Dezentrale Peripherie Pellet-Produktion in Russland spricht Profinet

Autor / Redakteur: Timo Mühlhausen, Thorsten Pross* / Reinhard Kluger

Profinet-Kommunikation ermöglicht das nahtlose Einfügen von Peripherie in Anlagen. Von Aupro erstmalig realisiert bei einer Pellets-Produktion in Russland. Dort bringt dezentrale Peripherie Vorteile bei der Konstruktion von Pelletieranlagen.

Eine immer ausgefeiltere Prozesstechnik bei der Produktion von Press-Würmchen, vulgo Pellets, gibt den Takt vor.
Eine immer ausgefeiltere Prozesstechnik bei der Produktion von Press-Würmchen, vulgo Pellets, gibt den Takt vor.
(Siemens)

Wer den Begriff Pellets hört, denkt in erster Linie an die kleinen „Holzstaub-Würmchen“ zum Heizen. Aber auch als Tierstreu, Dämmstoff und Verpackungsmaterial lassen sie sich verwenden – und sie bestehen auch nicht immer aus dem Grundstoff Holz. Das mittelständische Unternehmen Aupro Automatisierung Projektierung GmbH in Bützow bei Rostock rüstet mit knapp 20 Mitarbeitern unter anderem solche Pelletieranlagen elektrotechnisch aus.

Bildergalerie
Bildergalerie mit 8 Bildern

Besonders kompakte dezentrale Peripherie

Geschäftsführer Uwe Radtke berichtet: „Wir liefern maßgeschneiderte Lösungen für die Prozessautomation und orientieren uns dabei an den heutigen Möglichkeiten einer modernen Automatisierungstechnik.“ Ein Beispiel dafür ist die Ausrüstung einer Pelletieranlage, die nach Russland geliefert wurde. Die Anlage ist sehr weiträumig und wird mit der Scada-Software Simatic WinCC von einer Leitwarte zentral gesteuert und überwacht. Dabei haben die Automatisierungsspezialisten zum ersten Mal die besonders kompakte dezentrale Peripherie Simatic ET 200SP von Siemens einsetzt. Uwe Radtke: „Wir setzen in großen Anlagen etwa ein Dutzend solcher dezentralen Peripheriestationen ein und achten deshalb sehr stark auf die Kompaktheit und ein hervorragendes Preis-Leistungsverhältnis.“

Beides hat die neue, modular aufgebaute dezentrale Peripherie Simatic ET 200SP zu bieten. Sie ist um etwa 50 Prozent schmaler als andere dezentrale Peripheriestationen. Durch ein mechanisches Kodierelement der Module mit der Basiseinheit wird eine klare Zuordnung hergestellt. Das verhindert ein Vertauschen der Module in einem Servicefall.

Kompakt in Baugröße und auch beim Preis

Mit einer Höhe von ca. 115 mm bietet das System Platz für 16 Kanäle mit Einleiteranschluss ohne AUX-Klemmen. Bei einem Dreileiteranschluss mit AUX-Klemmen beträgt die Höhe für acht Kanäle 140 mm. Die Tiefe liegt bei rund 75 mm. „Und auch preislich liegen wir gegenüber der bisher verwendeten Lösung etwa ein Drittel günstiger“, freut sich Radtke. „Ein weiterer Vorteil der Peripheriestationen Simatic ET 200SP liegt in der Parametrierbarkeit der Analogmodule, so dass wir eine Reduzierung der Baugruppenvielfalt erzielen“, führt der Aupro-Geschäftsführer fort.

Zwei Ports für die Anbindung

Die Steuerung der einzelnen Anlagenteile übernimmt eine ebenfalls sehr kompakte dezentrale Peripherieeinheit Simatic ET 200S mit der CPU-Kopfbaugruppe IM 151-8. Dieser Controller ist mit drei Profinet-Ports ausgestattet und passt deshalb exakt in das Automatisierungskonzept der Firma Aupro. Zwei der Ports werden für die Anbindung der dezentralen Simatic-ET-200SP-Stationen und der Visualisierung genutzt, der dritte Port der CPU bleibt für den Anschluss des Projektierungs-PCs bzw. des Diagnose-PCs frei. Bei der bereits erwähnten Pelletieranlage haben sich die Techniker von Aupro erstmals für diese neue steuerungstechnische Variante entschieden.

„Aufgrund der vielfältigen Vorteile werden wir uns auch künftig darauf fokussieren“, bekräftigt Mario Weidler, Automatisierungsspezialist bei Aupro. Da die Komplettanlage aus unterschiedlichen Teilbereichen wie Aufbereitung, Prozesstechnik, Einlagerung und Verladung besteht, gibt es zwei zentrale Schaltschränke und sieben in der Anlage verteilte Schaltkästen als Unterverteilungen vor Ort. Die kommunikationstechnische Verbindung wird einfach über Profinet bzw. Industrial Ethernet geschaffen. Auf Profinet - als führendes Ethernet basiertes Bussystem der Automatisierungstechnik - setzt Aupro schon seit 2009.

Schneller verdrahtet plus Profinet-Kommunikation

Die Peripheriestation Simatic ET 200SP eignet sich auch deshalb besonders gut, weil sie einen direkten Anschluss an die moderne Profinet-Bustechnik hat. Dabei ermöglicht die Taktsynchronität des Rückwandbusses der Geräte eine jitterarme Datenübertragung und schnellere Taktzeiten. Auch bezüglich der EMV-Verträglichkeit sowie der Signalgüte hat der Hersteller Siemens viel Entwicklungsaufwand betrieben. So reicht das durchgängige Schirmkonzept vom Leiter über die Klemmenbox und den Rückwandbus bis zum Profinet-Kabel.

Auch die Verdrahtung ist dem Experten Mario Weidler wichtig, weil: „Durch die modernen Push-In-Klemmen ist eine schnelle Verdrahtung der dezentralen Stationen möglich und selbst das Lösen einer Ader ist ohne Spezialwerkzeug mit einem kleinen Schraubendreher schnell erledigt.“ Mit Anschlussquerschnitten von 0,14 mm2 bis 2,5 mm2 orientiert sich die Peripheriestation ET 200SP trotz ihrer kompakten Bauweise an den Anforderungen der Praxis.

Jetzt Newsletter abonnieren

Verpassen Sie nicht unsere besten Inhalte

Mit Klick auf „Newsletter abonnieren“ erkläre ich mich mit der Verarbeitung und Nutzung meiner Daten gemäß Einwilligungserklärung (bitte aufklappen für Details) einverstanden und akzeptiere die Nutzungsbedingungen. Weitere Informationen finde ich in unserer Datenschutzerklärung.

Aufklappen für Details zu Ihrer Einwilligung

Einfaches Engineering durch modernes TIA Portal

Ebenfalls als praktisch bezeichnen die Techniker die Projektierung der dezentralen Peripherie über das Engineering-Framework TIA Portal von Siemens. Diese ganzheitliche Software erlaubt die schnelle Projektierung, Programmierung, Parametrierung und Diagnose, da sämtliche Editoren für Programmierung, Visualisierung, Diagnose und Sicherheitstechnik mit derselben Datenbasis arbeiten. Ändert sich ein Wert in der Programmierung wird dieser gleichzeitig in alle anderen Bereiche übernommen. „Das vereinfacht die Arbeit von Automatisierungsspezialisten und Steuerungstechnikern spürbar“, weiß Uwe Radtke.

Bildergalerie
Bildergalerie mit 8 Bildern

Sprachlich angepasste Visualisierung

Diese Einfachheit ist vor allem dann wichtig, wenn die Anlagen ins Ausland geliefert werden. Gerade im TIA Portal ist die entsprechende Sprachvariante der Bedienoberfläche unkompliziert zu erstellen. Aus dem Programm kann eine Tabelle exportiert werden, die dem Übersetzungsbüro zur Verfügung gestellt wird. Anschließend lässt sich diese Tabelle mit den übersetzten Begriffen wieder importieren. Die sprachlich angepasste Visualisierung über Touch-Panels mit Profinet-Anschluss ist somit schnell erledigt. Und auch die gesamte Dokumentation kann den Kunden so vereinfacht in der entsprechenden Landessprache zur Verfügung gestellt werden.

Jedes einzelne Peripheriemodul ist beobachtbar

Fernservice ist ein weiterer Vorteil, den der Schaltschrankbauer gerne nutzt. Über den Anschluss per Profinet kann die dezentrale Peripherie nicht nur lokal von der Leitebene, sondern auch direkt über das Internet (VPN-Tunnel) von Bützow aus diagnostiziert werden. Dabei sind jede einzelnen Peripheriemodule der modularen Station beobachtbar. Signal-LEDs am Peripheriemodul bieten Diagnoseinformationen für jeden Kanal vor Ort.

Modulare Kompaktlösung mit Profinet

Bei der erwähnten großen Pelletieranlage für einen Endkunden in Russland hat die auf Elektrotechnik und Schaltschrankbau spezialisierte Aupro Automatisierung Projektierung GmbH erstmals die dezentrale Peripherie Simatic ET 200SP von Siemens eingesetzt. Grund für diese Entscheidung war, dass eine äußerst kompakte und preiswerte Lösung für dieses und für künftige Projekte gefunden werden sollte.

Der Umstieg hat sich gelohnt

Dies ist gelungen: Die Peripherie fügt sich durch die Profinet-Kommunikation nahtlos in die Anlagentechnik ein und erweist sich in vielerlei Hinsicht als praxisgerecht. So kann die modular aufgebaute dezentrale Peripherie mithilfe des Engineering-Frameworks TIA Portal von Siemens projektiert, programmiert und diagnostiziert werden. Die aus der Kombination von Software und entsprechender Hardware erzielten Vorteile machen sich wie beschrieben an vielen Stellen positiv bemerkbar. Für Uwe Radtke hat sich deshalb der Umstieg schon jetzt gelohnt: „Mit modernen Geräten lassen sich effiziente Automatisierungslösungen für Produktionsanlagen entwickeln.“

* *Dipl.-Ing (FH) Timo Mühlhausen, Marketing Manager, Dipl.-Ing. Thorsten Pross, Promotor dezentrale Peripherie/Profinet, Siemens AG, Industry Automation

(ID:42411830)