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Unternehmensfinanzierung Liquidität durch unternehmensinterne Maßnahmen nachhaltig verbessern

| Autor / Redakteur: Christian Hidding / Jürgen Schreier

Liquidität ist in vielen Unternehmen ein knappes Gut. Dabei sind nicht nur externe Bedingungen – zum Beispiel ein restriktives Verhalten der Banken – Gründe für die enge Liquidität. Immer wieder verschlechtern interne Handlungen der Unternehmer selbst die Liquidität. Der folgende Beitrag zeigt anhand praxisnaher Beispiele, wie Unternehmen durch interne Maßnahmen die Liquidität verbessern können.

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Mit mangelhafter Investitionsplanung und schlechter Budgetkontrolle wird oft Geld verbrannt. Folge: Die Liquiditätspolster schwinden. Bild: Photodisc
Mit mangelhafter Investitionsplanung und schlechter Budgetkontrolle wird oft Geld verbrannt. Folge: Die Liquiditätspolster schwinden. Bild: Photodisc
( Archiv: Vogel Business Media )

Als liquide wird ein Unternehmen dann bezeichnet, wenn es die Fähigkeit besitzt, fällige Verbindlichkeiten jederzeit uneingeschränkt begleichen zu können. Hiervon sind nach wie vor viele – gerade kleine und mittelständische Unternehmen – weit entfernt. Die Gründe liegen sicherlich nicht in der mangelnden Bereitschaft, die fälligen Rechnungen bezahlen zu wollen. Vielmehr ist es den meisten dieser Unternehmen eher unangenehm, die Verbindlichkeiten nicht begleichen zu können. In aller Regel fehlt einfach das Geld.

Sowohl externe als auch interne Gründe führen immer wieder zur Verknappung der Liquidität. Restriktives Verhalten der Banken, schwer zugängliche Förderprogramme oder alternative Finanzierungsmethoden (Beteiligungskapital, Factoring) sind klassische externe Gründe für die geringe Liquidität. Dabei haben die externen Ursachen das Problem, dass sie sich nur bedingt durch den Unternehmer beeinflussen lassen. Er wird eine Bank nicht zwingen können, weiteres Geld zur Verfügung zu stellen. Auch lassen sich die Förderprogramme und alternativen Finanzierungsmethoden nicht immer so leicht erschließen, wie oft suggeriert wird. Hier sind die Prüfungsmechanismen ähnlich „scharf“ wie bei anderen Kapitalgebern.

Managementfehler haben weitreichende Konsequenzen für die Liquidität

Die internen Gründe, die zur Verknappung der Liquidität führen, haben den Vorteil, dass diese aktiv durch den Unternehmer beeinflusst werden können. Nur er entscheidet, ob sich die Liquidität im positiven oder negativen Sinne verändert. Dabei gibt es viele Möglichkeiten, die oft von Unternehmern nicht erkannt und somit nicht ausgenutzt werden. Diese Managementfehler haben zum Teil weitreichende Konsequenzen.

Eine Untersuchung der Creditreform hat ergeben, dass mehr als 70% der Unternehmensinsolvenzen im Jahr 2004 durch Managementfehler verursacht wurden. Ob nun bewusst oder unbewusst, hier ist sicherlich Verbesserungspotenzial vorhanden. Im Folgenden wird auf einige immer wieder festzustellende interne Handlungen, die zur Verknappung der Liquidität führen, eingegangen und Lösungsansätze aufgezeigt, wie diese verbessert werden können.

Der Kapitaldienst ist nicht homogen

Ein „Sammelsurium“ von Darlehen mit unterschiedlichsten Konditionen führt häufig dazu, dass der genaue Überblick fehlt und die Kapitaldienstfähigkeit der Unternehmung nicht gegeben ist. Ergebnis sind dann Kontoüberziehungen und daraus resultierende Irritationen bei der Bank. Dabei ist die Unternehmung in aller Regel in der Lage, einen gewissen Kapitaldienst zu leisten. Genau dieser muss durch eine detaillierte Planung ermittelt und der Kapitaldienst entsprechend angepasst werden. Dieses Vorgehen wird im Normalfall durch die Banken unterstützt, da diese anhand der Planungsunterlagen erkennen können, dass die Umstellung zwingend notwendig ist, und nicht an Überziehungen interessiert sind.

Steuernachzahlungen – eine bitterböse Überraschung

Viele Unternehmen werden durch Steuernachzahlungen bitterböse überrascht. Oder aber zu hohe Vorauszahlungen belasten die laufende Liquidität. Durch Bildung von Rücklagen oder Anpassung der Vorauszahlungen lassen sich diese Probleme leicht beheben. In solchen Fällen kann der Steuerberater durch eine Steuerschätzung dem Unternehmer helfen, die Rücklagen zu planen oder die Anpassung der Vorauszahlungen einzuleiten.

Wachstum führt immer wieder zu Liquiditätsengpässen. Steigende Umsätze morgen bedeuten Liquiditätsbedarf heute. Der Vorfinanzierungsaspekt des mit dem Wachstum oft einhergehenden steigenden Vorrats- und Forderungsvermögens, wird häufig unterschätzt. Durch Anzahlungen oder Auftragsvorfinanzierungskonten kann hier in aller Regel Abhilfe geschaffen werden.

Oft geht mit dem Rückgang des Umsatzes eine Rentabilitätskrise einher. Da aber in aller Regel der Vorrats- und Forderungsbestand abgebaut und somit Liquidität freigesetzt werden, ist die Liquidität trotz schlechter Rentabilität nicht sofort knapp. Wird die frei werdende Liquidität jedoch nicht konsequent dazu genutzt, die Rentabilität zu verbessern, entsteht aus der Rentabilitätskrise von heute die Liquiditätskrise von morgen. Und ist die Liquiditätskrise einmal eingetreten, ist es sehr schwer, weiteres „frisches“ Geld zur Reorganisation der Unternehmung bei externen Kapitalgebern zu generieren. Im Getenteil: Oft fordern Banken die Rückführung der Kontokorrentlinie, da nicht mehr so viel Geld für Vorräte und Forderungen benötigt wird.

Investitionsbudgets werden häufig überzogen

Eine nachhaltige Investitionsplanung findet häufig nicht statt. Investitionsgrundsätze, -budgets und -planungen werden vernachlässigt. Eine Amortisation der einzelnen Investition wurde somit nicht überprüft und geschieht aus der operativen Liquidität und dem Unternehmerbauch heraus. Durch Einrichtung von Investitionsbudgets, Erstellung von Amortisationsrechnungen und einer grundsätzlichen Investitionsplanung können Liquiditätsengpässe vermieden werden.

Systematisches Forderungsmanagement verbessert Liquiditätssituation

Viel Liquidität ist oft in Vorräten gebunden. Günstige Einkaufskonditionen, gekoppelt an größere Bestellmengen, können schnell zu einem überhöhten und sukzessive veralteten Warenbestand führen. Die Einrichtung eines Warenwirtschaftssystems mit Maximalbeständen und Mindestumschlagszahlen je Artikel und der geregelte Sonderverkauf von „älteren“ Vorräten können Liquidität schaffen.

Genau wie bei den Vorräten ist auch der Forderungsbestand nicht selten überhöht und alt. Grundsätzlich trägt sicherlich die schlechte Zahlungsmoral zu einem überhöhten Forderungsbestand bei. Aber häufig fehlt auch ein straffes Mahnwesen. Dieses gipfelt dann darin, dass Kunden mit überfälligen Verpflichtungen dennoch neue Ware bekommen.

Durch zeitnahe Rechnungsstellung, straffes Mahnwesen, Einzugsermächtigungen, Bankbürgschaften seitens der Kunden, dem Einrichten eines Kreditrahmens je Kunde und der Vergabe von Sonderkonditionen bei zeitnaher Zahlung kann das Forderungsmanagement verbessert werden. Auch die Überprüfung des Kunden durch Creditreform- oder Bankauskünfte verbessert das Forderungsmanagement und somit die Liquidität.

Oft können die Konditionen im Einkauf weiter verbessert werden. Durch Zielvereinbarungen und/oder erfolgsabhängige Vergütungen mit den verantwortlichen Einkäufern kann die Motivation gesteigert werden. Daraus können dann Preisnachlässe, Streckung der Zahlungsziele oder andere liquiditätsverbessernde Maßnahmen resultieren.

Durch richtiges Kalkulieren zu mehr Rendite

Bei vielen Kalkulationen ist oft der Unternehmerbauch eine der entscheidenden Grundlagen. Rentabilitäts- und Liquiditätseffekte der einzelnen Aufträge können oft nicht nachgehalten werden. Die Einführung einer individuellen Kalkulation mit konkreten Grenzwerten (kurzfristige und langfristige Preisuntergrenze) sowie einer nachhaltigen Vor- und Nachkalkulation versetzten die Unternehmung in die Lage, die Rentabilität und Liquidität eines jeden Auftrags exakt messen zu können.

Dipl.-Betriebswirt Christian Hidding ist Geschäftsführer der Gesellschaft für praxisorientierte Mittelstandsberatung mbH

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