Schweizer Plug-in-Hybrid Mit scheibenbasiertem I/O-System immer in der Idealspur

Redakteur: Wolfgang Leppert

Mobil und emissionsfrei durch den Alltag — das verspricht ein Plug-in-Hybrid von Swisscleandrive. Herzstück des umgebauten Fiat 500 ist das X20-System von B&R. Es koordiniert die drei möglichen Antriebskonzepte des Kleinwagens und garantiert so nachhaltiges Fahrvergnügen.

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Sparwunder Plug-in-Hybrid von Swisscleandrive: Im Hybridmodus begnügt er sich mit gerade mal zwei Litern Benzin auf 100 Kilometer
Sparwunder Plug-in-Hybrid von Swisscleandrive: Im Hybridmodus begnügt er sich mit gerade mal zwei Litern Benzin auf 100 Kilometer
( Archiv: Vogel Business Media )

Die Probefahrt mit Geschäftsleiter Martin Bolliger von Swisscleandrive macht eines deutlich: Für einen Banküberfall taugt der Prototyp nicht! Es sei denn, der Fahrer wartet mit laufendem Motor — denn die Startzeit würde den Gangstern unweigerlich die Schweißperlen auf die Stirn treiben. Doch ansonsten hat der weiß-grün lackierte Cinquecento durchaus das Potenzial zum Fluchtwagen: Er ist kompakt, wendig und spritzig und schafft im Hybridmodus spielend 700 Kilometer. Mit seinem Plug-in-Hybrid adressiert Martin Bolliger beispielsweise junge Familien oder ebenso Unternehmen, die einen „grünen“ Fuhrpark aufbauen wollen. Weil aber auch die nicht unbedingt die Geduld mitbringen, jede Fahrt zunächst mit einer Gedenkminute zu beginnen, arbeitet Swisscleandrive an einem Konzept, um den Start deutlich zu beschleunigen. In den Serienmodellen soll der Kleinwagen damit in weniger als zwei Sekunden parat sein.

Trotz dieser Wartezeit nutzt Bollinger ein scheibenbasiertes I/O-System. Denn diese Steuerung garantiert durch ihre Handhabung und Programmierung die für den Prototypenbau benötige Flexibilität. Im Plug-in-Hybrid zum Beispiel sorgt sie dafür, dass sich dieser immer im idealen Lastbereich bewegt. Dies erreicht das X20-System durch ein geschicktes Hinzu- oder Abschalten von Verbrennungs- und Elektromotor oder eine Kombination dieser Antriebsarten. Was dabei genau passiert, verdeutlicht ein Wochenendausflug von Zürich an den Comer See. Damit es das Gotthardmassiv hinauf keine Staumeldungen im Radio gibt oder die Kolben vor Überanstrengung aus dem Zylinder hüpfen, bringt der Elektromotor 40 zusätzliche PS auf die Hinterachse. Nach der Röhre gibt es für die ermüdeten Batterien talwärts dann eine Frischzellen-Kur — die ausgelutschten Batterien werden aufgeladen. In Como gehen sie abschließend zum kompletten Refill an die Steckdose.

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Dieses Beispiel ist zwar anschaulich, bildet aber die dahinter steckende Komplexität nicht wirklich ab. Martin Bolliger: „Die Entwicklung und der Bau der Steuerungsbox haben das Projekt um gut zwei Monate verzögert.“ Und nicht etwa, weil das X20-System Probleme bereitet hätte, sondern weil zuerst der richtige Mann für die komplexe Aufgabe gefunden werden musste. Erst durch den Kontakt mit Walter Moser, einem Elektroingenieur, wurden die Wagenbauer darauf aufmerksam. „Moser hatte schon öfters mit Produkten von B&R gearbeitet, und anhand seiner Fragen war mir sofort klar, dass er die Steuerungsbox zum Laufen bringt“, erinnert sich Martin Bolliger. Zuvor waren ein Informatiker und ein Automobilingenieur gescheitert.

Die Steuerungslösung schafft neue Vermarktungsansätze

Da sich die Steuerung problemlos auf andere Fahrzeuge adaptieren lässt, eröffnen sich Swisscleandrive vollkommen neue Vermarktungsansätze. Findet ein potenzieller Käufer nämlich Interesse an der Technik, hätte diese aber lieber etwa in einem Seat oder VW, muss lediglich die Mechanik angepasst werden. Fans des Fiat Panda haben es noch besser: Dieser basiert auf derselben Plattform wie der Cinquecento, weshalb Anpassungen von vornherein entfallen. Doch vorerst müssen sich Interessenten mit dem Fiat 500 begnügen. „Eine Ausweitung auf andere Marken ist geplant, hat aber im Moment nicht Priorität“, erklärt Bolliger. Vielmehr gehe es nun darum, die notwendigen Maßnahmen für einen Produktionsbeginn zum Jahresende einzuleiten. Die ersten Bestellungen liegen vor, zudem stehen auf der Warteliste mehrere große Flottenkunden. Ab 2011 sollen dann jährlich in der Schweiz mehrere Dutzend bis mehrere Hundert Fiats zu Plug-in-Hybriden umgerüstet werden. Wie lange diese Veredelung hier stattfindet, weiß der Geschäftsleiter nicht. Sein Ziel ist es nämlich, die umweltfreundliche Version im Fahrzeug-Konfigurator anzubieten. So wäre der Wagen bereits ab Werk umgebaut erhältlich.

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