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Aluminium Norf GmbH Heißes Programm für weniger Energie

| Redakteur: Carina Schipper

Seit 2007 prämiert die Deutsche Energie-Agentur (Dena) jährlich im Zuge ihres Kongresses in Berlin drei Unternehmen, die sich bei der Einführung von Energieeffizienzmaßnahmen besonders auszeichnen. Auf dem Siegertreppchen ganz oben steht für 2014 die Aluminium Norf GmbH.

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Mithilfe der Prozessoptimierung spart Aluminium Norf 45 % Energie ein.
Mithilfe der Prozessoptimierung spart Aluminium Norf 45 % Energie ein.
(Bild: Aluminium Norf GmbH)

Das Unternehmen aus Neuss betreibt nach eigenen Angaben mit 2.200 Mitarbeitern das größte Aluminiumwalz- und Schmelzwerk der Welt. Aluminium Norf fertigt Halbzeuge und Vorprodukte aus Aluminium und Aluminiumlegierungen, die später in Lebensmittelverpackungen, Offsetdruckplatten, Fahrzeugteilen und Dach- und Wandverkleidungen Verwendung finden. Der Vorsatz der Niederrheiner bestand darin, walzwarme Aluminiumbänder ohne Auskühlung zur Weiterverarbeitung in die Öfen zu transportieren. Diese Praxis entspricht nicht dem herkömmlichen Verfahren, so Aluminium Norf. Bisher wurden vom Walzprozess aufgeheizte Aluminiumbänder auf unter 60° C heruntergekühlt und danach - wegen prozesssicherer Bedingungen - wieder auf 480° C Glühtemperatur gebracht. Um dieses Verfahren zu verbessern, führte Aluminium Norf ein zuvor industriell nicht angewandtes Anlagenkonzept ein. Zudem setzen die Nordrhein-Westfalen großtechnisch eine energieeffiziente Glühofenanlage mit Schutzglasvorwärmung und einem übergeordneten Steuerungskonzept ein. Ein Computer verwaltet den thermischen Zustand jedes Aluminiumbands und den energetisch idealen Betrieb der Öfen sowie einzelner Brennerzonen, erklären die Aluminium-Experten. Ein Temperaturmesskonzept verwendet die Regelung der Einzelbrenner bei einer gleichzeitig kleineren Zahl von Brennern, so Aluminium Norf. Insgesamt verwirklichte das Unternehmen im Zuge der Prozessoptimierung fünf Energieeffizienzmaßnahmen:

  • Nutzung der Restwärme aus Walzprozessen beim Glühen durch den Einsatz von warmen Bändern,
  • Schutzgasvorwärmung mithilfe der Abgase,
  • Computergesteuerte Regelung für jedes Aluminiumband,
  • Ausstattung aller Ventilatoren und Gebläse mit regelbaren Antrieben,
  • Abdichtung und Dämmung der Öfen.

Mit diesen Ansatzpunkten erzielte Aluminium Norf eine Senkung des Energieverbrauchs um 45 %, was dem Wert von 30,8 Mio. kWh im Jahr entspricht. Darüber hinaus gibt das Walz- und Schmelzwerk jährlich 8.434 t weniger CO2 in die Luft ab. Bei einer Investitionssumme von 7,6 Mio. Euro und einer Kapitalrendite von elf % fallen die Kosten für Energie innerhalb eines Jahres um 835.000 Euro.

Kennzahlen der betrieblichen Energieeffizienzmaßnahmen.
Kennzahlen der betrieblichen Energieeffizienzmaßnahmen.
(Bild: Deutsche Energie-Agentur GmbH)
Eine besondere Bedeutung kommt laut Dena-Juroren der Umsetzung von zahlreichen neuen Ansätzen für einen innovativen Glühprozess über den Stand der Technik hinaus zu. Aluminium Norf, zu Hause in einer energieintensiven Branche, steht mit seinem Beispiel dafür, welche versteckten Verbesserungspotentiale in langjährig eingesetzten, scheinbar durchoptimierten großindustriellen Prozessen schlummern.

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