Suchen

Industriepolitik

IIC: Ein sehr exklusiver Club

| Redakteur: Robert Weber

Industriepolitik Das neue Jahr startete mit einem Paukenschlag. Siemens tritt dem Industrial Internet Consortium bei. Der Zusammenschluss wächst täglich. Doch was will das IIC und wie reagiert die Industrie 4.0-Bewegung?

Firmen zum Thema

(Bild: James Cridland unter CC BY 2.0, Flickr.com )

Der Kies unter den Reifen der schweren Limousine knirscht. Der Rolls schiebt sich langsam die Auffahrt hinauf. Getrimmte Buchsbaumreihen bedeuten dem Fahrer den Parkplatz in Mitte der grünen Hügel. Die Türen schlagen auf, der Gast steigt aus dem Fonds, schaut sich kurz um, öffnet den Kofferraum, greift zur Tasche und steuert auf eine massive Tür mit goldenem Schild zu. Members only ist dort eingraviert und ein Concierge sorgt für die Einhaltung der Regeln in dem Club.

Die Unternehmen drängeln sich vor der Tür

Der exklusivste Club der Industrie kommt ohne Buchsbaumhecken, goldene Schilder oder Rolls Royce auf dem Parkplatz aus. Das Industrial Internet Consortium (IIC) residiert in einer klassischen Büroimmobilie und trotzdem zieht der Club die Unternehmen weltweit an. Der Eintritt kostet die Großen immerhin 50.000 US-Dollar. Im Frühjahr 2014 wurde das Konsortium gegründet und zählt mittlerweile 118 Unternehmen. „Wir wollen die Internettechnologie in die Industrie tragen, Zusammenarbeit unter Wettbewerbern fördern und gemeinsam Testanwendungen entwickeln. 2015 liegt der Schwerpunkt auf den Tests. Unsere Mitglieder sind an Anwendungen in unterschiedlichen Industrien und Branchen interessiert. Dazu gehören neben der Fertigung und Produktion beispielsweise auch die Medizintechnik, die Logistik und das Verkehrswesen“, erklärt Dr. Richard Mark Soley, Executive Director des Industrial Internet Consortiums, im Gespräch mit dieser Redaktion.

Bildergalerie

Bildergalerie mit 6 Bildern

Auch er wurde von der Entwicklung ein Stück weit überrascht. Der Zusammenschluss entstand, untypisch für die virtuellen Themen, nur durch den persönlichen Kontakt. 15 technologiebegeisterte Menschen telefonierten regelmäßig und eines Tages rief der Senior Vice President von General Electric Richard Soley an und lud ihn zum Mittagessen nach Kalifornien ein. Soley sagte: „Bill, ich fliege nicht für ein Mittagessen von Boston nach Kalifornien, ohne zu wissen, worum es geht.“ Er erklärte ihm die Pläne der Gründer und der Ostküstenmann schlug ein. „Seitdem reise ich für das IIC um die Welt.“ Südkorea, Niederlande, Deutschland oder Chile – Soley sieht das IIC als internationalen Zusammenschluss. Das Konsortium sei keine amerikanische Erfindung, betont er immer wieder. Man betreibe keine Wirtschaftspolitik. „Verstehen Sie mich nicht falsch: Industrie 4.0 ist ein tolles Programm und jeder Staat will seine Steuergelder an seine heimischen Unternehmen verteilen. Das ist legitim und daran wollen wir auch nicht rütteln. Deshalb profitiert in Deutschland das Unternehmen IBM und in den USA Siemens Healthcare“, lacht er. Für Soley ist klar: „Die Marke Industrie 4.0 existiert nur in Deutschland und konzentriert sich auf die Produktion. Ich habe auf meinen Reisen im Ausland noch nie von Industrie 4.0 gelesen. Dazu kommt: Der deutsche Ansatz fokussiert die Fertigung. Wir wollen Energie, Logistik und Medizintechnik einbinden. Industrie 4.0 hat seine Berechtigung, aber jetzt wird es Zeit zu kollaborieren.“ Daran glauben auch einige deutsche Unternehmen. Für den Automobilzulieferer Bosch haben die Industrie 4.0-Plattform, als auch das IIC ihre Berechtigung. Aber: „Unabhängig davon ist das IIC noch breiter aufgestellt als die deutsche Industrie 4.0-Bewegung. Im IIC geht es nicht nur um die vernetzte Produktion, sondern auch um Themen wie Mobilität und Energie“, heißt es auf Nachfrage der Redaktion. Bosch ist im Juni 2014 als erstes deutsches Unternehmen dem IIC beigetreten, denn Bosch-Chef Denner macht mangelnde Fortschritte bei Industrie 4.0 aus. „Wir verlieren uns in Partikularinteressen und blockieren uns gegenseitig“, erklärte er Mitte Januar auf einer IHK Veranstaltung. Sein Pressesprecher nahm das Zitat auf, twitterte eifrig und so kam Boschs-Botschaft in die Welt.

Dieser Beitrag ist urheberrechtlich geschützt. Sie wollen ihn für Ihre Zwecke verwenden? Kontaktieren Sie uns über: support.vogel.de (ID: 43111914)