Kabelschlepp — Energieführungsketten aus Stahl in dünner Luft

Hightech fürs Hochgebirge

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Baden-Württembergische Zusammenarbeit

Auf der Suche nach einem Schwertransporter-Spezialisten wurde die European Southern Observatory (ESO) als einer der internationalen ALMA-Beteiligten in Baden-Württemberg fündig. Die Scheuerle Fahrzeugfabrik aus Pfedelbach ist in der industriellen Schwerlastsparte Weltmarktführer und erfahren im Sonderfahrzeugbau. Für das bisher einzigartige Projekt eines Hochgebirgs-Schwertransporters suchte sich das Unternehmen Unterstützung im „Ländle“: Zum Heben und Positionieren der Radioteleskope entwickelte die Firma Alfatec aus Filderstadt Schwerlast-Lineareinheiten, die die riesigen Antennen sicher und exakt anheben, halten und absetzen können. Je zwei Führungen pro Fahrzeug funktionieren dabei als Schrägaufzug.

Einer der Schwertransporter im Einsatz: 115 Tonnen geschultert (Archiv: Vogel Business Media)

Die Schwerlast-Linearführungen von Alfatec bestehen aus einer Stahlkonstruktion in Fachwerk-Bauweise. In einem Steigungswinkel von 15 Grad ziehen die Fahrschlitten der beiden Einheiten das 115-Tonnen-Radioteleskop mit rund fünf m/min die Rampe des Schwerlast-Transporters hinauf. Der Fahrschlitten läuft dabei auf vier Tandemrollen, die sich über Laufflächen aus hochfestem Stahl bewegen. Angetrieben wird der Fahrschlitten durch zwei doppelt wirkende Zugzylinder mit einem Hub von 5,1 m. Um dabei eine sichere und zuverlässige Energie- und Datenversorgung zu gewährleisten, werden die Leitungen in Stahl-Energieführungen von Kabelschlepp geführt, die mit dem Fahrschlitten mitlaufen.

Stahlketten: Hart im Nehmen

Ob die Serien S/SX oder die leichten LS- und LSX-Serien – Kabelschlepp-Stahlketten erlauben hohe Zusatzlasten, Beschleunigungen und Verfahrgeschwindigkeiten sowie große freitragende Längen (Archiv: Vogel Business Media)

Extrem trockenes Wüstenklima, Sandstürme, Temperaturen von -15 bis +30°C innerhalb von 24 Stunden und extrem hohe Weltraum- und UV-Strahlung aufgrund der Lage in 5000 m Höhe – Energieführungen, die solch einer Witterung ausgesetzt sind, müssen außergewöhnlich robust sein. Weil die Schwertransporter über Schotterpisten fahren, sind die Ketten während des Einsatzes auch Staub, Erschütterungen und eventuellem Steinschlag ausgesetzt. Zwar regnet es nur alle sechs bis zehn Jahre, dafür sind die Niederschläge dann umso heftiger. Auch dagegen müssen die eingesetzten Materialien gefeit sein.

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