Interview: Apps für die Industrie Maßgeschneiderte Apps für Sensor entwickeln

Autor: Sariana Kunze

In den letzten Jahren hat der Trend zur Individualisierung im Maschinen- und Anlagenbau zugenommen. Dieser Entwicklung trägt der Sensorhersteller Sick mit der offenen Plattform Sick Appspace Rechnung. Sie bietet System- und OEM-Integratoren die Möglichkeit programmierbare Sensoren zu entwickeln. In einem Interview haben wir uns mit Timo Mennle, Produktmanager Sick Appspace, über die Besonderheiten und die Weiterentwicklung der Plattform unterhalten.

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Sick bietet mit der offenen Plattform Sick Appspace System- und OEM-Integratoren die Möglichkeit programmierbare Sensoren zu entwickeln.
Sick bietet mit der offenen Plattform Sick Appspace System- und OEM-Integratoren die Möglichkeit programmierbare Sensoren zu entwickeln.
(Bild: Sick)

Herr Mennle, wofür ist das Eco-System Sick Appspace gut?

Timo Mennle ist Produktmanager Sick Appspace bei dem Sensorhersteller Sick. Er hat uns im Interview die Besonderheiten und Weiterentwicklung der Plattform verraten.
Timo Mennle ist Produktmanager Sick Appspace bei dem Sensorhersteller Sick. Er hat uns im Interview die Besonderheiten und Weiterentwicklung der Plattform verraten.
(Bild: Sick)

Mit dem Sick Appspace ermöglichen wir einen Freiraum für Lösungen und Ideen. Bisher sind Sensoren insofern schon konfigurierbar, indem man über Parameter Geräte auf spezifische Applikationen justiert. Die Erfahrungen der letzten Jahre haben jedoch einen ausgeprägten Trend hin zur Individualisierung im Maschinen- wie Anlagenbau gezeigt. Diese Entwicklung beantworten wir mit dem Sick Appspace – einer offenen Plattform, die System- und OEM-Integratoren Raum und Flexibilität bietet, ihre spezifischen Aufgabenstellungen mit programmierbaren Sensoren von Sick passgenau zu entwickeln. Grundsätzlich vereint Sick Appspace Soft- und Hardware und besteht einerseits aus den programmierbaren Sick-Sensoren – die Software sitzt direkt in den Sensoren und gibt Informationen weiter – und andererseits aus dem Sick Appstudio, in dem Applikationen entwickelt werden können. Zusammen ermöglichen es die Software Appstudio und die programmierbaren Geräte Daten für Cloud-Services im Kontext von Industrie 4.0 zu erzeugen. Auf diese Weise können Integratoren auf die individuellen Produktionswünsche ihrer Kunden maßgeschneidert reagieren.

Muss man für die Programmierung ein App-Spezialist sein?

Nein, überhaupt nicht. In den programmierbaren Sensoren haben wir eine API-Struktur, über die die Funktionalitäten des Sensors nur noch aktiviert werden müssen. Für manche Applikationen lassen sich die Funktionsblöcke auch in einem grafischen Interface zu Flows zusammensetzen, ohne dass eine einzige Zeile Code geschrieben werden muss. Darüber haben wir eine Sandbox gelegt, in der die Apps entwickelt werden. Die Programmiersprache ist das weit verbreitete Lua-Scripting. Diese Sprache ist auch für Programmierer von C++ innerhalb eines Tages autodidaktisch erlernbar.

Welche Lösungen konnten schon realisiert werden?

Sick bietet mit der offenen Plattform Sick Appspace System- und OEM-Integratoren die Möglichkeit programmierbare Sensoren zu entwickeln.
Sick bietet mit der offenen Plattform Sick Appspace System- und OEM-Integratoren die Möglichkeit programmierbare Sensoren zu entwickeln.
(Bild: Sick)

Mit unserer programmierbaren Kamera InspectorP werden Bedien-Armaturen getestet. Ein Roboterarm testet mit einem „Finger“ das Bedien-Interface von Haushaltsgeräten. Dazu war früher ein PC und eine Kamera notwendig, mittlerweile läuft die Bildverarbeitung auf dem InspectorP als App. Dieser steuert wiederum den Roboterarm. Eine weitere Anwendung mit der Kamera InspectorP und der Sensor Integration Machine SIM4000 ist in der Holzverarbeitung zu finden. Hierbei werden Holzplatten ausgemessen, wofür es bereits eine App-basierte Lösung gibt. Dabei kommen mehrere InspectorP zum Einsatz und in Zukunft kann mit der SIM4000 bei gleicher Leistung eine kostengünstigere Variante angeboten werden.

Besteht durch die programmierbaren Sensoren ein größeres Sicherheitsrisiko? Was tun Sie in Sachen Security?

Sicherheit wird im Sick Appspace großgeschrieben. Die Apps laufen in einer Sandbox, ein virtueller, isolierter Bereich. Softwareseitig können sie dadurch auf dem Sensor keinen Schaden anrichten. Das Betriebssystem, die Bibliotheken und grundlegende Funktionen sind unterhalb einer red line in der abgeschirmten Appengine implementiert. Darüber hinaus gibt es ein umfangreiches Rechtemanagement im Appspace. Die Programmierer entscheiden selbst, wer ihre Apps verwenden kann und wer daran Änderungen vornehmen darf.

Sie haben mit Sick Appspace eine Community ins Leben gerufen. Was ist das Ziel dieser Community? Und: Wie tauschen sich die Mitglieder aus?

Ziel der Sick Appspace Community ist es einerseits, die Nutzer miteinander zu vernetzen. Andererseits bietet sie den Nutzern die Möglichkeit, sich in der Weiterentwicklung einzubringen und das Eco-System selbst mitzugestalten. Jährlich laden wir alle Mitglieder der Community zur Developers Conference ein. Dort gibt es Produktdemos und Showcases auf Marktplätzen, Vorträge und eigene Möglichkeiten, das Eco-System mitzugestalten in sogenannten Bar Camps. Über das Sick Support-Portal gibt es ein Ticket-System, durch das schneller Rat von Spezialisten eingeholt werden kann sowie ein Forum zum freien Erfahrungsaustausch.

Wer zählt bereits zu dem „Developers Club“?

Die Mehrheit der Nutzer von Appspace sind Systemintegratoren. Dazu zählen Generalisten, aber auch Spezialisten aus den Bereichen Automotive, Logistik, Intralogistik, Packaging und Robotics.

Wer kann alles den Sick Appspace nutzen?

Die Sick-Software Appmanager ist frei verfügbar. Mit ihr können Apps auf programmierbaren Sensoren installiert und ausgetauscht werden. Es können auch Backups von Apps oder ganzen Sensorkonfigurationen angelegt werden. Zudem ist es möglich, Sensoren zu klonen. Wer selbst Apps entwickeln möchte, benötigt eine Lizenz für die Entwicklungsumgebung Appstudio. Die Lizenz ist Teil der Mitgliedschaft in der Community mit einem Jahresbeitrag von 3.000,- Euro. Darin ist der Zugriff auf das Support-Portal und die Teilnahme an der Developers Conference enthalten.

Arbeiten Sie an einer Weiterentwicklung des Sick Appspaces?

Nach den bisherigen guten Erfahrungen und dem positiven Feedback unserer Kunden treiben wir die Entwicklung des Appspaces weiter voran. Das passiert in mehreren Bereichen. Wir werden mehr programmierbare Sensoren bereitstellen, um die Vorzüge des Eco-Systems für mehr Applikationen verfügbar zu machen. Gleichzeitig treiben wir das Thema Cloud-Anbindung mit Hochdruck voran: Wir wollen Apps über einen sogenannten App-Pool verfügbar machen und verteilen.

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Über den Autor

 Sariana Kunze

Sariana Kunze

Fachredakteurin Automatisierung, Vogel Commnications Group GmbH & Co. KG