Suchen

Kommentar

Koch stolpert nicht nur über Energiewende

| Redakteur: Robert Weber

Roland Koch verlässt den Industriedienstleister Bilfinger. Die zweite Gewinnwarnung innerhalb weniger Wochen beschleunigte den Abschied des Vorstandsvorsitzenden. Ausgerechnet eine alte Bekannte könnte indirekt mitverantwortlich sein.

Firma zum Thema

Es war vor allem die Energiesparte des Konzerns, die Koch Sorgen bereitete und die Gewinne schmelzen ließ.
Es war vor allem die Energiesparte des Konzerns, die Koch Sorgen bereitete und die Gewinne schmelzen ließ.
(Bild: Bilfinger )

Es war vor allem die Energiesparte des Konzerns, die Koch Sorgen bereitete und die Gewinne schmelzen ließ. „Das Hauptproblem ist alles, was mit Energie zu tun hat“, fasste der ehemalige hessische Ministerpräsident das Dilemma vor einigen Wochen in der "Welt" zusammen und machte damit auch die Politik indirekt mitverantwortlich für die schlechten Zahlen. Die Bereitschaft von Energiekonzernen zu investieren, sei wegen der Energiewende eingeschränkt, hieß es landauf, landab. Ironie des Schicksals: Angela Merkel, Kochs Gegenspielerin aus den frühen 2000er Jahren um die Führung in der CDU, gilt als Erfinderin der Energiewende. Doch Kochs Baustellen waren vielfältiger.

Ich durfte Roland Koch 2013 auf der Hannover Messe kennenlernen – neues Terrain für den ehemaligen Spitzenpolitiker. Damals schwärmte der Vorstandsvorsitzende von dem Konzern und seiner neuen Strategie, sich als Industriedienstleister zu positionieren. Die millionenschweren Zukäufe seien integriert, freute sich der Vorsitzende und er wolle die Leistungsschau in Hannover als Startschuss für Bilfingers Zukunft verstehen. Auf den traditionsreichen Namen Berger verzichtete das Unternehmen fortan. Mir fiel damals schon auf, dass Koch viele Ideen umtrieben – vielleicht zu viele. Er schwärmte von Industrie 4.0 als Wachstumstreiber für Industriedienstleister, der Energiesparte und dem Kraftwerkservice, Prozessautomatisierung und Stahlbearbeitung wollte er weiter verknüpfen und im Ausland vor allem in Asien, den USA und in Russland wachsen.

Am Ende brachte die Energiesparte das Fass zum überlaufen. Doch Koch hat beim ehemaligen Baukonzern wohl auch zu viele Baustellen aufgemacht. Das Prinzip funktionierte eine Weile, doch vor allem die Gewerkschaften kritisierten immer heftiger den Kurs des Vorsitzenden.

Dieser Beitrag ist urheberrechtlich geschützt. Sie wollen ihn für Ihre Zwecke verwenden? Kontaktieren Sie uns über: support.vogel.de (ID: 42859215)