Fraunhofer IPA Erste Stuttgarter Oberflächentechnik-Preisträger gekürt

Redakteur: Sariana Kunze

Am 12. Juni 2012 sind im Fachforum O&S die ersten drei Oberflächenpreise verliehen worden. Die preisgekrönten Entwicklungen stammen aus den unterschiedlichsten Disziplinen der Oberflächentechnik: Mit der "Oberfläche 2012" in Gold wurde die Karl Wörwag ausgezeichnet. Ihr Thema "Transferlack zur Herstellung von Class A Oberflächen" verändert den Beschichtungsprozess

(Karl Wörwag GmbH & Co.KG)

Die "Oberfläche 2012" in Silber errang die Holzapfel Metallveredelung. In ihrer Einreichung "Sinter Surface Solutions" stellte sie ein Verfahren dar, mit dem sich bei Konstruktionswerkstoffen aus Sintermaterialien Poren versiegeln und danach auch galvanisch beschichten lassen. Dem Konsortium Krautzberger, Worlée-Chemie und Caparol Industrial Solutions verlieh die Jury die "Oberfläche 2012" in Bronze. Der 3. Preis trägt den Titel "Spritzanlage PK 20S/ PK 40D – eine Spritzanlage zum Versprühen von spritzbaren Wärmedämmstoffen". Lackaufbau wie eine Klebfolie applizieren Bisher werden Lacke aufwändigst etwa auf Kotflügel oder Motorhauben von Karossen flächig aufgetragen, damit sie den hohen funktionalen und ästhetischen Qualitäts anforderungen der Automobilindustrie genügen. Klassische Lackierprozesse sind außerdem durch den entstehenden Overspray, z. B. bei Anbauteilen im Bereich der Dachreling oder von Blenden, wenig effizient.

Von der Rolle: Lackaufbau als freier Film

Den Preisträgern der Karl Wörwag ist es mit ihrer Bewerbung "Transferlack zur Herstellung von Class A Oberflächen" gelungen, den kompletten Mehrschicht-Lackaufbau als freien Film herzustellen, um diesen "von der Rolle" direkt auf geeignete Bauteile zu übertragen. Für die Hersteller von Teilen, für die dieses Verfahren geeignet ist, entfällt damit der Lackierprozess und weicht einem "Folienprozess". Das Bild einer Klebfolie liegt zwar auf der Hand, wird diesem Beschichtungsmaterial aber deshalb bei weitem nicht gerecht, weil es den Entwicklern gelungen ist, die komplette Funktionalität eines Mehrschicht-Lackaufbaus einschließlich der anspruchsvollen optischen Anforderungen von Metallic-Lackierungen in eine mehrlagige Folienschicht zu integrieren. Dieser neue Ansatz revolutioniert daher die Beschichtungstechnik in vielen Anwendungsbereichen. "Besonders überzeugt hat uns beim Preisträger neben dem eigentlichen technischen Aspekt des Verfahrens auch die Tatsache, dass die Idee zur konsequenten Weiterentwicklung der Folienbeschichtung von einem Unternehmen mittlerer Größe energisch und hartnäckig vorangetrieben wurde, das zwar auf das Gebiet der Kunststofflackherstellung spezialisiert war, aber als Firma mit dieser herausfordernden Neuentwicklung entwicklungstechnisch komplettes Neuland betrat", begründet Dr. Michael Hilt, Leiter der Forschungsgesellschaft für Pigmente und Lacke e.V., die Entscheidung der Jury. Sinterwerkstoffe versiegeln und prozesssicher galvanisieren Hochleistungskonstruktionswerkstoffe sind im tatsächlichen Sinn Enabler für viele Anwendungen in allen Arten von Produkten. Ihr Manko: solche Werkstoffe sind porös, korrodieren leicht und verschleißen schnell, weshalb ihre Oberfläche geschützt werden muss. Dazu kommen häufig galvanische Verfahren zum Einsatz. Eine besondere Rolle bei modernen Konstruktionswerkstoffen kommt den Sintermaterialien zu. Einerseits können damit Werkstoffe hergestellt werden, wie es mit klassischen metallurgischen Verfahren nicht möglich ist. Andererseits liegt in der natürlichen Porosität der Sinterwerkstoffe und speziell deren Korngrenzen mit oftmals sehr unedlem Charakter ihr Dilemma: Die daraus resultierenden Einschlüsse von Vorbehandlungs- und Aktivelektrolyten bei der galvanischen Beschichtung führen regelmäßig genau zu dem, was durch die Beschichtung verhindert werden soll Ausfällen im Feld.

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