Echtzeitkommunikation Ethernet-Powerlink ab sofort als Open-Source verfügbar

Redakteur: Ines Stotz

„OpenPowerlink schafft eine Win-Win-Situation für Kunden und Hersteller. Die Argumente für dieses Modell sind für alle Marktteilnehmer überzeugend“, konstatiert Siegmar Schmidt, Geschäftsführer bei Sys Tec Electronic. Was er meint: Jeder kann sich Powerlink jetzt einfach kostenlos aus dem Internet herunterladen.

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Und zwar steht nun auf der größten Open-Source-Plattform http://SourceForge.net/projects/openpowerlink das Echtzeit-Kommunikationssystem namens OpenPOWERLINK zum Download bereit. Die von Sys Tec Electronic entwickelte Lösung ist getestet und entspricht der Powerlink-Spezifikation DS 301 in der Version 1.0.0.

Das erste vollkommen freie Gesamtsystem

„Durch die Freigabe unserer Powerlink-Lösung schaffen wir auf dem Markt der ethernetbasierten Echtzeitsysteme eine absolute Neuheit. Powerlink arbeitet mit Standard-OnBoard-Ethernet-Controllern und verzichtet vollkommen auf proprietäre Hardware“, beschreibt Siegmar Schmidt. Das Softwarepaket enthält die Stacks für den Managing-Node (Master) und die Controlled-Nodes (Clients). „Deswegen stellt unsere Open-Source-Lösung das erste vollkommen freie Gesamtsystem dar“, erklärt der Experte weiter. Die downloadbare Implementierung erreicht Zykluszeiten bis zu 500 Mikrosekunden mit einer Synchronizität von wenigen Mikrosekunden — was die Regelung auch technisch sehr anspruchsvoller Anwendungen erlaubt.

„Machen Sie damit, was Sie wollen“

„Wir haben unsere Powerlink-Lösung unter die Open Source-Lizenz BSD (Berkeley Software Distribution) gestellt. Damit kann die Software kostenfrei verwendet, verbreitet, modifiziert und weiterentwickelt werden. Jeder kann eigene Produkte verkaufen, in die die freie Software integriert ist. Dazu braucht auch nicht der Quellcode der eigenen Anpassungen an den Stack offengelegt zu werden. Lediglich das Copyright darf nicht entfernt werden“, erklärt der Sys-Tec-Geschäftsführer.

Seit 1990 entwickelt das Unternehmen Mikrocontroller-Systeme und hat sich auf Lösungen für die verteilte Automatisierung auf Grundlage von Powerlink und CANopen sowie auf die Internetkommunikation für die Industrie spezialisiert. Zu den zentralen Kompetenzen zählen die enge Verflechtung von Hard- und Software, die Entwicklung von Embedded-Systemen und die Leiterplatten-Bestückung bzw. die Gerätefertigung. Das Unternehmen mit Sitz im thüringischen Greiz beschäftigt 36 Mitarbeiter, davon 15 Entwicklungsingenieure. Weltweit ist Sys Tec electronic in Nord- und Südamerika, Europa, Asien und Australien vertreten.

Offenheit ist ein Vorteil für alle Marktteilnehmer

„Die Quellcode-Freigabe des Powerlink-Protokolls ist die konsequente Fortführung einer Tradition der Offenheit, die 2002 mit der Offenlegung der Powerlink-Spezifikation begann und zur Gründung der demokratisch organisierten Nutzerorganisation EPSG führte. Dahinter steht unsere Überzeugung, dass nichtproprietäre Basistechnologien für alle Marktteilnehmer Vorteile bringen und zu einer Belebung des Marktes führen: Während sie Nutzern weitreichende Unabhängigkeit garantiert, profitieren Dienstleister und Komponentenhersteller von der steigenden Marktdurchdringung und Vergrößerung der Anwendungsgebiete. Die Qualität und Sicherheit einer Technik wird gesteigert, je mehr Menschen ihre Ideen zur Entwicklung beisteuern“, kommentiert der neue Vorstand der EPSG Anton Meindl.

Open-Source: Die Zukunft der Automation

Somit ist Powerlink das erste Echtzeit-Gesamtsystem, das kostenlos verfügbar ist. Meindl weiter: „Damit setzen wir auf einen Trend, der noch am Anfang steht, dessen Konturen sich aber bereits abzeichnen und der mittelfristig zu einem entscheidenden Marktfaktor wird: Open-Source in der Automation. Freie Software garantiert lange Produktzyklen, weil sie den Nutzern die Entscheidung überlässt, wie lange sie ein System einsetzen. Anpassungen und Neuentwicklungen sind ohne Lizenzhürden und Abhängigkeit von Softwareherstellern jederzeit möglich.“

Aufsichtsrat wacht jetzt über die EPSG und POWERLINK

Dr. Erwin Kiel (links) übernimmt den Vorsitz des EPSG-Aufsichtsrats, Anton Meindl ist neuer Vorstandsvorsitzender (Archiv: Vogel Business Media)

Die Ethernet-Powerlink-Standardization Group (EPSG) hat zudem auf ihrer ordentlichen Mitgliederversammlung beschlossen, den organisatorischen Aufbau der Nutzerorganisation noch stärker an den Anforderungen des Marktes auszurichten. Anfang April kamen die Mitglieder des eingetragenen Vereins darin überein, dass der Vorstand zahlenmäßig von bisher fünf auf nur noch ein Mitglied reduziert wird.

Zum neuen Vorstand wurde Anton Meindl (B&R), bisher stellvertretender Vorstandsvorsitzender, gewählt. Meindl hat Rüdiger Eikmeier zum Geschäftsführer an seiner Seite bestimmt, der schon zuvor aktiv in der EPSG mitgearbeitet hat. Diese organisatorischen Änderungen wurden als nötig erachtet, um im operativen Tagesgeschäft noch schlagkräftiger zu werden.

Der neu konstituierte Aufsichtsrat wacht über die Einhaltung der Vereinsziele und kontrolliert den Vorstand. Dr. Edwin Kiel (Lenze) wechselt vom Vorstand in den Aufsichtsrat und übernimmt den Aufsichtsratsvorsitz. Die Vorstandsmitglieder Prof. Dr.-Ing. Konrad Etschberger (IXXAT), Andreas Dreher (Hirschmann) und Prof. Dr. Thomas Müller (ZHW Zürich) wechseln ebenfalls in den Aufsichtsrat, der zusätzlich durch Hans Wimmer (Geschäftsführer B&R) verstärkt wird.

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Von den strukturellen Neuerungen erwarten die EPSGMitglieder eine Straffung der Arbeitsabläufe und eine noch nähere Positionierung am Markt, um die Marktführerschaft im Bereich der Echtzeit-Ethernet-Systeme weiter auszubauen. Weltweit sind derzeit rund 50 000 Serienmaschinen mit Powerlink im Einsatz.

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