Fertigungstechnik

Industrie 4.0: Update für die Fabrik der Zukunft

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In der Theorie ist der Nutzen von Industrie 4.0 klar

Und der Nutzen von Industrie 4.0? In der Theorie liegen die Vorteile auf der Hand: Produktionsprozesse werden kundennäher und schneller, Anlagen besser ausgelastet und optimal gesteuert. Installation und Inbetriebnahme neuer Maschinen dauern nur noch einen Bruchteil der bisherigen Zeit, Service und Wartung erfolgen vom Schreibtisch aus, die Fertigung kann notwendige Produkt- und Prozessänderungen mit wenigen Klicks realisieren. Diese Entwicklungen, so glauben viele, werden Deutschland weltweit an die Spitze des „digital enterprise“ setzen und die Wettbewerbsfähigkeit des Maschinen- und Anlagenbaus sichern. Auch die Politik glaubt daran: Industrie 4.0 ist ein Zukunftsprojekt der Bundesregierung innerhalb der Hightech-Strategie 2020.

Noch aber ist es nicht so weit. Unternehmen, für die Schlagworte wie Cloud Computing, Plug & Produce oder Embedded Systems noch fremd sind, werden nicht gleich morgen untergehen. Denn der Weg hin zu Industrie 4.0 ist nicht einfach. „Es wird langsam gehen, also evolutionär, nicht revolutionär“, prognostiziert Dieter Wegener von Siemens. Beispielsweise seien Maschinen, die völlig autonom handeln, weit weg von der Realität. Noch fehlen Standards für Prozesse und Sicherheitsfragen, die ersten Gremien dazu haben mit ihrer Arbeit erst begonnen. Und trotz aller schönen Visionen treffen doch zwei verschiedene Denkwelten aufeinander: Der Maschinenbau kennt traditionell lange Innovationszyklen von 20 bis 30 Jahren, die IKT von nur drei bis fünf Jahren. Anlagenbauer vertrauen auf Bewährtes und reale Produkte aus Stahl und Eisen. Softwareentwickler dagegen bewegen sich mit immer schnellerem Tempo in einer virtuellen Welt.

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Zuletzt hängt alles am Mitarbeiter

Geschwindigkeitsbestimmend wird nicht zuletzt der Mitarbeiter im Unternehmen. Denn Industrie 4.0 soll Ingenieure und Facharbeiter nicht überflüssig machen, sondern sich im Gegenteil deren hohe Kompetenz effizient zunutze machen. Allerdings zeigt die Praxis, dass es nicht immer einfach ist, erfahrene Projektingenieure von unsichtbaren Maschinen und virtueller Installation zu überzeugen. Und wer an SPS gewöhnt ist, wird sich mit neuartigen Steuerungshierarchien womöglich schwertun. Dennoch: Die menschenleere Geisterfabrik will heute keiner mehr. „Wir können den Maschinen zwar ein Stück weit das Denken überlassen“, sagt ten Hompel, „sollten aber den Stecker in der Hand behalten.“

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