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Bonfiglioli Getriebespezialist feiter 50. Geburtstag

| Autor / Redakteur: (klu) / Reinhard Kluger

Beste Aussichten für Bonfiglioli, das Jubliläumsjahr 2006 mit Erfolg abzuschließen. Alles deutet darauf hin, dass das Unternehmen zum 50. Geburtstag mit einem weltweiten Umsatz von über einer halben Milliarden Euro in neue Umsatzregionen vordringt.

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Sonia Bonfiglioli und Clementino Bonfiglioli können das Jubliläumsjahr 2006 mit Erfolg abschließen. Alles deutet darauf hin, dass das Unternehmen zum 50. Firmenjubiläum mit einem weltweiten Umsatz von über einer halben Milliarde Euro in neue Umsatzregionen vordringt.
Sonia Bonfiglioli und Clementino Bonfiglioli können das Jubliläumsjahr 2006 mit Erfolg abschließen. Alles deutet darauf hin, dass das Unternehmen zum 50. Firmenjubiläum mit einem weltweiten Umsatz von über einer halben Milliarde Euro in neue Umsatzregionen vordringt.
( Archiv: Vogel Business Media )

„Arbeitende Werkzeugmaschinen sind wie Musik in meinen Ohren, ich liebe diese Musik.“ Wenn Clementino Bonfiglioli dies über sich selbst sagt, spürt man, was den italienischen Spezialisten für Getriebe und Elektromotoren treibt: Dass er Unternehmer und Ingenieur ist, beides mit der gleichen Leidenschaft. Eine Zusammenspiel von Eigenschaften, das schon früh sein Leben beeinflussen sollte. Weil Clementino Bonfiglioli vor genau 50 Jahren mit seinem damaligen Arbeitgeber unzufrieden war, wechselte er nicht, wie vielleicht manch anderer, einfach zu einem anderen Unternehmen. Er gründete sein eigenes. Aus dem Nichts formte er 1956 einen Zulieferbetrieb für Getriebeteile. Heute erwirtschaftet die Bonfiglioli-Gruppe mit 2000 Mitarbeitenr im weltweiten Geschäft einen Umsatz von 500 Millionen Euro — mit Getrieben, Getriebmotoren und Antriebselektronik. „Ich war vom Erfolg und Wachstum des Unternehmens immer überzeugt. Mit der Unterstützung fantastischer Mitarbeiter war der Erfolg quasi eine zwangsläufige Konsequenz“, blickt Clementino Bonfiglioli zurück. Bei allem Erfolg, der jetzt 77jährige Antriebspionier ist immer bescheiden geblieben, trotz der vielen Auszeichnungen, die er im Verlauf seiner geschäftlichen Laufbahn erhalten hat. Inzwischen hat er die operative Geschäftsführung an seine Tochter Sonia Bonfiglioli weitergeben, doch als Präsident will er nicht nur repräsentieren, sondern er ist jeden Tag für sein Unternehmen aktiv.

Bis zur Übernahme von Trasmital — ein Kunstwort gebildet aus „Trasmissione Italiana“ — im Jahr 1975 verlief der Aufstieg des italienischen Antriebsspezialisten langsam, aber stetig. Italienische Maschinenbauer erkannten jedoch bald die Möglichkeiten, die hinter den Ideen von Bonfiglioli steckten. Sie konnten ihren teuren Eigenbau von Getrieben durch kostengünstige in Serie gefertigte Getriebe ersetzen. Einer der vielen Meilensteine in der jetzt 50jährigen Geschichte gelten die Planetengetriebe für die Industrie. Das war 1965, dokumentiert mit einem erteilten Paten. Als Trasmital in wirtschaftliche Schieflage geriet, ergriff Bonfiglioli die Gelegenheit, Trasmital zu übernehmen, statt eigene Erweiterungspläne im Unternehmen umzusetzen. In kurzer Folge konnten mit optimierter Produktion und konkurrenzfähigen hydraulischen Planetengetriebemotoren OEMs in aller Welt als Kunden gewonnen werden. Heute liest sich die Kundenliste wie das „Who is Who“ der Baumaschinenindustrie.

Indien ist eine tragende Säule

Die positiven Erfahrungen mit Trasmital bestärkten Bonfiglioli darin, weitere Übernahmen zu wagen. So wollte man zusätzliches Knowhow gewinnen und weiter wachsen. darin, Ende der siebziger Jahre übernahm Bonfiglioli eine Elektromotorenproduktion in Bologna, 2001 den deutschen Umrichterhersteller Vectron Elektronik und im Jahr 2003 den Spezialisten für spielarme Planetengetriebe Tecnoingranaggi. Parallel dazu wurden die Werke ausgebaut und nach Kostengesichtspunkten optimiert. Ende der achtziger Jahre überraschte die Italiener die Fachwelt mit der Einführung einer vollautomatischen Montagelinie für Schneckengetriebe. Dadurch gestärkt konnten weitere Marktanteile erobert werden. Mit dem Internationalisierungsprogramm startete Bonfiglioli ebenfalls Ende der achtziger Jahre, das durch die Einführung des umfassenden Getriebemotorenbaukastens Mitte der neunziger Jahre den entscheidenden Schub erhielt. 1999 wagte Bonfiglioli mit der Eröffnung des Fertigungswerks in Chennai/Indien den Schritt zur Produktion in Übersee. Ausgerichtet auf den Bedarf in Indien und Ostasien hat sich das Werk inzwischen zu einer tragenden Säule des Unternehmens entwickelt.

Dass man heute in Indien fertigt, statt in China, war die Entscheidung von Sonia Bonfiglioli, der Tochter von Clementino Bonfiglioli. Als Vizepräsidentin und geschäftsführende Gesellschafterin ist Sonia Bonfiglioli schon seit Anfang der neunziger Jahre im Unternehmen in führenden Funktionen aktiv. Die Mutter zweier Söhne stellt sich dem Erbe und der Verantwortung, die Lebensleistung ihres Vaters fortzusetzen.

Ehrgeizige Pläne für die Zukunft

Wirtschaftlich steht das Unternehmen fest im Markt, die Zahlen sprechen für sich: über 500 Mio. Euro Umsatz im Geschäftsjahr 2006 bedeuten ein Wachstum um 115 Mio. Euro oder rund 30 Prozent gegenüber dem schon sehr erfolgreichen Geschäftsjahr 2005. Mit der halben Milliarde wird Bonfiglioli weltweit nach dem aktuellen Forecast des Unternehmens erneut eine neue Umsatzdimension erreichen. Das Wachstum zieht sich durch alle Produktlinien und Regionen. Selbst im schwierigen Heimatmarkt Italien wird ein Wachstum von knapp 10 Prozent erreicht werden, in Deutschland werden sogar 37 Prozent erwartet. Neben den besonders wachstumsstarken Märkten in Übersee, dort vor allem Indien, China und U.S.A. konnte Bonfiglioli insbesondere seine Position in Europa ausbauen.

Mit 131 Mio. Euro ist der Heimatmarkt Italien zwar noch immer der größte Einzelmarkt, der Anteil von 25 Prozent am Gesamtumsatz liegt aber erstmals in der Geschichte des Unternehmens unter 30 Prozent. Besonders stark wächst Bonfiglioli in Europa (ohne Italien): Der Umsatzanteil steigt von 45,2 auf über 50 Prozent. Die Niederlassungen außerhalb Europas werden das Wachstum des Gesamtunternehmens ebenfalls umsetzen und damit ihren Anteil in 2006 von 23 auf 24 Prozent etwas erhöhen können. Das deutsche GmbH trägt mit einem Wachstum von 36 Prozent oder gut 20 Millionen Euro wesentlich zum sehr guten Ergebnis bei. Geschäftsführer Thomas Becker: „Unsere Anstrengungen zeigen Früchte, die Anerkennung Bonfigliolis im deutschen Markt steigt deutlich.“ Hauptwachstumsträger sind auch 2006 Planetengetriebemotoren für die mobile Antriebstechnik und für Windenergieanlagen.

Zum Ende des Geschäftsjahres wird Bonfiglioli weltweit mehr als 2.000 Mitarbeiter beschäftigen, 130 davon sind in Deutschland tätig. Trotz des weiter steigenden Automatisierungsgrads in der Produktion wirkt das Wachstum positiv auf die Beschäftigung. Dabei legt man Wert auf die Feststellung, dass die Beschäftigungseffekte überall Wirkung zeigen. „Wir bauen unsere Strukturen in jedem Standort aus. Produktionsverlagerungen finden aus Kapazitäts-, weniger aus Kostengründen statt,“ fasst Sonia Bonfiglioli, die geschäftsführende Gesellschafterin die Situation zusammen. Mit dem Ausbau des Produktionswerks in Chennai, Indien, und dem neuen Produktionswerk in der Slowakei würden drückende Produktionsengpässe beseitigt. Sonia Bonfiglioli: „Wir denken, handeln und investieren international, denn unser Geschäft ist international.“

2006 werden demnach auch die Investitionen mit 34 Mio. Euro an die Rekordsumme von 36 Mio. Euro des Vorjahres heranreichen. Massive Investitionen wie der Ausbau des Standorts Forlì, bei dem in den nächsten Jahren die Produktionsfläche um weitere 12 000 auf 37 000 Quadratmeter ausgebaut werden soll, sind beschlossen und werden umgesetzt. In den Fabriken nimmt zudem der Automatisierungsgrad stetig zu, die Verkettung der Maschinen und Anlagen durch Roboter schreitet fort. Doch auch in Vertriebsniederlassungen und Vertriebsstrukturen wird investiert, so in ein neues Montagewerk in Mailand und der Aufbau eigener Aktivitäten in der Türkei. Clementino Bonfiglioli selbst fordert als Produktionsmann von den Mitarbeitern ständig neue Investitionen in den Werken. „Während in anderen Unternehmen die Werkleiter um Investitionen bitte müssen, ist es unsere Aufgabe, den Anforderungen von Clementino Bonfiglioli nachzukommen,“ stellt Nedo Fusari, Werkleiter in Bologna fest. Da schlagen sie deutlich, die zwei Herzen in der Brust von Clementino Bonfoglioli: Unternehmer und Ingenieur aus Leidenschaft.

Bonfiglioli, Tel. +49(0)2133 50260

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