Vier Experten über die Automatica

Nachgefragt: Robotik ist das Rückgrat von Industrie 4.0

| Autor: Karin Pfeiffer

Roboter: Sie automatisieren, lernen und sind hilfsbereit – fehlen womöglich nur noch ein paar Soft Skills.
Roboter: Sie automatisieren, lernen und sind hilfsbereit – fehlen womöglich nur noch ein paar Soft Skills. (Bild: © AndSus – Stock.Adobe.com)

Sensoren, Künstliche Intelligenz und Infrastrukturtechnologien bringen wohl in so ziemlich jedem Feld der Automatisierung neue Geräte-Generationen hervor – und sogar ganz frische Ansätze. Vor allem in puncto Mensch-Roboter-Kollaboration tut sich viel, glauben vier Experten verschiedenster Disziplinen.

Auf der Automatica 2018 werden Technologie- und Produkttrends rund um die Robotik und Automatisierung gezeigt. Wir haben bei vier Experten und Ausstellern aus unterschiedlichen Bereichen nachgefragt, welche Trends und Schwerpunkte sie sehen. Und: Was sich bei der Mensch-Roboter-Kollaboration tut:

  • Martin Hägele, Abteilungsleiter Roboter- und Assistenzsysteme am Fraunhofer-Institut für Produktionstechnik und Automatisierung IPA
  • Helmut Schmid, Geschäftsführer & General Manager Western Europe von Universal Robots
  • Dr. Andreas Wagener, Elektronikentwicklung bei Faulhaber
  • Kai Hartmann, Produktmanager IDS NXT bei der IDS Imaging Development Systems

Industrie 4.0, Künstliche Intelligenz, Augmented Reality & Co.: Die Branche der Automatisierer ist von enormer Dynamik geprägt. Welche Themen sind für Sie auf der Automatica die wichtigsten – und werden den Markt voraussichtlich auch in Zukunft bewegen?

Martin Hägele ist Abteilungsleiter Roboter- und Assistenzsysteme am Fraunhofer-Institut für Produktionstechnik und Automatisierung IPA in Stuttgart.
Martin Hägele ist Abteilungsleiter Roboter- und Assistenzsysteme am Fraunhofer-Institut für Produktionstechnik und Automatisierung IPA in Stuttgart. (Bild: Hauke Seyfarth Fotografie/Fraunhofer IPA)

Martin Hägele: Automatica-2018-Highlights erwarten wir im Umfeld der von Ihnen angesprochenen Trends: die Integration von Robotersystemen in Industrie-4.0-Infrastrukturen, die Nutzung von Robotern in Produktionen mit kleinen Losgrößen und der weitere Wegfall der Schutzzäune. Voraussetzung dafür sind unter anderem immer bessere Sensoren sowie intelligente Greifer und Werkzeuge. Vernetzung und Datenmengen der Industrie 4.0 sind Basis für neue Services und Fähigkeiten von Maschinen. Gespannt sind wir darauf, welche Lösungen im Umfeld der Simulation und Virtual Reality, der Künstlichen Intelligenz und des Maschinellen Lernens gezeigt werden. Weiterhin: Die Robotertechnologien finden sich verstärkt in Anwendungen außerhalb der industriellen Produktion.

Helmut Schmid: Die Automatisierung kommt allmählich auch im Mittelstand an, wo die Mensch-Roboter-Kollaboration mit großem Zukunftspoten​zial gesehen wird. Das Thema Künstliche Intelligenz wird sich in diesem Jahr noch auf die Forschung beschränken, da zu viele Facetten des möglichen Einsatzes im Zusammenhang mit Robotern noch nicht definiert sind. Zukünftig werden sich allerdings auch in diesem Bereich Nutzen und Vorteile durchsetzen, wie es moderne Technologien zur Unterstützung der Menschen immer getan haben. Augmented Reality wird ebenfalls ein wichtiger Schwerpunkt sein, da diese Technologie speziell im Bereich der Planung, Auslegung, Service (Fernwartung), Reparatur und Inbetriebnahme eine große Rolle spielen wird.

Dr. Andreas Wagener: Wir erkennen den Trend zu immer mehr dezentraler Antriebstechnik, die über Kommunikationssysteme in das Gesamtsystem der Anlage eingebunden werden muss. Anlagenbauer stehen dabei vor der Herausforderung, heterogene Systeme zu integrieren, in denen 50-W-Servos gleichberechtigt neben Antrieben mit mehreren kW Leistung betrieben werden. Wo früher Kleinstservos durchaus auch über analoge Sollwerte oder einfache RS232-Schnittstellen eingebunden wurden, fordern insbesondere Anwender aus der Robotik und dem Maschinenbau schon seit Jahren die durchgängige Verfügbarkeit von Standard-Kommunikationsschnittstellen wie Ethercat bis hin zu kleinen Baugrößen. Für die Kleinstservos mit nur 22 mm Durchmesser wird allerdings CANopen trotzdem auf absehbare Zeit aus Platzgründen nicht zu ersetzen sein.

Kai Hartmann: Für IDS steht die Automatica im Zeichen der fortschreitenden Digitalisierung in der Fertigung und möglichst einfacher Adaption an wechselnde Gegebenheiten. Das betrifft Bildverarbeitung mittels 2D in gleichem Maße wie 3D. Adaption ist sicher auch in der Robotik ein Trendthema, da Roboter als Cyber Physical Systems durch 3D-Daten und Deep Learning immer autonomer werden. Für Automatisierer stehen hier Themen wie Datenqualität, schnelle Umrüstzeiten, hohe Varianz von Werkstücken, vereinfachte Teilezuführung bei gleichbleibend hohem Automatisierungsgrad und Bedienkomfort im Mittelpunkt.

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