Netzüberwachung Gridhound bringt schnell künstliche Intelligenz in Verteilernetze

Redakteur: Sariana Kunze

Mit Gridhound soll die Intelligenz zum kleinen Preis in die Verteilernetze einziehen. Die Lösung für die Überwachung und Steuerung von Verteilernetzen (Mittel- und Niederspannung) soll nach erfolgreichen Tests bereits 2016 marktfähig sein. Für die Implementierungsphase sind die Gründer des Spin-off-Unternehmens der RWTH Aachen noch auf der Suche nach Kooperationspartnern.

Wie der Greyhound (Windhund) passt sich auch der Gridhound den wachsenden Herausforderungen an. Nur eben nicht auf der Rennbahn, sondern in den Verteilernetzen.
Wie der Greyhound (Windhund) passt sich auch der Gridhound den wachsenden Herausforderungen an. Nur eben nicht auf der Rennbahn, sondern in den Verteilernetzen.
(Bild: Andy Carter, CC BY 2.0, flickr.com)

Artur Löwen vom Institut Automation of Complex Power Systems des E.ON Energy Research Centers hatte eine Vision: Er wollte Verteilernetze im Mittel- und Niederspannungsbereich mit nur geringem Kostenaufwand intelligenter machen, um vorhandene Netze an die steigenden Anforderungen anzupassen. Aus dieser Vision wurde Gridhound: Eine Überwachungslösung, welche ohne die Einrichtung einer eigenen Rechner-Infrastruktur auskommt, das skalierbar auf unterschiedliche Anforderungsprofile ist und mit intelligenter Überwachung und Steuerung vorhandene Netze zielgerichteter und kostengünstiger an wachsende Herausforderungen anpasst. Zudem soll der Aufwand für einzelne Netzbetreiber überschaubar sein.

Sensoren an wenigen Messpunkten reichen aus

Und so funktioniert Gridhound: Anders als in Hochspannungsnetzen ist der Automatisierungsgrad in der Mittel- und Niederspannung äußerst gering. Eine umfassende Überwachung und Regelung ist hier angesichts zahlreicher Knotenpunkte und Leitungsverbindungen, wenn überhaupt, schon bisher nur mit großem Aufwand bei gleichzeitig hohen Kosten möglich. Die Zunahme der dezentralen Stromerzeugung in kleinen und kleinsten Anlagen verschärft die Problematik. Denn längst fließt der Strom nicht mehr nur in eine Richtung. Bestehende Überwachungs- und Regelungssysteme stoßen damit an ihre Grenzen. Die Herausforderung ist, vorhandene Netze zu vertretbaren Kosten an die neuen Anforderungen anzupassen. Hierfür nutzt Gridhoundnutzt die künstliche Intelligenz. Benötigt werden dafür Sensoren an wenigen Messpunkten. Zusätzliche Informationen werden von dem lernfähigen System mit wachsender Genauigkeit abgeschätzt. Die so ermittelten Werte für Strom und Spannung werden über vorhandene Schnittstellen an eine eigens zu diesem Zweck eingerichtete lokale und gegen Zugriffe von außen geschützte Cloud übertragen und dort verarbeitet. Sinnvolle Ergebnisse sollen schon nach wenigen Messungen und Berechnungen erzielt werden. Dabei werden auch externe Faktoren, die Einfluss auf Erzeugung und Verbrauch haben, beispielsweise das (aktuelle und vorhergesagte) Wetter oder Großveranstaltungen, berücksichtigt. Die Ergebnisse werden den einzelnen Netzbetreibern in visualisierter Form im Minutentakt zur Verfügung gestellt.

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