Elektromobilität

Ladestecker und Ladeinfrastruktur – So ist der Stand der Normungsaktivitäten

05.08.2011 | Redakteur: Ines Stotz

Hans Kalthoff, Gesellschafter Walther-Werke: „Die ausgereifteste Lösung im internationalen Bereich ist eindeutig der Typ 2 Stecker, da er in Zusammenarbeit der Steckerindustrie, den Fahrzeugherstellern und den Elektroversorgungsunternehmen entstanden ist.
Hans Kalthoff, Gesellschafter Walther-Werke: „Die ausgereifteste Lösung im internationalen Bereich ist eindeutig der Typ 2 Stecker, da er in Zusammenarbeit der Steckerindustrie, den Fahrzeugherstellern und den Elektroversorgungsunternehmen entstanden ist.

In absehbarer Zukunft werden die in den Haushaltsinstallationen verfügbaren Ladeleistungen also nicht ausreichen?

Deshalb wurde zunächst in Deutschland ein Konzept und ein DKE/VDE-Normentwurf für das Laden für ein- und dreiphasig (von 16 bis 63 A) mit Kommunikation zum E-Fahrzeug entwickelt. Damit können höhere Ladeleistungen in neu aufzubauenden Ladepunkten gezielt und sicher „betankt“ werden. Der Vorschlag wurde in der IEC SC 23H vorgestellt (Stecker Typ 2).

Es gab des Weiteren einen japanischen Vorschlag Stecker Typ 1, der jedoch nur das einphasige Laden für maximal 32 A Laden mit einer Leitung, die fest an die Infrastruktur installiert ist, vorsah. Der italienische Vorschlag Stecker Typ 3 verwendet ursprünglich für jede Stromstärke (16/32 A) und jede Polzahl (ein- und dreiphasig) eine andere physische Steckvorrichtung. Diese wurde später stufenweise erweitert, um mit einem „Einheitsstecker“, der allerdings nicht kompatibel mit dem Stecker Typ 2 ist, auch 32 A und später 63 A laden zu können. Ein Unterschied liegt in einer der normalen Haushaltssteckvorrichtungs-Installationsvorschrift in Frankreich und Italien entnommenen Klausel über die Verwendung einer mechanischen „Kindersicherung“ und einer vereinfachten Kommunikation.

Im Unterschied zur normalen Haushaltssteckvorrichtung, bei der immer Spannung anliegt, wird in einem Ladesystem Spannung und Strom erst eingeschaltet, wenn nach einer Sicherheitsabfrage eine Verriegelung der Steckvorrichtungen erfolgte. Ein absolut sicheres System, dass sehr viel besser ist als eine mechanische „Kindersicherung“ - das Ambiente ist ja auch bedeutend rauer als in einer Wohnstube. Die vereinfachte Kommunikation entspricht nicht den Erfordernissen.

Besteht für Kunden aufgrund der nicht abgeschlossenen Standardisierungsbemühungen derzeit nicht die Gefahr, bei einer Ladesäule eventuell auf ein System zu setzen, dass nicht zukunftsfähig ist?

Das sehe ich nicht so. Natürlich hat jede sich neu entwickelnde Technologie, speziell in der Anfangszeit, einen schnelleren Erneuerungszyklus. Der wird im Bereich der Elektromobilität aber hauptsächlich die Batterie betreffen. Ein Ladepunkt mit Typ 2, dreiphasig sollte selbstverständlich mit mindestens 32 A versorgt werden. Ob allerdings am Anfang die Ladesäulen sehr umfangreich mit teuren Bezahlsystemen versehen werden müssen, kann nur der Errichter oder Betreiber entscheiden. Letzteres trifft auch auf größere Ladeparks zu, da für diese auch Kabelverteiler und weitere Infrastruktur bis hin zu Trafostationen benötigt werden.

Um die Normungsbemühungen an einem Beispiel zu konkretisieren. Im Bereich der Ladesteckvorrichtung beteiligen Sie sich an der Erarbeitung eines europäischen Normungsvorschlags. Im Oktober haben sich Automobilhersteller und Energieversorger bereits auf einen einheitlichen Stecker geeinigt. Wird das jetzt wirklich die internationale Einheitssteckvorrichtung?

Die europäische Kommission hat der CEN/Cenelec ein Mandat gegeben, unter anderem für Europa einen Vorschlag zu machen. Die IEC-Norm 62196 ist eine so genannte Katalognorm. Die entsprechende vorbereitende Arbeitsgruppe, ist diesbezüglich zu keiner Entscheidung gekommen. Ich befürchte, die CEN/Cenelec könnte als Kommission zwar einen Beschluss fassen, letztendlich entschieden wurde das politisch dann wohl nicht. Meiner Meinung nach geht es da eher um die Ehre und nicht um eine bessere technische Lösung. Man darf nicht vergessen, dass in Frankreich und Italien andere Netze nicht unbedingt die gleichen Leistungen verteilen wie in Deutschland, Schweden und anderen Staaten. Auch die Marktbeherrschung der Elektroversorgungsunternehmen und deren staatlicher oder privater Eigentümer spielen bei dieser Entscheidung eine nicht unwichtige Rolle.

Welcher Stecker stellt für Sie die ausgereifteste Lösung im internationalen Bereich dar?

Für mich eindeutig der Typ 2 Stecker, da er in einer Zusammenarbeit der Steckerindustrie, den Fahrzeugherstellern und den Elektroversorgungsunternehmen entstanden ist. Das können die beiden anderen Vorschläge nicht vorweisen und genau das ist auch deren Schwäche.

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