Selbstcoaching

Erwecke den Coach in dir: In vier Schritten zum aktiven Selbstcoaching

Seite: 2/3

Herausforderung: Unser Leben aktiv gestalten

Das Konzept des lösungsorientierten Selbstcoachings geht von zwei Annahmen aus.

Annahme 1: Jeder Mensch trägt die Lösung seiner Probleme in sich. Fast alle Menschen haben in ihrem Leben schon viele Herausforderungen gemeistert. Außerdem verfügen sie über die Fähigkeit, selbst zu erkennen, wann eine Herausforderung für sie zu groß ist, weshalb sie eine punktuelle Unterstützung brauchen. Also können sie auch eigenständig adäquate Lösungswege für sich finden und sich die nötige Unterstützung organisieren.

Annahme 2: Menschen wollen in der Regel ihre Probleme eigenverantwortlich und selbstständig lösen. Die meisten Menschen verfügen über die nötige psychische Stabilität, um bei Herausforderungen nicht in eine Problemtrance zu verfallen, bei der das Problem immer größer und unlösbarer erscheint. Sie sind dazu in der Lage, sich zielorientiert zu fragen:

  • Was wäre für mich eine attraktive Lösung?“ Und:
  • Wie würde der Zielzustand konkret ausschauen?“

Und dann passende Lösungen zu entwerfen.

Diesen Annahmen liegt wiederum die Annahme zugrunde, dass wir die Welt, so wie wir sie erleben, weitgehend selbst konstruieren – durch die Art, wie wir Dinge sehen und bewerten. Das gilt auch für unsere Probleme. Hierfür ein Beispiel: Angenommen Sie hätten in den letzten Jahren mehrfach Ihren Job gewechselt. Dann könnten Sie, bestärkt durch Bekannte, zur Überzeugung gelangen: Ich habe ein Problem – nämlich einen Job durchzuziehen. Doch muss das so sein? Nein! Vielleicht gehört es zu Ihrem Konzept eines erfüllten Lebens, beruflich regelmäßig etwas Neues auszuprobieren? Wo ist dann das Problem? Sie sehen, wir konstruieren viele Probleme selbst, durch die Art, wie wir Situationen und Konstellationen bewerten. Das ist auch eine zentrale Ursache dafür, warum uns manche Probleme unlösbar erscheinen. Daraus folgt: Wenn wir lernen, die Probleme neu zu sehen und zu bewerten, dann werden sie oft auch lösbar.

Geduld mit sich selbst und dem eigenen Gehirn haben

Doch was bedeutet (Neu- und Um-)Lernen? Neurologisch betrachtet ist Lernen ein ganz handfester Prozess, bei dem sich in unserem Gehirn neue Nervenverbindungen bilden und durch entsprechende Impulse immer stärker werden. Am Anfang ist die neue Nervenbahn nur ein kaum sichtbarer Trampelpfad, aus dem nach einigen Wochen oder Monaten, weil wir das neue Verhalten regelmäßig zeigen, allmählich eine Landstraße oder gar Autobahn wird.

Beim Aufbau neuer Kompetenzen und Verhaltensmuster müssen wir mit Rückfällen und Phasen des scheinbaren Stillstands rechnen – denn Lernprozesse verlaufen nicht linear. Sie verlaufen oft scheinbar sprunghaft. Hierfür ein Beispiel. Angenommen Sie sind ein Tennisspieler und wollen einen neuen Schlag einstudieren. Also üben sie den ganzen Nachmittag, ohne große Fortschritte. Frustriert fahren Sie nach Hause. Doch eine Woche später stehen Sie erneut auf dem Platz, und plötzlich gelingt Ihnen auf Anhieb der neue Schlag. Der Grund hierfür ist: Sie haben zwar nicht bewusst geübt, doch Ihr Gehirn arbeitete weiter. Es hat neue neuronale Verbindungen geknüpft, die für den Schlag nötigen Bewegungsabläufe immer wieder durchgespielt und mit ähnlichen Bewegungsmustern in Verbindung gebracht, so dass Ihnen plötzlich, scheinbar aus dem Nichts der Schlag gelang.

Ähnliche Prozesse werden Sie beim Selbstcoaching registrieren – zum Beispiel, wenn Sie strukturiert und regelmäßig über ein Problem nachdenken. Dann passiert oft wochenlang scheinbar nichts. Doch dann plötzlich, scheinbar aus heiterem Himmel haben Sie – zum Beispiel beim Kochen – den berühmten Geistesblitz. Das heißt, Sie haben die Problemlösung vor Augen. Denn während Sie scheinbar nur mit anderen Dingen beschäftigt waren, blieb Ihr Gehirn am Ball. Es baute neue neuronale Verbindungen auf, und plötzlich kennen Sie die Lösung. Und wenn Sie dann weiterhin Ihr Gehirn mit den erforderlichen Reizen versorgen, indem Sie sich die entsprechenden Fragen stellen und adäquate Übungen durchführen, dann zeigen Sie irgendwann auch das gewünschte Verhalten.

(ID:44119485)