Bildung als internationaler Erfolgsfaktor Hoch qualifizierte Mitarbeitern sichern Wachstum am globalisierten Markt

Autor / Redakteur: Prof. Dr. Gunther Olesch / Wolfgang Leppert

Deutsche Unternehmen sind am Weltmarkt häufig in Führung. Und die Globalisierung bietet gute Perspektiven, diese Position zu behalten oder noch weiter auszubauen. Der Schlüssel dazu

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Effektive Bildungsarbeit braucht neue, teils auch ungewöhnliche Wege — und sollte fest in der Unternehmensstrategie verankert sein.
Effektive Bildungsarbeit braucht neue, teils auch ungewöhnliche Wege — und sollte fest in der Unternehmensstrategie verankert sein.
( Archiv: Vogel Business Media )

Deutsche Unternehmen sind am Weltmarkt häufig in Führung. Und die Globalisierung bietet gute Perspektiven, diese Position zu behalten oder noch weiter auszubauen. Der Schlüssel dazu sind die Mitarbeiter, ihr Bildungsniveau und ihre Qualifikation. Ein ausgeprägtes Human Resources-Management ist deshalb der größte Wertschöpfungsfaktor der deutschen Wirtschaft.

Deutschland gehört zu den Exportweltmeistern. Das ist eine besondere Leistung im Vergleich zu den weltweiten Wettbewerbern wie Japan mit 127 Mio. Menschen, die USA mit 300 Mio., Indien mit 1,1 Mrd. und China mit 1,3 Mrd. Dagegen ist Deutschland mit nur 82 Mio. Einwohnern eher ein kleines Land. Was macht Deutschland dennoch so erfolgreich? Im Gegensatz zu anderen Ländern hat Deutschland keine Rohstoffe wie Öl, Diamanten und Gold. Das Kapital besteht aus dem Bildungs- und Qualifikationsniveau der deutschen Arbeitnehmer. Darauf beruht der Ruf, die technologisch hochwertigsten Autos der Welt zu bauen, die erfolgreichsten Maschinen weltweit zu konstruieren sowie komplexe Softwaresysteme zu entwickeln. Damit ist es gelungen, zu den Exportweltmeistern zu gehören.

Wertschöpfungsfaktor Human Resources

Um weiterhin weltweit führend zu bleiben, müssen die Mitarbeiter noch weiter in den Mittelpunkt rücken. Denn sie entwickeln neue Produkte und Dienstleistungen, und sie produzieren und verkaufen diese. Ohne motivierte und gut ausgebildete Mitarbeiter sind Unternehmen eigentlich nichts wert. Hier setzt das Human Resources-Management an: Es ist dafür verantwortlich, die Leistungsfähigkeit der wertvollen Mitarbeiter zu fördern und zu fordern. HR-Management kann damit zum großen Wertschöpfungsfaktor eines Unternehmens werden.

Was sind nun die entscheidenden Vermögenswerte eines Unternehmens im internationalen Umfeld?

  • Guthaben wie Kundenbeziehungen, Lieferantennetz, Marken-Image und Qualität;
  • Wissen in Form von Patenten und Lizenzen;
  • Management-Prozesse wie Strategien, Führung und Kommunikation;
  • Fähigkeiten wie Know-how und Schlüsselkompetenzen der Mitarbeiter sowie
  • Werte und Normen wie Unternehmenskultur sowie der Umgang miteinander.

Diese Aspekte sind heute die eigentlichen Erfolgsfaktoren eines Unternehmens. Die Wertschöpfung beruht dabei auf dem Bildungsniveau und der Effizienz von Mitarbeitern, beide sind zu den wichtigsten Treibern des Vermögens eines Unternehmens geworden. Bildung und Effizienz der Mitarbeiter hat Deutschland zum Weltmarktführer hochkomplexer Technologien gemacht. Dies ist ein großes, aber unfassbares Vermögen, das nur durch die kontinuierliche und weiterführende Entwicklung der deutschen Arbeitnehmer gehalten werden kann.

Menschen für die Globalisierung positiv stimulieren

Bei vielen Deutschen herrscht eine skeptische, wenn nicht sogar ablehnende Haltung gegenüber der Globalisierung vor. Man vermutet, Know-how und Arbeitsplätze ins billigere Ausland zu verlieren. Hier ist es Aufgabe des HR-Managements, Ängste zu reduzieren und Motivation zu steigern, um den globalisierten Markt mit Mut anzugehen. Bei Phoenix Contact werden von der Geschäftsführung Workshops mit den Mitarbeitern durchgeführt, um intrinsisches Engagement zur Globalisierung zu stimulieren. Denn die Globalisierung hat zahlreiche Vorteile: Deutschland hat seit Jahrzehnten keinen Krieg mehr erlebt, was auch ein Verdienst der Globalisierung ist. Wenn Menschen weltweit miteinander kommunizieren und zusammen arbeiten, reduzieren sich Vorurteile. Es entwickeln sich positive Einstellungen, bisweilen sogar Freundschaften.

  • Durch die weltweite Vernetzung hat sich die Forschung beschleunigt. Die medizinische Entwicklung rettet heute viel mehr Menschenleben als vor der Globalisierung. Zudem lassen moderne Kommunikationsmittel wie das Internet das Wissen exponentiell wachsen. Jederzeit hat man zu Haus über den PC eine weltweite Bibliothek, und davon profitiert auch das Bildungs- und Lebensniveau.
  • Deutschland ist eher ein gesättigter Markt. Durch die Globalisierung werden neue Kunden und Märkte gewonnen, die wiederum die deutsche Wirtschaft wachsen lassen und Arbeitsplätze sichern, sogar ausbauen. Vorteile, die ohne Globalisierung nicht möglich wären.

Besseres Verständnis für andere Kulturen

Ein Unternehmen und vor allen Dingen das HR-Management muss seine Mitarbeiter auf den internationalen Markt vorbereiten. Der Geschäftspartner ist vielleicht Brasilianer, Russe oder Koreaner, und jedes Volk hat seinen eigenen Charakter und seine kulturellen Werte. Diese muss man kennen, um erfolgreich zusammen zu arbeiten – sei es in echten oder virtuellen Teams. Ein Schwerpunkt der Personalentwicklung bei Phoenix Contact ist daher das interkulturelle Training. Den Mitarbeitern wird dabei bewusst gemacht, dass man auf nicht verständliche Verhaltensweisen anderer Kulturen nicht mit Wertungen reagiert.

Interkulturelle Trainings bereiten die Mitarbeiter auf den internationalen Markt vor. (Archiv: Vogel Business Media)

Interkulturelle und auch Sprachtrainings helfen, Missverständnisse zu reduzieren und Kooperationen zu steigern. Für Chinesen ist etwa die „4“ eine Unglückzahl. Von daher sollte man bei chinesischen Partnern mit dieser Zahl vorsichtig sein. Bei Phoenix Contact werden nicht nur mit deutschen Mitarbeitern interkulturelle Trainings durchgeführt, sondern auch mit ausländischen Kollegen, die dann das Denken und Handeln der Deutschen kennen lernen.

Um optimal in interkulturellen Gruppen zu arbeiten, werden internationale Teamtrainings durchgeführt. Aus den weltweiten Niederlassungen werden Mitarbeiter eingeladen, die mit der Geschäftsleitung Maßnahmen zur Globalisierung des Unternehmens entwickeln. So werden interkulturelle Konzepte viel eher und mit intrinsischer Motivation von den Teilnehmern in ihren Ländern eingeführt. Die Teilnehmer werden zu „Botschaftern“ ernannt, welche die abgestimmten Maßnahmen in ihren Ländern umsetzen und sicherstellen, dass dies mit großer Nachhaltigkeit geschieht. Aber nicht nur die Themen schaffen Interkulturalität. Gemeinsame Ziele und zwischenmenschliche Beziehungen sind ein unschätzbarer Vorteil für internationalen Erfolg.

Intensivieren der Aus- und Weiterbildung

Der Kostenfaktor spielt im Bildungswesen eine erhebliche Rolle. Häufig werden bei einem Sparauftrag an Manager in Deutschland primär im Personal- und Bildungsbereich Kosten und somit Potenziale reduziert. Hier gilt es für die HR-Manager mit Überzeugungsarbeit und Durchsetzungsfähigkeit das Budget für Bildungsaufgaben zu erhalten. Denn nur mit ausgeprägter Aus- und Weiterbildung kann die deutsche Technologieführerschaft in der Welt gehalten werden. Hier zeigt sich bereits Nachholbedarf, da die deutsche Wirtschaft bei den Bildungsinvestitionen inzwischen hinter viele andere Industrienationen zurückgefallen ist. Phoenix Contact zum Beispiel setzt daher ein doppelt so hohes Bildungsbudget ein, wie es in der Industrie üblich ist.

Zwei Tatsachen setzen Deutschland unter dringenden Handlungsbedarf in Sachen Bildung: die PISA-Studie, die deutschen Schülern eine mangelnde Bildungsqualität attestiert und die demographische Entwicklung. In Deutschland muss die Bildungsarbeit intensiviert werden, wenn in Zukunft Know-how Träger nicht fehlen sollen. Daran müssen sich die Unternehmen aktiv beteiligen.

Personalentwicklung als Verpflichtung