3 Experten zu EN ISO 14119

Nachgefragt: Verriegelungen nach neuer Norm oder mechanische Schalter am Ende?

< zurück

Seite: 2/3

Anbieter zum Thema

Ist die neue Norm praxisgerecht, hapert es an Klarheit der Definitionen?

Frank Schmidt: Leiter Normen-, Gremien- und Verbandsarbeit,  K.A. Schmersal GmbH & Co. KG (Schmersal)
Frank Schmidt: Leiter Normen-, Gremien- und Verbandsarbeit, K.A. Schmersal GmbH & Co. KG
(Schmersal)

Frank Schmidt: Ob die Norm praxisgerecht ist, wird letztlich die Praxis zeigen. Die Normensetzer haben sich aber bemüht, den Stand der Technik praxisnah darzustellen, und ich denke, das ist gut gelungen. Die Norm ist besser gegliedert als die Vorgängernorm. Es gibt zahlreiche anschauliche Grafiken, Flowcharts und Tabellen, die die Auswahl einer für den Anwendungsfall geeigneten Verriegelungseinrichtung – z.B. die Auswahl von Zuhaltungen – erleichtern. Vor allem die gut strukturierte Beschreibung des Ablaufs, wie der Konstrukteur die richtigen Maßnahmen gegen eine Manipulation der Schutzeinrichtung identifizieren kann, ist sehr praxisorientiert und eine Verbesserung gegenüber der Vorgängernorm. Die bisherigen Rückmeldungen der Anwender zeigen, dass es aber offenbar ein paar Punkte gibt, die noch erklärungsbedürftig sind. Dazu gehört z.B. die Frage der Zuhaltekräfte in Anhang I. Nach unserem Verständnis sind die Werte, die der Anhang empfiehlt, viel zu hoch. In der Praxis sind deutlich niedrigere Werte völlig ausreichend. Da sie im informativen Anhang genannt werden, sind diese Werte auch nicht bindend. Die Frage, ob die Norm das Ende der mechanischen Schalter bedeutet, kann man nur klipp und klar mit „Nein“ beantworten. Richtig ist, dass die Norm technologieoffen ist, und das ist gut so. Sie beschreibt neben den bewährten elektromechanischen Sicherheitsschaltern und –zuhaltungen, die es ganz ohne Frage weiterhin geben wird, auch Sicherheitssensoren, Sicherheits-Schaltgeräte mit RFID-Technologie, elektromagnetische Zuhaltungen und Schlüsseltransfersysteme. Da sich mit den mechanischen Systemen alle Anforderungen der Norm erfüllen lassen, wird EN ISO 14119 keinen Einfluss auf die Gewichtung bzw. Marktbedeutung der einzelnen Schalterbauarten und Wirkprinzipien haben. Ungeachtet dessen gibt es in der funktionalen Sicherheit den Trend zu elektronischen Schaltgeräten und zur Verlagerung von Hardware-Funktionen in die Software. Davon sind die Verriegelungseinrichtungen an sich aber wenig betroffen, weil man je nach Art Signalauswertung oder -verknüpfung immer eine Stellungsüberwachung an der Schutztür und/oder eine Zuhaltung benötigt. Hier wird man also auch in Zukunft nicht ohne elektromechanische Schaltgeräte auskommen.

Sven Glöckler: Produktmarketing Manager Safety Products bei ABB Deutschland.(ABB)
Sven Glöckler: Produktmarketing Manager Safety Products bei ABB Deutschland.
(ABB)

Sven Glöckler: Die EN ISO 14119 definiert wichtige Begriffe im Zusammenhang mit Verriegelungs- und Schutzeinrichtungen und zeigt explizit die Vor- und Nachteile der einzelnen Bauarten auf. Sie gibt Konstrukteuren dadurch nützliche Hilfestellungen und erleichtert ihnen die praktische Arbeit. Für meine Begriffe stellt die neue Norm eine deutliche Verbesserung zur Vorgängernorm dar. Ein Blick in die neue Norm lohnt sich definitiv. Jede Verriegelungseinrichtung der vier Bauarten hat sowohl Vor- als auch Nachteile, so kann man eine Pauschalaussage hier nicht treffen, ob die Tage der mechanischen Verriegelungseinrichtungen gezählt sind. Wenn beispielsweise eine verriegelte trennende Schutzeinrichtung mit Zuhaltung zum Personenschutz zum Einsatz kommt, so haben wir fast zwangsläufig mindestens eine mechanische Verbindung. Für mich überwiegen insgesamt jedoch die Vorteile der Bauart 3 und vor allem der Bauart 4 Verrieglungseinrichtungen. Gerade bei den Bauart 4 Verriegelungseinrichtungen mit einer hohen Kodierungsstufe wird der konstruktive Aufwand für Konstrukteure deutlich geringer sein.

Martin Bellingkrodt, Produktmanager Sensorik bei der Pilz GmbH & Co. KG(Pilz)
Martin Bellingkrodt, Produktmanager Sensorik bei der Pilz GmbH & Co. KG
(Pilz)

Martin Bellingkrodt: Sicherheitsschalter werden nach einfachen Kriterien wie Bauarten und Kodierstufen klassifiziert. Dadurch wird Klarheit geschaffen. Die mechanischen Schalter werden in die Bauart 2 und die berührungslosen Schalter in die Bauart 4 eingruppiert und für beide Bauarten mit niedriger Kodierstufe gelten die gleichen Maßnahmen, um ein Umgehen der Schalter zu verhindern. Allerdings gibt es mehr Freiheiten für Schalter der höchsten Kodierstufe, die üblicherweise nur als berührungslose Schalter angeboten werden. Letztlich ist eine höhere Maschinenverfügbarkeit bestimmend für den Siegeszug der berührungslosen Schalter – unabhängig von der neuen Norm ISO 14119.

(ID:42567415)

Jetzt Newsletter abonnieren

Verpassen Sie nicht unsere besten Inhalte

Mit Klick auf „Newsletter abonnieren“ erkläre ich mich mit der Verarbeitung und Nutzung meiner Daten gemäß Einwilligungserklärung (bitte aufklappen für Details) einverstanden und akzeptiere die Nutzungsbedingungen. Weitere Informationen finde ich in unserer Datenschutzerklärung. Die Einwilligungserklärung bezieht sich u. a. auf die Zusendung von redaktionellen Newslettern per E-Mail und auf den Datenabgleich zu Marketingzwecken mit ausgewählten Werbepartnern (z. B. LinkedIn, Google, Meta).

Aufklappen für Details zu Ihrer Einwilligung