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„Für diese Konstellation gibt es keine Standardlösung, die Schnittstelle zu SAP musste daher von uns selbst programmiert werden“, erläutert Holger Hobus. „Auch hier war deshalb die freie Programmierbarkeit von Aprol gefragt — und die Umsetzung war sogar einfacher, als wir uns das vorab vorgestellt hatten.“ Die Übergabe der Daten von SAP an die Anlagensteuerung bzw. das Leitsystem erfolgt im XML-Format. „Aprol hat als LINUX-System gegenüber Windows-basierten Systemen bei XML die Nase vorne“, stellt Hobus klar.
Die Anlagenplaner profitierten zudem von der breiten Palette an Hard- und Software, die B&R als großer Automatisierungstechnik-Hersteller aus einer Hand anbietet. „Mit dem B&R-Steuerungssystem und dem Industrierechner APC620 steht eine durchgängige und leistungsfähige Plattform für das Leitsystem zur Verfügung“, stellt Holger Hobus fest. Der Industrierechner dient dabei als Operator-Station und fungiert zugleich als Master für die Steuerung einer Dispergiermaschine. Diese fahrbare Pumpe wird verwendet, um die wechselnden Rezeptkomponenten und insbesondere die pulverförmigen Zutaten in die Rührbehälter einzubringen — diese werden nicht wie Wasser oder einige Alkohole über ein fest verlegtes Rohrsystem zugeführt.
Mobile Bedienstation im Ex-Bereich erleichtert schnelle Produktwechsel
Da der Anlagenbediener speziell bei der Nutzung der Dispergiermaschine immer wieder Hand anlegen und etwa Schlauchverbindungen herstellen und trennen muss, wurde in die Pumpeneinhausung eine Ex-Tastatur mit eingeschleiftem Scanner, ein Ex-Touchpad und ein entsprechender Monitor integriert. Sie bilden zusammen mit dem APC eine mobile Bedienstation für die gesamte Anlage. „Der Bediener kann so vom Leitsystem vor Ort durch den Prozess geführt werden. In Verbindung mit dem Scanner reduziert dies mögliche Fehler beim Befüllen, Betreiben und Entleeren des Rührbehälters“, stellt Steffen Brühmann fest. „Zugleich sind Produktwechsel schnell und sicher möglich“ — bei Czewo durch die große Bandbreite an Kunden und Produkten ganz besonders wichtig. Parallel kann die Bedienung der Anlage auch über den Leitwartenrechner erfolgen, der zugleich als Engineering-Station genutzt wird. „Auch dies ein klarer Vorteil der B&R-Lösung, da die Kosten für den sonst üblicherweise erforderlichen separaten Engineering-Rechner entfallen“, bilanziert Dieter Tzschoppe.
Bereits während der Planung und Umsetzung der Anlage wurden zudem Weiterentwicklungsmöglichkeiten identifiziert und zum Teil sofort realisiert. So wurde eine weitere Waage im Ex-Bereich installiert, um schon vor dem Freiwerden eines Ansatzbehälters die für den nächsten Produktionsauftrag benötigten Zutaten abwiegen zu können. „Auch hier erleichterten die frei programmierbaren Schnittstellen von Aprol die Integration der Waage“, erklärt Tzschoppe. „Und die dafür nötigen Anpassungen der Arbeitsabläufe konnten schnell und problemlos abgebildet werden.“
Im elektrotechnik-Gespräch: Martin Reichinger, Business Manager Process Automation, B&R
Was, Herr Reichinger, muss ein Prozessleitsystem heute leisten, um die Anforderungen der Prozessindustrie so gut wie möglich zu erfüllen?
Ein effizienter Betrieb der Anlage über den gesamten Lebenszyklus ist für den Betreiber heutzutage unabdingbar. Um dies zu erreichen, müssen diverse Systemfunktionalitäten als Boardmittel standardmäßig im Prozessleitsystem integriert und auch bei Bedarf tatsächlich verfügbar sein. Komfortable Analysewerkzeuge verschaffen zusätzlich die notwendige Transparenz, um — basierend auf den Betriebsdaten der Anlage — einen sicheren und optimalen Betrieb zur Minimierung der Total Cost of Ownership zu erreichen. Die Integration der Sicherheitstechnik, also Integrated Safety Technology reduziert das Risiko für Mensch und Anlage, erhöht die Engineering-Effizienz und schützt damit zuverlässig alle vorhandenen Assets. Alle technologischen Innovationen müssen konsequent in Serienprodukte mit hohen Stückzahlen umgesetzt werden. Nur durch ein solches Vorgehen kann eine hohe Zuverlässigkeit und Verfügbarkeit des Automatisierungssystems erreicht werden. Weiterhin wird damit auch eine State of the Art-Automatisierung über den gesamten Lebenszyklus ermöglicht.
Wo liegen aus Ihrer Sicht die zentralen Stärken der Aprol-Prozessleittechnik, und für welche Anlagentypen oder Einsatzfelder ist sie daher besonders geeignet?

Die Skalierbarkeit vom Single Node mit wenigen I/Os bis zu sehr großen Anlagen, vom Einplatzsystem oder Single Node bis zur komplexen Client-Server-Architektur ist problemlos möglich und spiegelt eine der großen Stärken von Aprol wider. Egal, ob ein Controller oder einhundert, ob hundert oder einige zehntausend I/Os: Das Prozessleitsystem wächst bei Bedarf mit der Anlage. Aprol eignet sich andererseits auch optimal bei Migrationsprojekten zur Ablöse bestehender Leitebenen oder, ergänzend dazu, als Daten-Informationssystem. Das Prozessleitsystem hat sich bereits in zahlreichen Installationen und in unterschiedlichen Branchen sehr erfolgreich bewährt. Die einzigartige skalierbare Architektur ermöglicht Einsätze in allen möglichen Bereichen.
Inwieweit profitieren Kunden darüber hinaus von der Zusammenarbeit mit einem breit aufgestellten Automatisierer wie B&R?
Wir verfügen über ein breites Portfolio, beginnend beim Motor, FU, I/O-Modul, Controller, Integrated Safety, Power Panel, Industrie-PC, Industrie- Monitor usw. Das Herzstück der Prozessautomatisierung bilden die leistungsfähigen Controller mit Zykluszeiten ab 400 μs, redundante Busse, Hot- Swapping, Erweiterungen bzw. Änderungen im laufenden Betrieb, Zeitstempelung auf Controller-Ebene mit Auflösung bis zu 1 ms und der freien Wahl der Hardware-Plattform.
Sehen Sie für B&R auch interessante Schnittmengen zwischen der Fabrik- und der Prozessautomation, wie beurteilen Sie generell den so genannten Hybridmarkt?
Das Zusammenwachsen der Fabrik- und der Prozessautomation zeichnet sich aus unserer Sicht seit mehr als einem Jahrzehnt ganz deutlich ab und schreitet auch kontinuierlich voran. Wir stehen heute vor der Situation, dass die Anforderungen in weiten Bereichen bereits sehr ähnlich sind. Verfügbarkeit, stoßfreies und unterbrechungsfreies Handling, intelligente autonome I/O-Module usw. sind Anforderungen, die aus der Prozessautomation übernommen wurden. Die Automatisierungslösungen von B&R entstanden ursprünglich im Bereich der Fabrikautomation, das Prozessleitsystem Aprol ist unsere Lösung und Antwort auf die Anforderungen der Prozessautomation. Der Hybridmarkt wird die Verschmelzung der beiden Bereiche weiter anheizen und beschleunigen.
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