Innovations-Trends

Hannover Messe 2017: Wo sich Hypes mit Leben füllen lassen

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Wertvoll: lernende Maschinen und smarte Materialien

Als solche Argumente gelten beispielsweise auch Digital Twins, Machine Learning oder Smart Materials wie die Hannover Messe in einer Vorab-Veröffentlichung auflistete. Alles noch Trend-Begriffe, die sich wie Container parallel zum zunehmenden Hype erst füllen müssen. Der digitale Zwilling wird mit der Produktentwicklung geboren und bleibt während des gesamten Produktlebenszyklus untrennbar verbinden, was nicht nur für Trockenläufe nützt. Machine-Learning-Technologien ermöglichen es, Daten von verschiedenen Stellen zentral auszuwerten und an die Maschinen zurückzuspielen, die daraus lernt, sich selbstständig zu optimieren. Smart Materials, also intelligente Werkstoffe etwa aus piezoelektrischen Materialien, sind Technologien, mit denen sich das Fraunhofer ISC beschäftigt. Mit ihnen lassen sich etwa Stoßdämpfer steuern, Anwendungen für Schwingungssensorik oder Ultraschallwandler zur Zustandsüberprüfung von Bauteilen.

Eine weitere Anwendung, die neue Werte schaffen kann: vernetzte und kollaborative Roboter, die sogenannten Cobots, die inzwischen Richtung Feinmotorik gehen, etwa für Pick & Place-Anwendungen oder Etikettierungen. Schunk beispielsweise hat intelligente, feinfühlige und vernetzte Greifsysteme entwickelt.

Creating Value, das heißt für viele auch, Bestandsanlagen und einfache Lager IoT-fähig zu machen und so etwa in ERP- oder MES-Systeme einzubinden. Darin zeigt sich womöglich schon die Grundidee der sogenannten Circular Economy, auf die sich allmählich immer mehr Geschäftsmodelle hinbewegen: Materialien, Rohstoffe und Energie wieder in die Prozesse rückführen und so quasi aus sich selbst heraus Gewinne und Werte schöpfen. Sie sammeln sich wie die Tautropfen auf einem Spinnennetz in den Strukturen der Prozesse. Mit der entsprechenden Datensammlung entlang der Wertschöpfungskette könnte sich hier enormes Potenzial bieten.

Kooperationen: Gemeinsam Gewinne einfahren

Das übernehmen etwa smarte Sensoren oder ganzheitliche Lösungskonzepte. Harting beispielsweise hat mit seiner Mica, einer Art industrietauglichem Rasperry Pi, ein Lösungskonzept entwickelt, das auch jahrzehntealte Bestandsanlagen mit der Cloud verbinden kann. Für den Aufbau einer unerschöpflichen Anwendungsvielfalt kooperiert Harting mit anderen Technologie-Schmieden.

Die ZF Friedrichshafen arbeitet in seiner eigens gegründeten ZF Future GmbH mit Partnern wie Nvidia an künstlicher Intelligenzsteuerung und integriert sie in elektrische Antriebsmaschinen, ein Beispiel ist der Innovation Tractor. In der Technologieinitiative SmartFactory KL e.V. wiederum haben sich rund 20 Partnerfirmen und das Deutsche Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz DFKI zusammengetan, um Module einer Industrie-4.0-Anlage nicht in Reihe, sondern auf Fertigungsinseln zu verteilen. Zu den Partnern zählen unter anderen Cisco, Eplan, Festo, Lapp Kabel, Phoenix Contact, Pilz, SAP, Weidmüller und Wibu Systems.

Ganz gezielt geht auch Universal Robots den kooperativen Weg mit Universal Robots+, einem eigenen Ökosystem für Entwickler, Vertriebspartner und Endkunden. Nur zwei Beispiele von vielen, inzwischen basteln Hersteller wie Anwender nahezu aller Sparten an gemeinsamen Plattformen: einerseits für die Themen Standards, Kommunikationsschnittstellen, Integration & Co., andererseits, um ihre Technologien zu neu gedachten Konzepten und Innovationen zu kombinieren.

„In der Entwicklung ganz neuer Geschäftsmodelle und der Erschließung entsprechender Märkte liegt das größte Wertschöpfungspotenzial der Digitalisierung“, erläuterte Köckler im Vorfeld das Messe-Motto gegenüber der Presse. So könnten Produkte künftig beispielsweise nach der Auslieferung mit dem Hersteller vernetzt bleiben und ihn permanent mit wertvollen Daten versorgen. Daraus ließen sich neue Services entwickeln, auch über die klassischen Branchengrenzen hinaus Märkte erobern.

Wie das funktionieren kann, zeigen uns nicht nur Internet-Pioniere wie Amazon und Google. Eaton und T-Systems beispielsweise haben erst kürzlich ihre branchenübergreifende Zusammenarbeit für das Internet der Dinge mit Blick auf die Maschinen- und Anlagenbauer angekündigt. Sensorhersteller denken über Flatrates für das Datenvolumen nach, das ihre Sensoren aus automatisierten Anlagen generieren. Robotik-Hersteller erobern den Konsumentenmarkt oder entwickeln Gemeinschaftslösungen. Und Industrie-Automatisierer entdecken Märkte wie Smart Building und Smart Health für sich.

Dr. Köckler: „In Hannover werden Kooperationen zwischen IT und Maschinenbau, zwischen Startup und Konzern geschlossen. Tragfähige 4.0-Geschäftsmodelle, aber auch disruptive Business-Ideen– das werden wir im April zu sehen bekommen.“

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