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Rechenzentren Mach‘ den Kühlschrank zu!

| Redakteur: Carina Schipper

Server in Rechenzentren mögen's kalt. IT-Manager müssen die Temperatur niedrig halten. Das verschlingt viel Strom und Geld. IDC Research und Rittal zeigen in einer Studie, wie sich Energieeffizienz in Rechenzentren umsetzen lässt.

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(Bild: Rittal)

Um Frank Stubbes Arbeitsplatz beneiden ihn im Sommer viele. Denn wenn die Sonne strahlt und die Luft in den Räumen steht, dann entflieht der IT-Manager immer wieder der Bürohitze in sein 15 Grad-Rechenzentrum. Doch die kurze Abkühlung könnte bald der Vergangenheit angehören. Eine Studie von IDC und Rittal mit 500 befragten IT-Managern empfiehlt den Unternehmen, nicht länger die gesamte Raumtemperatur eines Rechenzentrums niedrig zu halten. Ihr Vorschlag: die gezielte Kühlung einzelner Racks oder kleiner Teilbereiche. Der direkte Ansatz an den Hot-Spots sei effizienter und spare deutlich Energie, heißt es in der Studie. Das senkt den Gesamtstromverbrauch, der angesichts der steigenden Preise für Industriestrom, ein wichtiger Faktor für Unternehmen ist, sind sich die Analysten sicher. Denn die Kosten für industriell genutzten Strom sind nach Eurostat-Daten vom Mai 2014 im Zeitraum von 2003 bis 2013 zwischen 20 und mehr als 100 Prozent gestiegen. Heinz Müller kennt die Diskussion und die Zahlen. Besonders erschreckend aus seiner Sicht: Bei 211 befragten Unternehmen siedelt sich der PUE-Wert (Power Usage Efficiency) bei 2,4 an. Er setzt sich aus dem Basiswert von einer kWh für die Serveranlage an sich und dem zusätzlichen Strombedarf für beispielsweise Kühlung oder Beleuchtung zusammen. Nach der IDC-Studie kommt bei den untersuchten Rechenzentren also pro kWh Strom, die die IT-Geräte benötigen, zusätzlich ein Mehrverbrauch hinzu, der fast anderthalb mal so hoch ist, wie der eigentliche Grundbedarf.

Gezielt kühlen ist effektiv und braucht wenig Energie

Ein Schock für Frank Stubbe und sein Team. Die IDC-Autoren zeigen allerdings mehrere Lösungsmöglichkeiten zur Energieeffizienzverbesserung im Rechenzentrum auf. Ein Weg kann die Neuzusammenstellung oder Umrüstung bestehender Anlagen sein. Ein anderer sind erweiterte Managementsysteme, Server mit Niedrigstromkernen oder modulare Konzepte, schlagen sie vor. Ein Beispiel für die modulare Lösung könnte das Kühlkonzept LCP Hybrid von Rittal sein Dem LCP-System liegt ein großflächiger Hochleistungs-Luft/Wasser-Wärmetauscher zu Grunde. Bei einer Gesamtleistung von bis zu 20 kW pro Rack, arbeitet das Gerät mit indirekter Freikühlung. Der Wärmetauscher senkt die Temperatur an heißen Stellen und kommt dabei ohne zusätzliche Energie aus. Die Lüfter des Servers schleusen die Warmluft über Leitbleche selbstständig in den Wärmetauscher. Dieser leitet die abgekühlte Luft wieder ins Rechenzentrum zurück. Hohe Vorlauftemperaturen gestatten eine fast ganzjährige Nutzung der indirekten Freikühlung, Chiller schalten sich erst bei hohen Außentemperaturen ein, so Rittal.

Gleiche Temperaturen nutzen die Kühlfläche voll aus

Mit der neu entwickelten Heatpipe ist es dem hessischen Unternehmen gelungen die Kühlfläche des Wärmetauschers ausgeglichen einzusetzen. Das Gefälle der Verlustleistung innerhalb eines Racks ist horizontal gesehen oft sehr unterschiedlich und steil. Während sich IT-Komponenten mit kleiner Verlustleistung oft im oberen Teil des Aufbaus befinden, nehmen dagegen solche mit großer Verlustleistung den unteren Raum ein. Das führt zu einer asymmetrischen Inanspruchnahme des Wärmetauschers. Rittal verspricht, die Heatpipe kompensiere dieses Ungleichgewicht und ermögliche eine komplette Auslastung der Komponente. LCP Hybrid ist durch eine passive Rücktür an den Serverschrank angeschlossen und bedient laut Hersteller Rechenzentren mit einer Wärmeleistung von 10 kW/20 KW, wie sie beispielsweise bei Supercomputern in Universitäten oder in der Automobilindustrie vorkommen.

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