends und Innovationen am Markt. Bevor neue Technologien dann aber auch in neue Produkte umgesetzt werden, steht immer die Frage, ob sich damit auch wirklich echte Bedürfnisse der Kunden abdecken lassen.

Wie schnell – oder langsam – wird sich dies in Ihren Augen vollziehen?

Die Geschwindigkeit der Umsetzung ist von mehreren Dingen abhängig. Zum einen davon, wie schnell neue Technologien entwickelt und zu einer entsprechenden Marktreife weiterentwickelt werden. Daneben spielt natürlich der Preis für solche Produkte und Technologien eine erhebliche Rolle und damit zusammenhängend die Frage, wie schnell hier ein Nutzen und ein ROI für den Kunden erzielt werden kann und wann die Mehrzahl der Kunden bereit ist, neue Technologien in ihren Anlagen und Maschinen einzusetzen.

Im Vordergrund muss immer eine funktionsfähige Maschine stehen, die zum einen eine hohe Produktivität mit sich bringt, aber auch Sicherheit für den Menschen bietet. Daher können wir Hersteller immer wieder neue hochtechnologische Lösungen entwickeln, aber am Ende entscheiden die Kunden, wie schnell eine Technik zum Standard wird.

Gibt es bereits erste Schritte hin zur intelligenten Fabrik im industriellen Alltag in Ihrem Unternehmen?

Ja, die gibt es, aber nicht erst seit heute. Es gab schon immer in den letzten Jahrzehnten stetige Weiterentwicklungen, um die Produktion effektiver zu gestalten und Kosten durch die Reduzierung menschlicher Ressourcen zu senken. Heutige Ansätze für die sogenannte intelligente Fabrik bauen zum großen Teil auf Softwareapplikationen auf, die in den letzten zehn Jahren immer leistungsfähiger wurden. Die sogenannte Middleware wirkt dabei als Verbindung zwischen der klassischen Automatisierung und der ERP-Welt und koordiniert eine effektive Produktion. Somit sind Softwarelösungen, die beispielsweise Daten von AutoID-Technologien wie RFID in die Unternehmenssoftware bringen, heute zunehmend aktive Komponenten für die automatisierte Steuerung einer Fabrik.

Welche Anwendungen lassen sich bereits heute realisieren und welche Anforderungen für morgen erwachsen daraus?

Im Automobilbereich beispielsweise gibt es schon erste Ansätze, die Transparenz und Effizienz in der gesamten Wertschöpfungskette unternehmensübergreifend zu optimieren. So machen bereits Zulieferer ihre Komponenten mit einem RFID-Tag identifizierbar, der auch im Produktionsprozess des Autobauers weiterverwendet werden kann. Wenn man dieses Szenario weiterdenkt, könnten die Tags auch während des gesamten Produktlebenszyklusses weitergenutzt werden, etwa beim Service oder zur Originalteileerkennung. Um dies technisch umzusetzen, hat Turck in den letzten zwei Jahren das RFID-Portfolio vor allem im reichweitenstarken UHF-Bereich intensiv weiterentwickelt.

Heute unterstützen viele Produkte schon unterschiedliche Arten von Steuerungskonzepten, die in Echtzeit Daten untereinander austauschen. Weiterhin sind besonders Security-Konzepte – gerade aus der Office-Welt – in die Produktarchitektur der Automatisierungstechnik mit eingeflossen. Besonders wichtig sind diese Anwendungen in der Fertigungs- und Produktionssteuerung, wo eine direkte Schnittstelle in ERP-Systeme besteht und so durch Angriffe von außen eine besondere Gefahr besteht.

Für morgen wird es immer wichtiger, dass wir Strukturen für noch komplexere Kommunikation, dynamische Netze und selbstkonfigurierbare Systeme und Sicherheitskonzepte bereitstellen. Die Aufgabe der Arbeitskraft Mensch wird sich dabei immer mehr dahin entwickeln, Regeln und Rahmenbedingungen in diesen Systemen zu definieren und zu implementieren. So sind sie dann in der Lage, für sich selbst zu entscheiden, welcher Produktionsschritt aktuell gefordert ist.

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