Robotik

Helfer für Gou und Winterkorn

| Autor / Redakteur: Robert Weber / Robert Weber

Der Roboter Yumi von ABB soll ab der Hannover Messe 2015 zu kaufen sein. Die Elektrofertigung könnte von dem Roboter profitieren.
Bildergalerie: 1 Bild
Der Roboter Yumi von ABB soll ab der Hannover Messe 2015 zu kaufen sein. Die Elektrofertigung könnte von dem Roboter profitieren. (Bild: ABB)

Selten konnten Besucher der Computermesse Cebit so viele Roboter bestaunen wie in diesem Jahr. Mit dem digitalen Wirtschaftswunder, das vor allem von der Telekom und Microsoft propagiert wird, ziehen auch die stählernen Helfer wieder verstärkt in die Fabriken ein.

Dieses Mal soll die Montage unterstützt, der Mittelstand überzeugt und das Handwerk für die Roboter begeistert werden. Doch die großen Märkte warten in Asien bei Foxconn und Co.

Das Bild ging um die Welt: Kuka Roboter halten auf dem Cebit-Messestand der Deutschen Telekom magentafarbende Regenschirme in die Höhe. Doch der Laie wird schnell korrigiert. Schutzschirme seien das. Ein schönes Bild: Der Kuka-Roboter mit allerhand Technik und Intelligenz ausgerüstet, wird von den IT-Exerpten der Telekom vor fremden Zugriffen geschützt, damit er seinen Dienst in der Smart Factory ableisten kann. Für die Mehrheit der Standbesucher blieben die Schutzschirme aber Regenschirme. Ein Standbesucher merkte ironisch an: „Regnet es vielleicht aus der Cloud?“

Das Engagement von Kuka und der Telekom beweist allerdings auch: Robotik und IT wachsen weiter zusammen. Die Zukunft der Fabrik besteht aus Digitalisierung, Automatisierung und Elektrifizierung. Das Trio ist für Experten nicht unbekannt, aber die Aufgaben der Roboter werden sich in den nächsten Jahren verändern und damit auch die Anforderungen an den Bediener. Eine Effizienzsteigerung von bis zu 30 % prognostizieren Fachleute.

Analysten der Boston Consulting Group rechnen damit, dass sich die Rahmenbedingungen für die Robotik bis 2025 weiterhin günstig entwickeln und damit die Produktivität in den Fabriken weiter steigt. Das Outsourcing in Billiglohnländer wird zurückgehen, so die Amerikaner. Dazu kommt, dass die Fabriken kleiner werden, die Forderung nach Losgröße 1 und Individualisierung anhält und dass neue Industrien und Anwender die Robotik für sich entdecken. Die Boston Consulting Group macht für diesen Trend auch die neuen Kostenstrukturen bei Robotern verantwortlich, die mittlerweile auch für kleine- und mittelständische Unternehmen erschwinglich geworden sind. Eine Herausforderung bleibt allerdings: Mitarbeiter müssen zukünftig enger mit dem Roboter zusammenarbeiten und ihn programmieren, heißt es.

Die Autoindustrie hat diesen Trend schon für sich entdeckt. Heute und morgen wollen die Autobauer hin zur flexiblen Arbeitsteilung zwischen Mensch und Roboter. „Damit eröffnen sich neue Wege in der roboterbasierten Automatisierung, die zusätzlich zum klassischen Industrieroboter entstehen“, erklärt Kuka. Zu Deutsch: Der Roboter rückt mit dem Werker an die Montagelinie. Hier war der Automatisierungsgrad bisher verschwindend gering.

Integrierte Sensorik verleiht dem Roboter Feinfühligkeit

Kuka schielt vor allem darauf, den Leichtbauroboter LBR iiwa zu verkaufen (Leichtbauroboter, intelligent industrial work assistant). Die Entwicklung ist mit sieben Achsen dem menschlichen Arm nachempfunden und kann in Positions- und Nachgiebigkeitsregelung betrieben werden, verkünden die Augsburger stolz. Diese kombiniert mit integrierter Sensorik verleiht dem Leichtbauroboter eine programmierbare Feinfühligkeit. In einer Präsentation heißt es: „Seine hoch performante Kollisionserkennung und eine integrierte Gelenkmomentensensorik in allen Achsen prädestinieren den LBW iiwa für feinfühlige Fügeprozesse und ermöglichen den Einsatz einfacher Werkzeuge.“ Manch ein Entwickler spricht schon von der dritten Hand des Werkers.

Auch ABB will profitieren. Die Schweizer Automatisierungsspezialisten schickten 2014 den Roboter „Yumi“ ins Rennen um die Kundschaft. Das Produkt wurde entwickelt, um in erster Linie auf die schnellen und flexiblen Fertigungsanforderungen in der Elektronikindustrie reagieren zu können. Auf der Hannover Messe 2015 startet der Verkauf. Der Roboter wird nach und nach auch in anderen Branchen zum Einsatz kommen, versprechen die Entwickler. Yumi ist ein zweiarmiger, kollaborativer Montageassistent mit den Fähigkeiten zu sehen und zu fühlen. Die weichen, gepolsterten Arme des Roboters gewährleisten die sichere Zusammenarbeit zwischen Mensch und Roboter – auch dank der innovativen Kraft- und Drehmomentsensorik, schreibt ABB in einer offiziellen Präsentation. Die Sicherheit ist in der Funktionalität des Roboters integriert und ermöglicht somit auch ein Arbeiten ohne Schutzgitter.

Die dritte Hand

Automatisierungsoffensive der Autobauer

Die dritte Hand

10.03.15 - Die Autoindustrie zählt zu den wichtigsten Kunden der Roboterbauer. Neben dem klassischen Industrieroboter verkaufen sich in Zukunft vor allem intelligente Helfer für die Montage. Und auch das Handwerk ist an der Technik interessiert. lesen

Der ABB-Roboter ist in der Lage, Feinarbeiten mit hoher Präzision auszuführen. So kann er beispielsweise Teile einer mechanischen Armbanduhr oder die Komponenten eines Mobiltelefons, Tablet-PCs oder eines Desktop-Computers bearbeiten und zwar mit so großer Genauigkeit, dass er sogar einen Faden durch ein Nadelöhr ziehen kann.

Yumi wäre für Terry Gou sicher eine Lösung. Der Chef des größten High-Tech-Zulieferers Foxconn hatte einen ehrgeizigen Plan. Bis 2014 wollte das taiwanesische Unternehmen in seinen Fertigungshallen etwa eine Million Roboter, eigene Foxbots, einsetzen. Doch der Plan muss wohl erst einmal verschoben werden, denn es gibt Technikprobleme.

Die geplanten Foxbots sollten vor allem in der Montage des jüngsten Apple-Smartphones, dem I-Phone 6, zum Einsatz kommen, weiß Blogger und Apple-Insider Aaron Baumgärtner. Doch Foxconn hinkt seinem Ziel weit hinterher. Momentan stehen die High-Tech-Spezialisten schwerwiegenden Fertigungsproblemen gegenüber und die Genauigkeit der Roboter sorgt für Unzufriedenheit, so Baumgärtner. Bis jetzt üben die Foxbots nur Aufgaben mit wenig Präzision aus, wie beispielsweise das Festdrehen von Schrauben. Laut Baumgärtner erlaubt der derzeitige Stand der Arbeitsmöglichkeiten der Maschinen keine vollautomatisierte Fertigung in der I-Phone Montage. Aktuell erreichen die Roboter eine Genauigkeit von circa 0,05 mm, was für eine erfolgreiche I-Phone-Montage nicht ausreiche, so die Branche. Der Zusammenbau der Mobiltelefone erfordert eine Genauigkeit von 0,02 mm, wissen Blogger. Einen weiteren Minuspunkt sammeln die Foxbots auf Grund ihrer Größe. Vor Ort beanspruchen sie zu viel Platz, stellen daneben aber nur einen niedrigen Mehrwert für die Produktion dar. Schon kommen aber Gerüchte auf, nach denen die zweite Generation der Foxbots, die sich in der Entwicklung befindet, sehr geräuscharm arbeiten und fünf Finger für hohe Genauigkeit besitzen soll. Trotz aller Hindernisse sieht Baumgärtner eine Zukunft für die Maschinen: „Ich denke, Roboter haben durchaus noch eine Chance. In zwei bis drei Jahren sehe ich mit der voranschreitenden Technik gute Chancen.“ Ein einzelner Roboter kostet in der Anschaffung rund 20.000 bis 25.000 US-Dollar, schreiben Medien.

Der chinesische Markt lockt die westlichen Roboterbauer

Der Smartphone-Markt in Asien lockt die westlichen Roboterbauer, denn nicht nur Apple lässt im Reich der Mitte produzieren. Hauptabnehmer für die Roboter wird aber die Automobilindustrie sein, sagen Experten voraus. „Wir sehen in China eine rasante, fast explosionsartige Entwicklung insbesondere in den letzten zwei bis drei Jahren, die selbst unsere Erwartungen übertrifft“, erklärt Per Vegard Nerseth, ABB Robotics.

Die Paartherapie: Roboter mausern sich vom Jobkiller zum Kollegen

Interview zur Mensch-Roboter-Interaktion

Die Paartherapie: Roboter mausern sich vom Jobkiller zum Kollegen

12.05.14 - Therapeuten raten ihren Patienten nie den Gesprächsfaden zu verlieren. Dr. Gerhard Rinkenauer vom Leibniz-Institut für Arbeitsforschung hat sich ein besonderes Pärchen ausgesucht. Der Ingenieur und Kognitionswissenschaftler will die Kommunikation zwischen Mensch und Maschine verbessern. Mit elektrotechnik sprach er über Angst, Akzeptanz und den Arbeitsalltag der Zukunft. lesen

Doch Europa bleibt beim Entwickeln von Robotern an der Spitze. Fernwartungslösungen gewinnen bei der Globalisierung wieder an Bedeutung und die größte Herausforderung der Roboterbauer besteht darin, die Programmierung zu vereinfachen, damit der Werker bei Problemen selber anpacken kann. Dafür braucht es IT-Systeme, eine Cloud, Fernwartungsanwendungen und ganz sicher auch einen Schutzschirm. Von wem der kommt, wissen Besucher der Cebit jetzt.

Kommentare werden geladen....

Kommentar zu diesem Artikel abgeben

Der Kommentar wird durch einen Redakteur geprüft und in Kürze freigeschaltet.

Anonym mitdiskutieren oder einloggen Anmelden

Avatar
Zur Wahrung unserer Interessen speichern wir zusätzlich zu den o.g. Informationen die IP-Adresse. Dies dient ausschließlich dem Zweck, dass Sie als Urheber des Kommentars identifiziert werden können. Rechtliche Grundlage ist die Wahrung berechtigter Interessen gem. Art 6 Abs 1 lit. f) DSGVO.
  1. Avatar
    Avatar
    Bearbeitet von am
    Bearbeitet von am
    1. Avatar
      Avatar
      Bearbeitet von am
      Bearbeitet von am

Kommentare werden geladen....

Kommentar melden

Melden Sie diesen Kommentar, wenn dieser nicht den Richtlinien entspricht.

Kommentar Freigeben

Der untenstehende Text wird an den Kommentator gesendet, falls dieser eine Email-hinterlegt hat.

Freigabe entfernen

Der untenstehende Text wird an den Kommentator gesendet, falls dieser eine Email-hinterlegt hat.

copyright

Dieser Beitrag ist urheberrechtlich geschützt. Sie wollen ihn für Ihre Zwecke verwenden? Infos finden Sie unter www.mycontentfactory.de (ID: 43249240 / Antreiben)