Studie: Ingenics und Fraunhofer IAO Industrie 4.0: Morgen arbeiten wir ganz anders

Redakteur: Ines Stotz

Noch sind es erst rund sechs Prozent der Unternehmen, die konkrete Aspekte von Industrie 4.0 realisiert haben – aber mehr als die Hälfte arbeitet daran, die Voraussetzungen zu schaffen. Dabei müssen auch große organisatorische Herausforderungen gemeistert werden. Eine aktuelle Studie zeichnet ein Bild der sich verändernden Arbeitsprozesse.

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Die Ergebnisse der Ingenics IAO Studie zur Industrie 4.0 liegen vor: Danach werden sich die Arbeitsprozesse fundamental verändern.
Die Ergebnisse der Ingenics IAO Studie zur Industrie 4.0 liegen vor: Danach werden sich die Arbeitsprozesse fundamental verändern.
(Bild: Ingenics)

Begünstigt durch verfallende Preise für Hard- und Software, Leichtbauroboter, Tablet-PCs, Transponder, Sensorik, Speicherplatz etc., führt die immer schneller fortschreitende Digitalisierung in der Produktion zu tiefgreifenden Veränderungen. Die Bezeichnung Industrie 4.0 oder Smart Factory hat nicht zuletzt die Funktion, Maßnahmen und Erwartungen auf einen Begriff zu bringen. „Noch lassen Anzahl und Tragweite der umgesetzten industriellen Lösungen das Versprechen einer vierten industriellen Revolution groß erscheinen, doch wir sehen allerorten, wie mit Hochdruck an neuen Anwendungen, Produkten und Lösungen gearbeitet wird“, beobachtet Oliver Herkommer, CEO bei Ingenics.

Am Ende der heute absehbaren Entwicklung wird seiner Schlussfolgerung nach, nicht – wie manche Warner vermuteten – die menschenleere Fabrik stehen, aber die Aufgaben der Menschen in den Fabriken werden sich noch einmal entscheidend verändern. Wichtig ist, dass Qualifikation und Kompetenzentwicklung für die Mitarbeiter von morgen heute konzeptioniert werden müssen. „Dazu benötigen wir ein Bild der zukünftigen Entwicklung auf Basis der erfolgreichen Gegenwart. Insofern will die Studie auch dazu beitragen, die Spitzenposition der deutschen Industrie zu festigen“, erklärt Oliver Herkommer.

Die von Ingenics und dem Fraunhofer-Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation IAO durchgeführte Studie „Industrie 4.0 – Eine Revolution der Arbeitsgestaltung – Wie Automatisierung und Digitalisierung unsere Produktion verändern werden“ zeichnet auf der Grundlage einer Befragung von Produktionsverantwortlichen ein Bild des Umsetzungsstands von Industrie 4.0 in deutschen Industrieunternehmen.

Kein Zweifel: die Zukunft heißt Industrie 4.0

Industrie 4.0 ist kein geschlossenes Konzept, das implementiert und per Knopfdruck in Betrieb genommen werden kann. Es ist vielmehr der Überbegriff für eine Strategie des Zusammenwirkens vieler Einzelmaßnahmen unter der Prämisse einer integralen Kommunikation. Dazu gehören komplexe Netzwerke, durchgängige Produktionsprozesse und transparente Lieferketten.

„Noch sind es erst rund sechs Prozent der Unternehmen, die konkrete Aspekte von Industrie 4.0 realisiert haben; aber mehr als die Hälfte arbeitet daran, die Voraussetzungen zu schaffen", hat der Firmenlenker herausgefunden. „Denn dass das Zusammenspiel von sich selbst organisierenden, komplexen, schnell kommunizierenden Netzwerken über die Zukunftsfähigkeit von Unternehmen entscheidet, bezweifelt niemand mehr ernsthaft“, begründet Herkommer auch gleich.

Die Vernetzung von Maschinen und Systemen in Echtzeit, ihre vollständige und im Prinzip schnittstellenfreie Integration, schafft die Voraussetzung dafür, dass selbststeuernde Systeme mit dezentraler Organisation, so genannte Cyber-Physical Systems (CPS), in eigener Regie Informationen austauschen und im Rahmen vorgegebener, genau definierter Grenzen auch selbstständig Entscheidungen treffen.

Studie steht zum Download bereit

Erste Ergebnisse der Ingenics IAO Studie wurden im Rahmen der Ulmer Gespräche vorgestellt. Jetzt liegt sie komplett vor: Interessierte können sie sich kostenlos herunterladen.

Mit dem Begriff Industrie 4.0 werden – so die Ausgangssituation der Studie – Erwartungen tiefgreifender Veränderungen der industriellen Wertschöpfung verbunden. Die Idee einer intelligenten Vernetzung der Produktion ist verbunden mit der dynamischen evolutionären Digitalisierung von Wirtschaft, Wissen und einer Vielzahl weiterer Lebensbereiche. Um repräsentatives Datenmaterial zu generieren, kontaktierte Ingenics über 8.000 Industrieunternehmen in Deutschland; 518 wurden durch Wissenschaftler des IAO befragt, davon knapp die Hälfte Unternehmen der Automobilindustrie und des Maschinen- und Anlagenbaus. Ein Drittel der Teilnehmer arbeitet in Unternehmen mit weniger als 250 Mitarbeitern (KMU), 60 Prozent in Großunternehmen.

Das sind die wichtigsten Ergebnisse:

Erwartungen und Voraussetzungen

  • Die Produktion in Deutschland steht vor einem Automatisierungsschub. Intra-Logistik, Fertigung und indirekte Bereiche erwarten eine starke Zunahme des Automatisierungsgrads.
  • Erwartungen an 4.0: hoher Mehrwert durch Effizienzsteigerung der Supply Chain (78 Prozent), der Auftragsabwicklung (77 Prozent), der Maschinenvernetzung (72 Prozent) und der Digitalisierung des Shopfloor-Managements (72 Prozent).
  • Viele Unternehmen verfügen bereits über die für eine durchgängige Digitalisierung der Produktion nötige Infrastruktur: zuverlässige WLAN-Abdeckung im Produktionsumfeld (45 Prozent), Breitbandanbindung (41 Prozent).

Umsetzungsstand in den Unternehmen

  • 6 Prozent bewerten die 4.0-Fähigkeit ihres Unternehmens als stark ausgeprägt; 55 Prozent geben an, sie erst erarbeiten zu müssen.
  • 29 Prozent haben eine 4.0-Strategie, die zu 53 Prozent die Geschäftsführung verantwortet.
  • Haupthemmnisse für die Umsetzung von IT-Innovationen in der Produktion: fehlende Veränderungsfähigkeit innerhalb der Organisation, fehlende technische Voraussetzungen, Arbeitnehmervertretung, Schutz mitarbeiterbezogener Daten, Altersstruktur.
  • 72 Prozent müssen, um 4.0-Potenziale zu heben, massiv in Datenqualität investieren.

Arbeitsgestaltung und Qualifizierung

  • 51 Prozent erwarten, dass 4.0 die Produktionsarbeit verändert und zur Reduzierung einfacher, manueller Tätigkeiten führt.
  • 54 Prozent erwarten einen Anstieg des Anteils indirekter Mitarbeiter in planenden und steuernden Tätigkeiten.
  • Die Bedeutung von Qualifizierung und Kompetenzentwicklung wird durchgängig als sehr hoch eingeschätzt; Bereitschaft zum lebenslangen Lernen (86 Prozent), Notwendigkeit eines stärkeren interdisziplinären Denkens und Handelns (77 Prozent) und höhere IT-Kompetenz (76 Prozent) sind unverzichtbar.
  • Unternehmen bauen massiv IT-Kompetenz auf – vor allem in den indirekten Bereichen (80 Prozent), in der (Intra-)Logistik (75 Prozent) und in der Fertigung (67 Prozent).
  • 55 Prozent erwarten bei veränderten Kompetenzprofilen individuellere Vergütungsmodelle.

Arbeitsorganisation und Mitbestimmung

  • 50 Prozent gehen davon aus, dass betriebliche Mitbestimmung durch neue Freiheitsgrade schwieriger zu gestalten, gleichzeitig aber durch den Einsatz neuer Technologien leichter zu organisieren sein wird.
  • 50 Prozent erwarten, dass die Mitarbeiter Teilaspekte der individualisierten Leistungsmessung ablehnen, grundsätzlich aber aktiv mitarbeiten werden.
  • 63 Prozent erwarten eine Flexibilisierung der Arbeitszeitsysteme.

Eng verknüpft mit der Zielsetzung einer intelligenten Vernetzung sind Automatisierung und Digitalisierung der industriellen Wertschöpfung. Mehr als 70 Prozent der Unternehmen erwarten eine zunehmende Automatisierung der wesentlichen Produktionsprozesse. Für die Ausrüster im Bereich Maschinen- und Anlagenbau werden mit zunehmendem Automatisierungsgrad die Chancen steigen, flexible Automatisierungskonzepte und neue Formen der Maschinennutzung (z.B. Betreibermodelle) zu realisieren.

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