Frauen-Quote Frauen machen Führungsgremien wirksamer

Autor / Redakteur: Bernhard Kuntz / Sariana Kunze

Die Top-Etagen der Unternehmen werden fast ausschließlich von Männern besetzt. Zu unrecht! Dieser Ansicht sind die beiden Management-Berater Dr. Anke Houben und Dr. Kai Dierke, denn Frauen sollen Führungsgremien wirksamer machen.

Dr. Anke Houben ist Managing Partner der Management Beratung Dierke Hauben Associates, Consulting in Leadership Dynamics
Dr. Anke Houben ist Managing Partner der Management Beratung Dierke Hauben Associates, Consulting in Leadership Dynamics
( Archiv: Vogel Business Media )

Frau Dr. Houben und Herr Dr. Dierke, Sie beraten und coachen Vorstände internationaler Großunternehmen. Wie stehen Sie zu einer Frauenquote - als freiwillige Selbstverpflichtung der Unternehmen oder gesetzliche Regelung?

Houben: Viele Unternehmen brauchen eine Frauenquote- jedoch nicht um der Frauen, sondern ihrer selbst willen.

Warum?

Dierke: Eine Frauenquote hilft, die Wirksamkeit von Führung und Zusammenarbeit auf Verstandsebene und damit die Erfolgsfähigkeit von Unternehmen zu erhöhen. Unser Blick richtet sich also nicht in erster Linie auf die Frage der Gleichberechtigung, sondern auf die Frage der Wirksamkeit von Vorständen. Selbstverständlich ist es auch wichtig, dass Unternehmen den Talent-Pool vollständig nutzen. Eine Diskussion, die sich darauf fokussiert, greift aber aus unserer Warte zu kurz - zumindest aus Unternehmenssicht.

Warum?

Dierke: Aus Unternehmenssicht lautet die zentrale Frage: Wie können Unternehmen besser und wirksamer als bisher geführt werden? Frauen können hierzu aufgrund ihrer spezifischen Fähigkeiten einen substanziellen Beitrag leisten. Deshalb tun die Unternehmen selbst einen Gefallen damit, wenn sie Frauen stärker in Entscheidungsgremien wie Vorstände und Aufsichtsräte positionieren. Denn dort wird der „Shadow of the leader“ vorgegeben.

Was ist das?

Houben: Der Ton, der die Führung und Zusammenarbeit in der Organisation insgesamt prägt. Heute sind zum Beispiel in Deutschland laut dem Women-on-Board-Index der Initiative „Frauen in die Aufsichtsräte“ nur 6,5 Prozent der Aufsichtsräte und Vorstände der 160 Unternehmen in den verschiedenen Dax-Indizes weiblich.

Dierke: Und betrachtet man die echten Management-Jobs in den Vorstandsetagen und blendet die Aufsichtsräte aus, dann beträgt der Frauenanteil sogar nur 2,15 Prozent.

Warum sollte er höher sein?

Dierke: Weil Frauen durch ihre Denkweise und ihr Handeln Top-Teams wirksamer machen. McKinsey hat schon 2007 in einer Studie eine positive Korrelation aufgezeigt zwischen der Zahl von Frauen in den Entscheidungsgremien einerseits und der Performance von Unternehmen andererseits.

Welche „besonderen“ Fähigkeiten haben den Frauen, und warum werden diese wichtiger?

Houben: Aus den globalen Trends, die die Wettbewerbsfähigkeit von Unternehmen heute prägen, ragen zwei heraus: die Beschleunigung durch technologische Innovation und die globale Verfügbarkeit von Know-how und Talenten. Als Folge davon beobachtet man bei den Unternehmen einen Trend zu Matrixstrukturen - also zu Strukturen, die nicht mehr auf Kontroll- und Kommandostrukturen top-down basieren, sondern in denen es viel mehr darauf ankommt, unterschiedliche gleichberichtigte Interessen zu einer optimalen Entscheidung zu führen. Und diese Entwicklung wird sich fortsetzen. Das heißt, künftig haben wir es immer mehr mit Netzwerkorganisationen zu tun, in denen kleine Unternehmenseinheiten produktiv und innovativ zusammenarbeiten. Damit rücken heute neue Kernkompetenzen in den Vordergrund.

Welche zum Beispiel?

Houben: Es wird beispielsweise zunehmend wichtig, stärker in den Dialog zu treten und zu einem Perspektivenwechsel fähig zu sein; des Weiteren in produktiven Streitgesprächen zu optimalen Ergebnissen zu gelangen und ein wechselseitiges, auch interkulturelles Verständnis zu entwickeln. Die Basis dafür ist ein ausgeprägtes Maß an Emotionaler Intelligenz - also die Fähigkeit, die Ursachen und Konsequenzen des eigenen Verhaltens und des Verhaltens anderer zu reflektieren, zu antizipieren und nachzuvollziehen.

Und diese Kompetenzen sind bei Frauen stärker ausgeprägt als bei Männern?

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