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DDR-Windpionier Marke Eigenbau: erste Windkraftanlage der DDR bei Güstrow

| Redakteur: M.A. Bernhard Richter

Windräder, die Strom erzeugen, sind heute nichts Besonderes mehr. Vor 25 Jahren aber war eine Windkraftanlage ein absolutes Novum, gerade in der DDR. Damals gab es nur ein paar Pioniere die von der Technik überzeugt waren.

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Im September 1989 wurde das Windrad errichtet. In der DDR.
Im September 1989 wurde das Windrad errichtet. In der DDR.
(Bild: Wemag/Luther)

Einer der DDR-Windpioniere war der Güstrower Herbert Luther. Der Ingenieur konstruierte 1988 in seiner Freizeit ein 15 m hohes Windrad und stellte es im Garten seines Wochenendhauses auf. Das Herz der Anlage war ein 6 kW starker Bremsgetriebemotor – als Stromerzeuger. Heutige Windräder sind bis zu 500 Mal leistungsfähiger. „Damals hat die Anlage auch nur ein paar tausend Mark gekostet. Dafür hab‘ ich aber viel Arbeitszeit reingesteckt,“ berichtet Luther dem Wemablog des Energievesorgers Wemag mit Sitz in Schwerin.

Der komplette Aufbau war selbstkonstruiert und fast vollständig in Handarbeit gefertigt. Den Gittermast schweißte der Architekt im Garten, die Rotorblätter waren Marke Eigenbau. Der Hobby-Segelflieger nutzte dazu seine Kenntnisse der Aerodynamik, um den Flügeln die richtige Form zu geben. Allein für jedes der drei Rotorblätter brauchte er 200 Arbeitsstunden. Auch die Einspeiseelektronik war mit Hilfe von Kollegen aus der Güstrower Zuckerfabrik selbstgebaut. Sie verkauften ihm Technik, die sonst nicht auf dem knappen Markt zu kriegen gewesen wäre.

Im September 1989 stellte Luther sein Windrad in der Nähe von Goldberg auf, wenige Tage bevor ein dänisches Windrad bei Wustrow errichtet wurde. Für den Güstrower ging es übrigens nicht darum, sich selbst mit Strom zu versorgen, für ihn war es ein Test. „Wichtig war mir nachzuweisen, dass es geht und zu zeigen, dass Strom aus Wind keine Utopie ist“, erklärt der heute 79-Jährige stolz. “Naja, ein bißchen weiter weg vom Waldrand hätte sie sicher noch mehr Strom erzeugt. Aber die Anlage war ja nur zur Testzwecken gedacht.” Ein Jahr lang ließ Luther die Anlage laufen, dann kam die Deutsche Einheit und mit ihr viele neue Gesetze. Heute ist die Windmühle im technischen Landesmuseum eingelagert und wartet auf den Wiederaufbau. Sie soll die Pionierleistung zeigen und dass nicht alles in Mecklenburg 50 Jahre länger dauert. (br)

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