Stromversorgung Ölplattform-Versorgungsschiff nutzt erstmals wegweisendes DC-Bordnetz

Redakteur: Wolfgang Leppert

Mit einem Gleichstrom-Bordnetz führt ABB die Energieeffizienz von Schiffen in neue Dimensionen. Die erreichbaren Einsparungen betreffen aber nicht nur den Kraftstoffverbrauch, sondern reduzieren auch die Emissionen, das Gewicht und den Platzbedarf des elektrischen Systems sowie den Verkabelungs- und Wartungsaufwand.

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Durch ein Gleichstrom-Bordnetz lassen sich Einsparpotenziale auf unterschiedlichsten Feldern mobilisieren, die Gesamteffizienz verbessert sich so um bis zu 20 Prozent.
Durch ein Gleichstrom-Bordnetz lassen sich Einsparpotenziale auf unterschiedlichsten Feldern mobilisieren, die Gesamteffizienz verbessert sich so um bis zu 20 Prozent.
(Bilder: ABB)

Seit ABB im vergangenen Jahr ein innovatives System für ein DC-Bordnetz eingeführt hat, regt sich auf dem Schiffsmarkt enormes Interesse. Ein erster Auftrag dafür ist bereits in Arbeit, weitere Verträge werden voraussichtlich noch vor Jahresende abgeschlossen. Mit dem DC-Bordnetz erhalten Schiffseigner und -betreiber ein hoch effizientes Stromverteilungs- und elektrisches Antriebssystem, geeignet für unterschiedlichste Schiffstypen einschließlich Offshore-Versorgungsschiffen, Schleppern, Fähren, Jachten und Frachtschiffen mit Niederspannungs-Bordnetz und Stromversorgungs-Systemen bis 20 MW.

Das System basiert auf Produkten, die bereits auf Schiffen mit elektrischen Antriebssystemen genutzt werden, beispielsweise Wechselstrom-Generatoren und Wechselrichter. Dank des DC-Bordnetzes werden jedoch die AC-Schaltanlagen und Antriebstransformatoren nicht mehr benötigt. Ergebnis ist ein deutlich flexibleres Stromversorgungs- und Antriebssystem, das nach ABB-Angaben Gewichtseinsparungen bis zu 30 Prozent sowie eine Reduzierung des Kraftstoffverbrauchs und der Emissionen bis zu 20 Prozent ermöglicht. „Die extrem positiven Rückmeldungen aus dem Markt zu diesem Antriebs- und Stromverteilungssystem zeigen, dass es sich hierbei genau um die langfristige und zukunftsorientierte Lösung handelt, auf die Reedereien gewartet haben und die ihren Schiffsbetrieb für die kommenden 20 bis 30 Jahre absichert“, so Heikki Soljama, Leiter der BU Marine and Cranes bei ABB.

Auf erneuerbare und andere zukunftsträchtige Energiequellen schon vorbereitet

Ein Durchbruch dafür kam Ende vergangenen Jahres mit dem Auftrag, ein neues Ölplattform-Versorgungsschiff auszurüsten, das vom Eigner Myklebusthaug Management aus Norwegen in der Kleven-Werft im norwegischen Ulsteinvik bestellt worden war. ABB liefert für diesen Versorger ein komplettes DC-Bordsystem einschließlich aller benötigten Strom-, Antriebs- und Automatisierungssysteme. Die Auslieferung des 93 m langen und 4.800 BRT schweren MT 6015 PSV, ein von der norwegischen Marin Teknikk konzipiertes Mehrzweck-Versorgungs- und Konstruktionsschiff für Ölplattformen, soll im ersten Quartal 2013 erfolgen. „Ziel von Myklebusthaug war es, ein innovatives und emissionsarmes Schiff zu bauen, das für künftige Energiesparlösungen wie Energiespeicher und erneuerbare Energien geeignet und zugleich sehr sparsam im Verbrauch ist", erklärt Heikki Soljama. „Und wir konnten den Eigner davon überzeugen, dass das DC-Bordnetz die beste Lösung dafür ist.“

Ein ganz wesentlicher Vorteil des DC-Bordnetzes ist, dass die Schiffsmotoren nicht mehr mit fester Drehzahl laufen müssen. Vielmehr ist die Drehzahl veränderbar, was den Kraftstoffverbrauch optimiert. Und das kommt insbesondere Offshore-Schiffen wie dem Neubau von Myklebusthaug zugute, wenn diese im dynamischen Positionierungsmodus (DP) laufen – eine Situation, in der die durchschnittliche Last der elektrischen Querstrahl-Antriebe normalerweise niedrig ist, jedoch aus Sicherheitsgründen eine hohe Anzahl an Motoren laufen. Bei anspruchsvollen DP-Manövern wird die elektrische Anlage üblicherweise im Splitmodus betrieben, so dass das Schiff selbst auch bei Ausfall eines Anlagenteils seine Position behalten kann.

Dabei können die Vorteile des Elektroantriebs nur schwer umgesetzt werden, da der Motorbetrieb nicht optimiert werden kann. Heikki Soljama: „Das DC-Bordnetz macht den Betrieb im Splitmodus effizienter, da sich die Motordrehzahl an die benötigte Last anpassen und optimieren lässt, ohne die Anzahl der angeschlossenen Generatoren ändern zu müssen.“

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