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Korrekturen am Energiewende-Konzept können 150 Mrd. Euro einsparen

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Für eine kosteneffiziente Energiewende hat Siemens einen Drei-Punkte-Plan erarbeitet. Dessen Eckpfeiler sind ein Umbau des Strommarktes, die Steigerung der Energieeffizienz und eine europäische Koordination der Energiewende.

1. Umbau des Strommarktes

Fünf Maßnahmen zum Umbau des Strommarktes sollen zu mehr Investitionssicherheit und Transparenz im Energiemarkt beitragen. Die ersten beiden Maßnahmen beziehen sich auf eine grundlegende Überarbeitung des EEG. Erneuerbare Energien sollen künftig ohne Subventionen am Markt bestehen. Die Regelungen für Anlagen, die bereits in Betrieb sind, bleiben jedoch unverändert, um Investitions- und Rechtssicherheit zu gewährleisten. Bislang haben Erneuerbare Energien Vorrang bei der Einspeisung ins Netz gegenüber konventionell erzeugter Energie aus GuD- oder Kohlekraftwerken.

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Als erste Maßnahme soll anstelle dieses Einspeisevorrangs eine Einspeiseverantwortung treten. Anbieter von Strom aus Erneuerbaren Energien müssen ihren Strom künftig genauso zuverlässig vermarkten wie andere Stromerzeuger. Um ihre Lieferversprechen einzuhalten, müssen sie sich mit flexiblen Kraftwerken oder auch mit Speichern absichern. So entsteht ein Energiemarkt, bei dem nur die Strommengen abgenommen werden, für die es auch eine Nachfrage gibt.

Die zweite Maßnahme zielt darauf ab, dass die Förderung von Erneuerbaren Energien künftig stärker nach den Regeln des Wettbewerbs und damit kostengünstiger erfolgen soll. Eine Möglichkeit dafür sind Versteigerungen. So erhält beispielsweise derjenige Investor den Zuschlag für den Bau eines neuen Windparks, der die geringste Einspeisevergütung anbieten kann.

Als dritte Maßnahme regt Siemens eine europäische Regelung für die Reduzierung von CO2-Emissionen an, zum Beispiel über eine Stärkung des europäischen CO2-Zertifikatehandels. Außerdem wäre eine Flottenregelung für Kraftwerkparks nach dem Vorbild der Automobilindustrie ein wirkungsvolles Mittel, um den durchschnittlichen CO2-Ausstoß der Versorgungsunternehmen zu beschränken und die CO2-Emissionen weiter zu senken. Energieversorger mit einer Flotte aus veralteten Kraftwerken wären dann gezwungen, ihre CO2-Bilanz Schritt für Schritt zu verbessern. Der Vorteil: Langfristige und verbindliche Emissionsziele und Regeln für den Handel mit CO2-Zertifikaten bis 2030 geben den Kraftwerksbetreiben Spielraum, in die Optimierung ihres Kraftwerkparks und in neue Technologien zu investieren.

Eine vierte Maßnahme bezieht sich auf die Fixkosten des Stromsystems wie zum Beispiel die Netz- oder die EEG-Umlage. Der Siemens-Vorschlag sieht vor, diese künftig nicht mehr über den Strompreis, sondern über eine Fixkosten-Pauschale für die Anschlussleistung an das Stromnetz umzulegen. Damit werden alle Verbraucher, die das Stromnetz nutzen, gleichermaßen auch an dessen Kosten beteiligt – unabhängig davon, ob und wie viel eigenen Strom sie selbst erzeugen oder verbrauchen. Bislang haben zum Beispiel Hausbesitzer mit einer Solaranlage den Vorteil, dass sie nur einen geringen Anteil zum Unterhalt der Stromnetze beitragen, da sie geringere Strommengen aus dem Netz beziehen.

Die fünfte Maßnahme zielt darauf ab, die so genannte Winterreserve für Strom beizubehalten, um ganzjährige Versorgungssicherheit zu gewährleisten – auch dann wenn die Einspeisungen aus Erneuerbaren Energien geringer ausfallen. Die Bundesnetzagentur und die Netzbetreiber legen dazu eine bestimmte Strommenge fest, die als Reservekapazität für Spitzenlasten vorgehalten wird. Mittelfristig muss allerdings die politische Entscheidung getroffen werden, ob Deutschland wie andere Staaten einen Kapazitätsmechanismus einführt, um die Vorhaltung von Kraftwerken zu vergüten.

2. Steigerung der Energieeffizienz

Zu einer erfolgreichen und wirtschaftlichen Energiewende gehört auch das Stromsparen. Mit Anlagen, die weniger Energie verbrauchen, können steigende Strompreise zum Teil aufgefangen werden. Siemens plädiert für eine zügige Umsetzung der europäischen Energieeffizienz-Richtlinie in Deutschland. Denn in Sachen Energieeffizienz sind die Potenziale groß: So können bei Gebäuden mit energieeffizienter Technik Einsparungen bis zu 40 Prozent erzielt werden; bei Elektroantrieben in der Industrie lassen sich Verbräuche um bis zu 70 Prozent reduzieren. Steigerungen der Energieeffizienz setzen jedoch oftmals zunächst Investitionen voraus. Mit intelligenten Finanzierungsmodellen lassen sich Modernisierungen durchführen, ohne dass für den Kunden im Vorfeld Investitionskosten entstehen. Diese Kosten werden stattdessen ausschließlich aus den eingesparten Energiekosten bestritten. Als Ergänzung zu Energieeffizienz-Maßnahmen empfiehlt Siemens eine gezielte Verbrauchssteuerung. Das bedeutet, dass Verbraucher sich beispielsweise zu Spitzenlastzeiten vorübergehend freiwillig vom Netz abschalten und dafür über Sondervergütungen Anreize geschaffen werden.

3. Europäische Koordination der Energiewende

Die Energiewende ist als ein europäisch koordiniertes Projekt zu begreifen und in enger Zusammenarbeit der einzelnen Staaten voranzutreiben. Regionale und nationale Einzellösungen erhöhen die Kosten für alle Länder, die sich mit dem Umbau zu nachhaltigen Energiesystemen beschäftigen. Dass man bei der Ausgestaltung der Energiesysteme viel voneinander lernen kann, zeigt auch eine von Siemens gemeinsam mit der Unternehmensberatung McKinsey durchgeführte Studie. Sie stellt 20 internationale Lösungen entlang der gesamten Energiewertschöpfungskette vor – von der Stromerzeugung über die Verteilung bis zur Steigerung der Energieeffizienz in Gebäuden, der Industrie und dem Verkehr. So sind die USA beispielsweise führend bei der gezielten Steuerung des Stromverbrauchs über temporäre Reduzierung der Stromnachfrage. Dänemark und die Niederlande praktizieren bei der Modernisierung ihrer Energiesysteme erfolgreich die Versteigerung von Windparks.

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