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Fehler im Job: Innovation und Scheitern liegen nah beieinander

| Autor/ Redakteur: Luuk Houtepen / David Franz

Berufliche Fehler gelten in Deutschland noch immer als Schwäche, über die nicht geredet wird. Das ist jedoch eine grundlegend falsche Einstellung – denn der richtige Umgang mit Missgeschicken sorgt für Erfolge.

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Luuk Houtepen: „Die Innovationsfähigkeit von Unternehmen wird aber auch in Zukunft ein wichtiger Aspekt sein – im Wettbewerb um Kunden wie auch um Bewerber.“
Luuk Houtepen: „Die Innovationsfähigkeit von Unternehmen wird aber auch in Zukunft ein wichtiger Aspekt sein – im Wettbewerb um Kunden wie auch um Bewerber.“
(Bild: SThree)

Morgens eine Tasse Tee aufgebrüht, das Mittagessen in der Teflonpfanne gebraten oder die Reste von gestern in der Mikrowelle erwärmt, auf einem Post-It die Einkäufe notiert und dann mit dem Auto auf dessen gehärteten Reifen zum Supermarkt gefahren – so oder so ähnlich könnte auch Ihr Tag aussehen? Herzlichen Glückwunsch: Dann war er mit Misserfolgen gepflastert. Und zwar mit einigen der berühmtesten Fehler der letzten Jahrhunderte. Ihre Verursacher: Thomas Sullivan, Roy Plunkett, Percy Spencer, Spencer Silver und Charles Goodyear.

Die Liste dieser unglücklichen und trotzdem erfolgreichen Erfindungen lässt sich beliebig erweitern. Vor allem aber zeigt sie, dass Scheitern zu den größten Erfolgen führen kann – wenn man sich nicht davon entmutigen lässt. Genau das aber ist das Problem vieler Unternehmen. Vor allem hierzulande wird Scheitern nicht als Chance gesehen, sondern ist vorrangig mit Ängsten verbunden.

Das zeigen die Ergebnisse der aktuellen „So arbeitet Deutschland“-Befragung von SThree unter mehr als 1.000 Arbeitnehmern und Freelancern. Knapp die Hälfte der Befragten fürchtet, durch Misserfolge die Anerkennung von Vorgesetzten und Kollegen zu verlieren. 41 Prozent sehen im Scheitern das Risiko für einen Karriereknick, u.a. weil sie – das sagen 40 Prozent der Befragten – bei Projekten in der Zukunft nicht mehr berücksichtigt werden. Kaum verwunderlich also, dass eine deutliche Mehrheit (86 Prozent) sich einen positiveren Umgang mit Misserfolgen im Job wünscht.

Deutschland tut sich schwer mit einer offenen Fehlerkultur

Gerade deutsche Unternehmen, so scheint es, tun sich meist noch schwer mit einer offenen Fehlerkultur – und riskieren dabei wirtschaftliche Nachteile. Denn dass es einen Zusammenhang zwischen dem konstruktiven Umgang mit Misserfolgen und der Innovationskraft eines Unternehmens gibt, lassen Ergebnisse des aktuellen Innovations-Rankings der Boston Consulting Group vermuten.

So befinden sich unter den weltweiten Top-10 insgesamt acht Unternehmen mit Sitz in den USA – einem Land, das für eine sehr fortschrittliche und moderne Fehlerkultur bekannt ist. Zum Vergleich: Das innovativste Unternehmen Deutschlands belegt in der Rangliste lediglich Platz 21. Alarmierende Ergebnisse, die zeigen: Die deutsche Wirtschaft muss reagieren, um den Anschluss nicht zu verlieren.

Einige größere Konzerne haben dieses Problem bereits erkannt und versuchen, mit Initiativen und in kleineren Experimentierzentren jenes neue Verständnis des Scheiterns zu erforschen. So dienen Start-ups innerhalb von Unternehmen oder ausgelagerte Labs und Hubs als Testumgebung und – bei Erfolg – als Blaupause, um die moderne Fehlerkultur in das gesamte Unternehmen zu transferieren. Die generelle Bereitschaft der Belegschaft, das zeigen die „So arbeitet Deutschland“-Ergebnisse, ist bereits in großen Teilen vorhanden. Zwei Drittel der Befragten sehen Misserfolge als notwendigen Schritt zur Weiterentwicklung. 63 Prozent fordern, nach Misserfolgen ermutigt zu werden, neue Ideen und Projekte weiterzuverfolgen und damit den Grundstein für eine neue Kultur des Scheiterns zu legen.

Innovative Vorschläge aus der Belegschaft

Wie aber steht es aktuell um den Innovationsstandort Deutschland? Hier zeigt sich eine stärkere Offenheit der Unternehmen, als beim Thema Scheitern. So bestätigen 38 Prozent der Arbeitnehmer und Freelancer, dass innovative Vorschläge aus der Belegschaft nicht nur aktiv eingefordert, sondern in der Regel auch umgesetzt werden. Weitere 33 Prozent haben die Möglichkeit, neue Ideen einzubringen, jedoch scheitern diese bislang noch häufig in der Umsetzung. Lediglich bei fünf Prozent der Befragten werden Vorschläge unterhalb der Managementebene generell abgelehnt.

Die Innovationsfähigkeit von Unternehmen wird aber auch in Zukunft ein wichtiger Aspekt sein – im Wettbewerb um Kunden wie auch um Bewerber. Denn 81 Prozent würden gerne in einem fortschrittlicheren Unternehmen arbeiten. Bei der Mehrheit davon stecken hinter diesem Wunsch persönliche Gründe: 65 Prozent möchten die eigene Kreativität in das Unternehmen einbringen, 57 Prozent erhoffen sich größere Gestaltungsspielräume und 51 Prozent sehen in einem dynamischen Umfeld die Möglichkeit, sich selbst weiterzuentwickeln. Aber auch die langfristige Wettbewerbsfähigkeit des Arbeitgebers ist bei diesem Thema ausschlaggebend, dies bestätigen 48 Prozent.

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Ein offener Umgang mit Fehlern und innovative Geschäftsentwicklung funktionieren also auch in Deutschland – jedoch bislang noch häufig ausgelagert in New Work-Laboren und Denkschmieden. Es ist die große Herausforderung für Unternehmen, diese fortschrittlichen Arbeitswelten nun erfolgreich in bestehenden Strukturen zu implementieren. Noch mangelt es beispielweise an konkreten Maßnahmen, um Innovation zu schaffen: Auf jeden Chef, der neuen Ideen offen gegenübersteht, kommt ein Vorgesetzter, der keinen Sinn in der Förderung von Mitarbeitervorschlägen sieht.

Auch finanzielle Anreize oder Möglichkeiten sind noch eher rar: Nur 15 Prozent erhalten für erfolgreich umgesetzte Vorschläge Boni oder Incentives – lediglich 14 Prozent der Befragten haben ein Budget für die Umsetzung von Innovationen. Eine explizit für die Entwicklung neuer Ideen zur Verfügung gestellte Arbeitszeit genießen sogar nur vier Prozent der Befragten.

Die Trendstudie So arbeitet Deutschland ist eine regelmäßige Untersuchung der Personalberatung SThree. Sie betrachtet die Wunscharbeitswelt deutscher Arbeitnehmer und Freelancer und vergleicht diese mit deren Wirklichkeit. Regelmäßig Updates dazu sowie ein Whitepaper finden Sie auch unter so-arbeitet-deutschland.com und auf dem Instagram Account So_arbeitet_Deutschland.

Dieser Beitrag erschien zuerst auf unserem Partnerportal Elektronikpraxis.de.

* Luuk Houtepen ist Director Business Development bei SThree

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