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Kommentar Hürden oder Hilfen – das Dilemma bei der Energieeffizienz

| Redakteur: Robert Weber

Die Techniken für mehr Effizienz in der Fabrik sind da, nur wer soll sie bezahlen? Die EU-Kommission setzt auf die Privatwirtschaft, doch der Ansatz für mehr Effizienz liegt wohl bei den Banken.

Robert Weber ist stellv. Chefredakteur der elektrotechnik und verantwortet den Themenbereich INDUSTRIAL ENERGY.
Robert Weber ist stellv. Chefredakteur der elektrotechnik und verantwortet den Themenbereich INDUSTRIAL ENERGY.
(Bild: Vogel Business Media)

Er wird es wohl noch erleben – das Scheitern oder den Erfolg: EU Energie-Kommissar Günther Oettinger durfte gestern die Effizienzziele der Kommission vorstellen und macht sich Hoffnungen, auch in Zukunft als deutscher Kommissar die Geschicke in Brüssel zu lenken. Geschick braucht der Schwabe, um sein Ziel und das der EU-Kommission zu realisieren: 30 Prozent Einsparungen stehen in den Planungen. Privathaushalte sind gefragt, aber auch Unternehmer und die tun sich bisher noch schwer, Effizienzmaßnahmen mit einer Amortisationszeit von mehr als drei Jahren zu realisieren und vor allem gegenüber den Finanziers zu rechtfertigen. Deshalb fordern sie: Anreize und Steuererleichterungen und spezielle Abschreibungsmöglichkeiten bei Investitionsmaßnahmen für energieeffiziente Technologien. Doch davon will Oettinger wohl nichts hören. Mit der Formulierung „primarily funded by private investments“, schiebt Oettinger die Hauptverantwortung der Wirtschaft zu. Allerdings: Öffentliche Gelder aus den europäischen Fonds könnten als Hebel für private Investitionen genutzt werden, schreibt die Kommission zwei Absätze weiter. Es ist also noch Geld da. Man wolle Marktsignale senden, so die Formulierung. Ob das funktioniert? Brüssel darf nicht den Fehler machen und anstatt knapper finanzieller Mittel, den Druck auf die Betriebe über rechtliche Hürden zu erhöhen. Die Lösung für mehr Effizienzinvestitionen und Langfristigkeit bei den Entscheidungen liegt auch in der Disziplinierung und Neuordnung der Finanzbranche. Der Druck der Quartalsberichte, der Ratings und Analysen auf die Unternehmen hemmt die Bereitschaft, sich mittel- bis langfristig wirtschaftlich zu engagieren. Wenn Oettinger sein Ziel erreichen will, und nicht viel Geld in den Taschen hat, dann muss er an diesem Punkt ansetzen.

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