Smart Factory

Nachgefragt: Welche Potenziale bietet Industrie 4.0 für Young Professionals?

| Autor / Redakteur: Sariana Kunze / Sariana Kunze

Ralf Moebus, Leiter Automation & Networks, U.I. Lapp: „Ja, Industrie 4.0 ist eine Chance für Young Professionals: Vieles dreht sich hier aus Sicht der Verbindungstechnik um Ethernet und andere im Industrieumfeld verhältnismäßig neue Technologien, und da bekommen die jungen Leute heute auf den Hochschulen schon eine gute Grundlage, und sie denken naturgemäß nicht in überkommenen Mustern. Wir haben dafür auch ein internes Beispiel: Eine unserer Lösungen für die Industrie 4.0, unsere hochflexible Ethernetleitung Etherline Cat.6A, wurde von zwei Kollegen entwickelt, die beide Mitte 20 sind. Das ist aber nur die eine Seite der Medaille: bei Industrie 4.0 geht es nicht nur darum, das Rad neu zu erfinden. Genauso wichtig ist, bestehende komplexe Systeme zu vernetzen. Dazu muss man diese Systeme zunächst einmal kennen und verstehen. Dafür ist Erfahrung wichtig. Wie so oft kommt es also auf die richtige Mischung an.“

Frank Knafla, Master Specialist Control Systems, Phoenix Contact Electronics: „Industrie 4.0 ist ein Leitbild, das die Weiterentwicklung der industriellen Produktion beschreibt. Mensch, Maschine und das Produkt selbst bilden ein intelligentes und selbstständiges Netzwerk. Um diesem Leitbild so nahe wie möglich zu kommen, sollten die Disziplinen elektrische Automatisierungstechnik, Informationstechnik und Maschinenbau interdisziplinär zusammenarbeiten und zukunftsfähige Lösungen ermöglichen. Dabei ist interdisziplinäres Fachwissen gefragt, sowohl für die Erforschung neuer Lösungsansätze, als auch die Konstruktion von Maschinen und Anlagen sowie zur Anwendung von Internet-Technologien zur vertikalen Integration der Produktionsanlagen in die vertikalen Geschäftsprozesse. Der Zusammenschluss führender Unternehmen in der Plattform Industrie 4.0 zeigt, welche Bedeutung und Zukunftsfähigkeit Industrie 4.0 in Deutschland hat. Gerade für Young Professionals, die in Netzwerken teamorientiert interdisziplinär zusammenarbeiten und gewohnte Wege verlassen können, bietet Industrie 4.0 erhebliche Potenziale sowie Gestaltungs- und Profilierungsmöglichkeiten in den genannten Disziplinen.“

Dr. Hans Heinz Zimmer, VDE-Vorstandsvorsitzender: „Die Realisierung von Smart Factories wird mehrheitlich bis 2025 erwartet. Profitieren werden vor allem die Branchen Automobil- und Maschinenbau, aber auch die Elektrotechnik. Industrie 4.0 ist zwar kein Allheilmittel, eröffnet aber vielversprechende Chancen für die deutsche Industrie und für den Ressourcenschutz.“

Dr. Jürgen Ober, Chief Human Resources Officer Weidmüller Gruppe: „Young Professionals haben die Möglichkeit, das junge Thema Industrie 4.0 von Anfang an mitzugestalten. Arbeit wird in Zukunft − ebenso wie die Produktionsprozesse − viel weniger standardisiert sein und bietet gerade Berufseinsteigern daher zahlreiche Perspektiven und Chancen, sich selbst zu verwirklichen. Denn die Nachfrageseite beim Kunden entwickelt sich vom Produkt zur Systemlösung. Dies erfordert, hochkomplexe Zusammenhänge zu verstehen, ermöglicht aber gleichzeitig, interessante und herausfordernde Themen anzugehen und in enger Partnerschaft mit dem Kunden, Lösungen zu entwickeln. Qualifikation läuft nicht mehr in klar abgesteckten Rahmen ab, sondern funktioniert interdisziplinär. Es kommt darauf an, sich schnell in einem Fachgebiet zu qualifizieren und gleichzeitig sein Wissen an den Rändern dieses Fachgebiets auszubauen. Für die betriebliche Aus- und Weiterqualifizierung bedeutet das, eine noch engere Vernetzung mit Bildungspartnern zu erreichen und Konzepte aufzusetzen, die den Young Professionals einen interdisziplinären Kompetenzaufbau ermöglichen. Außerdem ist eine stärkere Verzahnung von Metall- und Elektrotechnik mit der Informationstechnologie notwendig, um erfolgreiches Theorie- und Praxislernen in Bildungseinrichtungen und modernen Unternehmen zu gewährleisten.“

Peter Seeberg, Market Segment Manager Factory Automation, Softing Industrial: „Es gibt Bestrebungen, die mehr oder weniger aus der Industrie 4.0 hervor kommen und die darauf abzielen, Tablet, Smartphone und Co. stärker in den Produktionsprozess einzubeziehen. Dafür wird der klassische Zugang zu Maschinen und Steuerungen aufgebrochen und für neue Sprachen und Betriebssysteme wie Java, Object-C, iOS und Android verfügbar gemacht, welche die jungen Leute auf der Fachhochschule oder Uni gelernt haben. App-Geschäftsmodelle, mit denen Young Professionals bisher vor allem im Consumer-Bereich (Google Play, Apple App Store) erfolgreich waren, können in Zukunft auch in die Industrie 4.0 übertragen werden.“

Dieter Westerkamp, Geschäftsführer VDI/VDE-Gesellschaft Mess- und Automatisierungstechnik: „Industrie 4.0 fordert von denen, die aktiv die Zukunft der deutschen Industrie mitgestalten wollen, dass sie stärker als bisher in Prozessen denken und eine rein fachliche Fokussierung aufbrechen. Denn durch Smart X erhalten Produkte und Maschinen zusätzliche Eigenschaften und Funktionalitäten: sie müssen sich als Teil einer Anlage bzw. eines Systems automatisch konfigurieren und sich entsprechend mitteilen. Für Ingenieure bedeutet dies, dass sie in komplexeren Zusammenhängen und Vernetzungen denken müssen. Die Fähigkeit, den Blick über den Tellerrand zu wagen, wird damit zum Schlüssel für Unternehmen und den persönlichen Erfolg. Gerade angehende und Jungingenieure können diesen Weg von Industrie 4.0 mit neuen Ideen, aktuellem Fachwissen, großer Neugierde und ihren besonderen Fähigkeiten als „Digital Natives“ entscheidend mittragen. Noch mehr als bisher werden gut ausgebildete Ingenieure benötigt, die fähig sind, am Entwurf intelligenter Produkte und Produktionssysteme mitzuarbeiten und bestehenden Systemen ein Update zu geben. Um die Produkt- Produktions- und Anlagenkomponenten zu entwerfen, zu fertigen und zu warten, wird sich voraussichtlich die Anzahl interessanten Arbeitsplätze für gut ausgebildete Ingenieure und Informatiker weiter erhöhen und viel Potenzial für Young Professionals bieten. Darüber hinaus werden sich Märkte für Produkte auftun, die heute noch nicht realisierbar sind und neue Geschäftsfelder ergeben, die wir heute noch gar nicht sehen.“

Inhalt des Artikels:

Kommentare werden geladen....

Kommentar zu diesem Artikel abgeben

Der Kommentar wird durch einen Redakteur geprüft und in Kürze freigeschaltet.

Anonym mitdiskutieren oder einloggen Anmelden

Avatar
Zur Wahrung unserer Interessen speichern wir zusätzlich zu den o.g. Informationen die IP-Adresse. Dies dient ausschließlich dem Zweck, dass Sie als Urheber des Kommentars identifiziert werden können. Rechtliche Grundlage ist die Wahrung berechtigter Interessen gem. Art 6 Abs 1 lit. f) DSGVO.
  1. Avatar
    Avatar
    Bearbeitet von am
    Bearbeitet von am
    1. Avatar
      Avatar
      Bearbeitet von am
      Bearbeitet von am

Kommentare werden geladen....

Kommentar melden

Melden Sie diesen Kommentar, wenn dieser nicht den Richtlinien entspricht.

Kommentar Freigeben

Der untenstehende Text wird an den Kommentator gesendet, falls dieser eine Email-hinterlegt hat.

Freigabe entfernen

Der untenstehende Text wird an den Kommentator gesendet, falls dieser eine Email-hinterlegt hat.

copyright

Dieser Beitrag ist urheberrechtlich geschützt. Sie wollen ihn für Ihre Zwecke verwenden? Infos finden Sie unter www.mycontentfactory.de (ID: 42591662 / Beruf & Karriere)