Endress+Hauser Messtechnik-Spezialist macht 177 Mio. Euro Gewinn

Redakteur: Sariana Kunze

Endress+Hauser hat das Jahr 2011 weit über den Erwartungen abgeschlossen. Ein überraschend starker Geschäftsverlauf sorgte für neue Bestmarken bei Umsatz, Beschäftigung und Gewinn. Für das laufende Jahr erwartet die weltweit in der Prozessmesstechnik tätige Firmengruppe mit Sitz in Reinach (Schweiz) solides Wachstum.

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(Endress+Hauser)

Firmenchef Klaus Endress machte bei der Präsentation der Bilanz in Basel kein Geheimnis daraus, dass er eine so gute Entwicklung nicht erwartet hatte. Die Staatsschuldenkrise in Europa und die daraus resultierenden Währungsturbulenzen, aber auch die Naturkatastrophen in Asien mit Engpässen bei elektronischen Bauteilen hätten die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gefordert. „Dennoch konnten wir gut abgestützt über Regionen und Branchen wachsen.“

Endress+Hauser steigerte den Umsatz um 16 Prozent auf 1,5 Mrd. Euro. Amerika zeigte noch größere Dynamik als Asien, doch auch in Europa wuchsen die Verkäufe zweistellig. Hinter den Erwartungen zurück blieben lediglich Afrika und der Nahe Osten; eine Folge der politischen Unruhen im arabischen und nordafrikanischen Raum.

Die höchsten Zuwächse kommen aus der Öl- und Gasindustrie

Michael Ziesemer, Stellvertreter des CEO und verantwortlich für den Vertrieb, sieht hinter den erfolgreichen Geschäftszahlen „starke Treiber“ – globale Megatrends wie die Nachfrage nach Energie und Ressourcen oder die Notwendigkeit von Energieeffizienz und Umweltschutz. Wichtige, für die Zukunft zentrale Fragen ließen sich nur mit Hilfe der Messtechnik lösen.

Die höchsten Zuwächse erzielte Endress+Hauser in der Öl- und Gasindustrie. Der Rahmenvertrag mit dem Energiekonzern Shell zeigt, dass sich das Unternehmen als Lieferant in der Branche etabliert hat. Stark entwickelten sich die Verkäufe in der chemischen Industrie, gefolgt von der Kraftwerkstechnik, der Lebensmittelbranche, der Grundstoffindustrie, den Life Sciences sowie dem Wasser- und Abwassersektor.

Wachstum schafft neue Stellen in Europa

Mit dem kräftigen Umsatzwachstum ging ein starker Beschäftigungsaufbau einher. 9.414 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zählte die Firmengruppe Ende 2011, 820 mehr als vor Jahresfrist (plus zehn Prozent). 474 dieser Stellen wurden in Europa geschaffen, davon 297 in der deutsch-französisch-schweizerischen Region um Basel, in der die beiden größten Produktionsstätten, mehrere Gruppengesellschaften sowie die Holding angesiedelt sind.

Die gute Auslastung der Werke schlug sich in hoher Produktivität nieder. Das Betriebsergebnis stieg um 32 Prozent auf 247 Mio. Euro, das Ergebnis vor Steuern sogar um 46 Prozent auf 243 Mio. Euro. Starke Wechselkursschwankungen prägten das Jahr. Zwar gab der Euro gegenüber dem Schweizer Franken im Schnitt um 10 Prozent nach. Zum Stichtag am Jahres¬ende aber lag der Kurs nur 2,5 Prozent niedriger als ein Jahr zuvor – die Auswirkungen auf das Finanzergebnis waren im Unterschied zu 2010 deshalb gering.

Das Ergebnis nach Steuern erreichte 177 Mio. Euro (plus 40 Prozent), ebenfalls ein neuer Bestwert. Endress+Hauser stehe finanziell auf festen Füßen, betonte Chief Financial Officer Dr. Luc Schult¬heiss. Der 50-Jährige löste Ende 2011 den langjährigen Finanzchef Fernando Fuenzalida (69) ab, der künftig den Verwaltungsrat verstärken wird. Die Eigenkapitalquote erreicht inzwischen fast 70 Prozent. Endress+Hauser verfügt über 443 Mio. Euro an flüssigen Mitteln, denen gerade einmal 40 Mio. Euro Bankschulden gegenüberstehen.

Firmengruppe investiert und akquiriert

Nach zwei Jahren der Zurückhaltung steigerte die Firmengruppe die Investitionen um 49 Pro¬zent auf 85 Mio. Euro. Vor allem die Produktionskapazitäten wurden erweitert, so in Maulburg, Gerlingen und Waldheim (Deutschland), Greenwood (Indiana, USA) und Cernay (Frankreich). Der niederländische Vertrieb bezog in Naarden ein neues Gebäude. In Saudi-Arabien gründete Endress+Hauser eine Vertriebsgesellschaft, in Vietnam ein Vertretungsbüro.

Die gute Kapitalausstattung ermöglichte der Firmengruppe zwei strategische Zukäufe. So erwarb Endress+Hauser eine Minderheitsbeteiligung an Finesse Solutions. Das US-Unternehmen ist auf Einweg-Lösungen für biotechnologische Fertigungsprozesse spezialisiert. Klaus Endress sieht hierin eine „Schlüsseltechnologie“ für viele Zweige der Verfahrenstechnik. Zukunftsträchtig ist dem Firmenchef zufolge auch der Kauf von Systemplan im deutschen Durmersheim. Das Ingenieurbüro berät Unternehmen in Fragen der Energieeffizienz und rundet das entsprechende Angebot von Endress+Hauser an Messtechnik, Software und Ingenieurleistungen ab.

Zuversicht trotz Unsicherheiten

Für das laufende Jahr hat sich Endress+Hauser ein Umsatzwachstum von elf Prozent zum Ziel gesetzt. Derzeit liege man noch etwas unter Budget, berichtete Klaus Endress; vor allem China erfülle bislang nicht die Erwartungen. „Aber unsere Zahlen sind solide. Von Rezession oder gar Krise kann keine Rede sein.“ Allerdings bestünden weiterhin große Unsicherheiten, so der Firmenchef, etwa durch die Schuldenkrise und die Spannungen in der Eurozone.

140 Mio. Euro will Endress+Hauser im laufenden Jahr investieren, vor allem in Produktionsanlagen. Gestärkt werden Standorte in Deutschland, Frankreich und der Schweiz, aber auch in den USA, China sowie Brasilien, wo eine neue Fertigungsstätte für Durchfluss-, Füllstand- und Druckmesstechnik entsteht. Weltweit sollen rund 700 Stellen geschaffen werden. Zum Jahresende wird Endress+Hauser wohl die Marke von 10.000 Beschäftigten überschreiten.

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