Suchen

Anforderungen von EuP und Eco-Design Neben Preis und Liefertermin zählt bei Einkaufposten künftig das ökologische Profil

| Autor/ Redakteur: Dr. Constantin Herrmann und Hubertus Andreae* / Claudia Mallok

EuP kann wie schon die RoHS-Umstellung eine Chance für Unternehmen bedeuten, die diesen Weg konsequent gehen. Und wie schon die RoHS-Umstellung ist EuP kein reines Thema und Aufgabe von Elektronikentwicklern und Technologen, sondern ein allumfassender Prozess für alle Unternehmensbereiche. Zudem kommt mit Ecodesign auch eine weitere neue Aufgabenstellung auf den Einkauf zu.

Firmen zum Thema

Der Einkauf muss aufgrund der aktuellen Gesetzgebung neue Aspekte berücksichtigen und bisher nicht erforderliche Informationen zum ökologischen Profil der Einkaufsposten einholen, beispielsweise die Recyclingfähigkeit für WEEE-Kriterien und Materialgehalte um RoHS-Konformität nachzuweisen.
Der Einkauf muss aufgrund der aktuellen Gesetzgebung neue Aspekte berücksichtigen und bisher nicht erforderliche Informationen zum ökologischen Profil der Einkaufsposten einholen, beispielsweise die Recyclingfähigkeit für WEEE-Kriterien und Materialgehalte um RoHS-Konformität nachzuweisen.
( Archiv: Vogel Business Media )

In puncto Umwelt und umweltgerechtes Handeln legen die EU-Direktiven WEEE, RoHS sowie neuerdings die EuP (engl. Framework for the Setting of Eco-Design Requirements for Energy-Using Products) die Schwerpunkte fest und bestimmen den Handlungsbedarf der betroffenen Akteure – jetzt und in Zukunft. Viele Unternehmen haben mittlerweile die WEEE und RoHS umgesetzt. Nun ergibt sich jedoch aus der EuP-Direktive „Anforderungen an die umweltgerechte Gestaltung energiebetriebener Produkte“ vom Juli 2005 eine neue Dimension der umweltgerechten Produktgestaltung.

Das Thema „Umweltgerechte Produkte“ fängt mit dem Produktdesign, z.B. der Auswahl von Materialien und Technologien an. Die umweltbedingten Auswirkungen durch Produkte können jedoch während des gesamten Lebenszyklus stattfinden. So erzeugt beispielsweise die Herstellung eines Produktes im Idealfall einmalig Umweltwirkungen, wohingegen die Nutzungsphase über Jahre Strom, Öl oder Gas verbraucht. Hersteller müssen nun Antworten geben können wie sich unter anderem dieses Verhältnis zwischen Herstellung und Nutzung für welche Umweltaspekte darstellt und beispielsweise wie viel Mehraufwand in der Herstellung erzeugt wie viel Reduktion in der Nutzung oder Entsorgung.

Ziel: Energieverbaruch signifikant reduzieren

Eco-Design soll diese Umwelteffekte über den Lebenszyklus quantitativ darstellen mit dem Ziel, Aspekte mit dem größten Verbesserungspotential zu minimieren. Wichtig hierbei ist, dass jeder Akteur der Wertschöpfungskette seinen Stellenwert im Lebenszyklus und seine Auswirkungen auf die Eigenschaften des Produktes über den Lebenszyklus kennt. Nur dadurch ist ein Ist-Stand ermittelbar und lassen sich Energieverbrauch und andere Umweltaspekte effizient vermindern.

Das Umweltprofil eines Produktes setzt sich aus unterschiedlichen Beiträgen zusammen (Archiv: Vogel Business Media)

Betrachtet man aus Sicht eines Akteurs innerhalb der Wertschöpfungskette die Beiträge aus denen sich ein ökologisches Profil eines Produktes zusammensetzen, müssen immer drei Aspekte einbezogen werden (siehe Grafik):

  • • Menge oder Gewicht eingesetzter Wertstoffe oder Werte (Materialien, Energien),
  • • Art und Qualität der Herstellung dieser Werte,
  • • direkte Umwelteffekte am Standort, z.B. Emissionen, Abfälle, Transportaufwände.
  • Fragen zum Eco-Design können aus Sicht jeweiliger Verantwortlicher sein:
  • • Entwickler: Welche Materialien und Komponenten setze ich ein/wähle ich aus, welche Funktionen und Eigenschaften soll mein Produkt haben?
  • • Prozessverantwortliche: Wie viel Energie und welche Hilfsstoffe braucht meine Herstellung und was emittiere ich am Standort? Wo ist die Produktion geplant?
  • • Einkauf: Welches Umweltprofil bringt meine benötigte Komponente mit? Welche Beschaffungskonzepte erzeugen das notwenige Umweltprofil? Sind Materialbeistellungen noch zweckmäßig?
  • • Marketing/Vertrieb: Wie ist das Umweltprofil unseres Verkaufproduktes inklusive unserer Vorketten und welchen Einfluss hat es auf den Lebenszyklus, z.B. wie wird der Energieverbrauch in der Nutzung beeinflusst?

Ein Aspekt dieser komplexen Thematik ist die durch das Ecodesign hervorgerufene neue Situation des Einkaufs im Unternehmen.

Welchen Beitrag der Einkauf zum Eco-Design liefert

Das Anforderungsprofil des Einkaufs ändert sich in großen Schritten. Ursprünglich war der Einkauf eine Beschaffungseinheit eines Produktionsunternehmens mit dem Anspruch Materialpreise mit zu verhandeln. Heute stellt sich das anders dar. Der Einkauf wird durch straffes kostenbezogenes Materialmanagement (target costing) mehr und mehr zum „winningfactor“ eines Unternehmens. Der Einkauf hat somit den Erfolg oder Misserfolg eines Produktes maßgeblich in der Hand. Materialanteile von 65 bis 80% machen das deutlich. Das ist aber noch nicht das Ende.

Der Einkäufer wird mehr und mehr zum Prozessexperten für unterschiedliche Aufgaben. Materialflussoptimierung, logistische Prozesse, Outsourcing sind einige Beispiele die die neuen Anforderungen widerspiegeln. Damit aber noch nicht genug. Notwenige Prozessmaßnahmen aus den Aktivitäten GS, Altautoverordnung, RoHS, WEEE haben weitere Änderungen in den Einkaufsprozessen eingeleitet. Mit Ecodesign kommt eine weitere neue Aufgabenstellung auf den Einkauf zu.

Der Einkauf ist längst zum Prozessmanager einer umfassenden Supply Chain geworden. Preis und Menge sind nur noch eine kleine, nicht zu verstehen mit unwichtige, Aufgabenstellung für den Einkauf.

Was Eco-Design für den Einkauf bedeutet

Legt der Entwickler in Zusammenarbeit mit einem SE–Team (fachbereichsübergreifendes Entwicklungsprojektteam) das Produktdesign fest, muss der Einkauf aufgrund der aktuellen Gesetzgebung einige neue Aspekte berücksichtigen und neue Informationen einholen. Hier wäre beispielsweise die Recyclingfähigkeit zu nennen für WEEE-Kriterien oder Materialgehalte um RoHS-Konformität nachzuweisen.

Im Sinne von Ecodesign und EuP Fragestellungen kommt nun das ökologische Profil aller Einkaufsposten als weiterer Informationsbedarf hinzu. Kann als Beispiel der Entwickler zwischen einem Aluminium Druckgussgehäuse oder einem Kunststoffspritzgussgehäuse für sein Produkt wählen, ist anstelle des Preises zum Beispiel Cadmium in Farbpigmenten des Kunststoffgehäuses oberhalb der RoHS-Konformität natürlich ein härteres Entscheidungskriterium.

Sollte dagegen Konformität für beide Alternativen sichergestellt sein, kann nun neben dem Preis auch ein günstigeres Umweltprofil ausschlaggebend sein. Ähnliche Überlegungen sind auf Leiterplattenebene identisch anzuwenden, beispielsweise die Auswahl von elektronischen Bauteilen, Loten und anderen Komponenten oder die Entscheidung über Leiterplattenoberflächen und Lacke.

Stoffe, Energiemengen und Umweltprofile

Der Einkauf sollte hier in enger Zusammenarbeit mit den Entwicklern, den Prozessverantwortlichen und dem SE-Team klären, welche Stoffe und Energien in welchen Mengen mit welchen Umweltprofilen verbunden sind und wie sich Änderungen und die Wahl von Alternativen auch ökologisch auf das eigene Produktprofil auswirken. Dies kann bei endgültiger Festlegung auf Materialien, Komponenten, Hilfsstoffe oder Energien auch im Detail weiter verfolgt werden, so dass entsprechende Lieferanteninformation (falls vorhanden) als weiteres Kriterium in der Auswahl einbezogen werden.

Zum einen können Umfang und Art der mitgelieferten Information als Qualitätsmerkmal des Lieferanten dienen (bekommt man ein Umweltprofil vom Lieferanten in welcher Qualität). Zum anderen kann natürlich auch die Höhe der angegebenen Umweltwirkungen eine Entscheidung für oder gegen ein Zukaufteil oder eine Beschaffungsregion sein.

Motiviert wird wiederum das Kriterium Umweltinformation dadurch, dass günstige, also in der Umweltwirkung niedrige Einkäufe, im eigenen Umweltprofil der erzeugten Produkte ebenfalls als niedrig weitergegeben werden können. Der eigene Kunde kann somit wiederum ebenfalls von der Entscheidung des Haus internen Einkaufs profitieren.

Verstehen Sie Eco-Design als Chance

Wie auch schon RoHS kann Eco-Design eine Chance für prozesssichere Unternehmen bedeuten. RoHS hat bei den Unternehmen die sich schon frühzeitig mit der Überleitung beschäftigt haben, Wettbewerbsvorteile erzeugt. Endlich wurden überfällige Altlagerbestände verschrottet, Prozesse angepasst die einen Wiederaufbau von zu hohen Lagerbeständen zukünftig verhindern helfen.

Diese Maßnahmen schlagen sich schnell auf reduzierte Abgabepreise nieder. Wer auch Ecodesign ernst nimmt, wird ähnliche Wettbewerbsvorteile erreichen, Unterscheidungskriterien gegenüber dem Wettbewerb durch das Produktdesign, durch die Umweltverträglichkeit und durch Kosten. Die Gesamtkostenbetrachtung tritt verstärkter als bisher in den Mittelpunkt.

Kleiner aber wichtiger Nebeneffekt ist der Ausbau der Fähigkeit eines wirksamen Supply-Chain-Management-Systems (SCM), das heute noch in vielen Unternehmen fehlt. Auch SCM kann ein wirkungsvoller Kompensator des Lohnkostennachteils am Fertigungsstandort Deutschland sein.

*Dr. Constantin Herrmann, PE Europe GmbH – Ein Unternehmen zur Umweltberatung und Dienstleister für Unternehmen, Leinfeken-Echterdingen; Hubertus Andreae, DREI PLUS – Praxisbegleitende Innovationsförderung für den Mittelstand, Berlin

Dieser Beitrag ist urheberrechtlich geschützt. Sie wollen ihn für Ihre Zwecke verwenden? Kontaktieren Sie uns über: support.vogel.de (ID: 229307)