Automatisierung Pilz steigert 2015 Umsatz, Mitarbeiterzahl und Exportanteil

Redakteur: Jan Vollmuth

Die Unternehmensgruppe der Pilz GmbH & Co. KG mit Sitz in Ostfildern bei Stuttgart kann zufrieden auf das Geschäftsjahr 2015 zurückblicken. Das Familienunternehmen erhöhte seinen Umsatz um 11 % auf 288 Mio. Euro.

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Freuen sich über den höchsten Umsatz der Firmengeschichte von Pilz (v.l.n.r.): Susanne Kunschert, Geschäftsführende Gesellschafterin, Renate Pilz, Vorsitzende der Geschäftsführung, Thomas Pilz, Geschäftsführender Gesellschafter.
Freuen sich über den höchsten Umsatz der Firmengeschichte von Pilz (v.l.n.r.): Susanne Kunschert, Geschäftsführende Gesellschafterin, Renate Pilz, Vorsitzende der Geschäftsführung, Thomas Pilz, Geschäftsführender Gesellschafter.
(Bild: Pilz)

Die Zahl der Mitarbeiter stieg im letzten Jahr ebenfalls auf einen neuen Rekordwert: Um 6 % auf 2030. Mit einer F&E-Quote von 19,8 % bezogen auf den Umsatz in 2015 unterstreicht Pilz seinen Anspruch als eines der innovativsten Unternehmen der Automatisierungstechnik.

Auch für 2016 anspruchsvolle Ziele

„Wir sind sehr zufrieden, dass wir die für 2015 gesteckten Ziele erreicht haben. Pilz ist ein gesundes Unternehmen, das aus eigener Kraft in allen Bereichen und in allen Regionen wächst“, fasst Renate Pilz, Vorsitzende der Geschäftsführung der Pilz GmbH & Co.KG zusammen. „Auch für 2016 haben wir anspruchsvolle Ziele und daher freuen wir uns, dass wir gut in das Geschäftsjahr 2016 gestartet sind“, blickt sie voraus.

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Das Familienunternehmen beschäftigte 2015 erstmals über 2000 Mitarbeiter: Am 31.12. 2015 zählte Pilz weltweit 2.030 Mitarbeiter. Am Stammsitz in Ostfildern beschäftigte der Automatisierer Ende 2015 972 Menschen, darunter 35 Auszubildende. Pilz will 2016 weitere Arbeitsplätze schaffen. Unter anderem stellt Pilz im laufenden Jahr 12 Ausbildungsplätze für gewerbliche Berufe sowie Studierende der Dualen Hochschule Baden-Württemberg zur Verfügung.

Weltweit aktiv

Wesentlicher Erfolgsfaktor ist und bleibt die internationale Ausrichtung des Herstellers von Automatisierungslösungen. 2015 erwirtschaftete Pilz mehr als 70 % des Umsatzes außerhalb von Deutschland: Der Exportanteil stieg um 1,4 %punkte auf 70,9 %. Pilz ist damit Partner des international ausgerichteten Maschinenbaus und von weltweit produzierenden Unternehmen. „Wir sind weltweit für unsere Kunden da! Über unsere Tochtergesellschaften können wir nicht nur mit Produkten, sondern auch mit unserem umfangreichen Know-how unterstützen. Unsere Kunden schätzen das“, erklärt Renate Pilz.

Rund 74 % des Umsatzes erzielte Pilz 2015 in Europa, rund 15 % in Asien und knapp 10 % in Amerika. Das größte Wachstum erzielte das Unternehmen in Asien, allen voran in Korea, Japan und China. Durch die Gründung von weiteren Tochtergesellschaften im ASEAN-Raum wird Pilz 2016 die bestehenden Geschäftsbeziehungen in Südostasien erweitern und ist künftig in der Lage, seine Kunden dort umfassend mit Komponenten, Systemen und Dienstleistungen direkt zu bedienen. Die Zahl der Vertriebsgesellschaften steigt damit auf 40.

Produktportfolio sichert nachhaltigen Erfolg

Das Portfolio von Pilz umfasst Produkte aus den Bereichen Sensorik, Steuerungs- und Antriebstechnik sowie die entsprechenden Dienstleistungen entlang des Lebenszyklus von Maschinen und Anlagen. Pilz ist Lösungsanbieter der Automation, wobei die Sicherheit Kernkompetenz und Bestandteil jeder Lösung ist: Mit seinem PNOZ hatte Pilz 1987 das weltweit erste Sicherheitsschaltgerät auf den Markt gebracht und ist bis heute Weltmarktführer in diesem Produktsegment. 2015 verkaufte der „Botschafter der Sicherheit“ erstmals über eine Million dieser Geräte, die über die Sicherheit an Maschinen wachen und im Gefahrenfall beispielsweise einen sicheren Stopp von Maschinen gewährleisten.

2015 blieb der Produktbereich Steuerungstechnik mit Antriebstechnik absolut gesehen der wichtigste Umsatzträger (65 %) bei Pilz, doch schon heute tragen die Bereiche Sensorik (14 %) und Dienstleistungen (12 %) jeweils im zweistelligen Bereich ihren Anteil zum Umsatz bei. „Unser Produktportfolio ist eine gesunde Mischung von am Markt etablierten Produkten, die von Kunden stark nachgefragt werden sowie neuen, zukunftsträchtigen Produkten, die einen Technologiefortschritt bedeuten“, erklärt Renate Pilz.

Als unabhängiger, auf Innovationen ausgerichteter Mittelständler investiert Pilz seit Jahren kontinuierlich rund ein Fünftel seines Umsatzes in Forschung und Entwicklung. 2015 betrug die F&E-Quote 19,8 %.

Neue Herausforderungen für die Sicherheit

Intensiv entwickelt Pilz Automatisierungslösungen für die vernetzte und intelligente Produktion. Durch die Mitarbeit in Gremien und Forschungskooperationen wie Smart Factory KL oder Arena 2036 will Pilz auch künftig Standards setzen. Besonderes Augenmerk legt das Unternehmen dabei auf den Themenbereich Safety und Security. „Das Zukunftsprojekt Industrie 4.0 ist fest in unserem Unternehmen und dessen Strategie verankert“, macht Susanne Kunschert, geschäftsführende Gesellschafterin der Pilz GmbH & Co.KG, den Trend zu Industrie 4.0 deutlich.

Mit seinen Produkten, allen voran dem Automatisierungssystem PSS 4000, wird Pilz bereits heute den Anforderungen der Industrie der Zukunft gerecht: Auf der Hannover Messe präsentiert das Unternehmen den Besuchern eine Industrie-4.0-Produktionslinie. Komplett automatisiert mit Sensoren, Steuerungen und Antrieben von Pilz veranschaulicht die modular aufgebaute Modellanlage, wie sich dank verteilter Intelligenz, Steuerungsaufgaben effizient und anwenderfreundlich lösen lassen.

Hannover Messe 2016: Halle 9, Stand D17. Auf dem Stand der SmartFactory KL: Halle 8, Stand D20

Auf den folgenden Seiten lesen Sie die Statements, die Susanne Kunschert, Geschäftsführende Gesellschafterin, Renate Pilz, Vorsitzende der Geschäftsführung, und Thomas Pilz, Geschäftsführender Gesellschafter anlässlich der Präsentation der Unternehmenszahlen im Rahmen der Pressekonferenz abgegeben haben.

Susanne Kunschert: Pilz erreicht gesteckte Umsatzziele

Im vergangenen Geschäftsjahr 2015 hat die Pilz Gruppe einen Umsatz von 288 Millionen Euro erzielt. Das bedeutet einen Zuwachs von 11 % gegenüber dem Vorjahr (2014: 259 Millionen Euro).

Damit konnten wir unser Wachstumsziel erreichen und sind sehr zufrieden mit dem abgelaufenen Geschäftsjahr, zumal die wirtschaftlichen und politischen Rahmenbedingungen in unterschiedlichen Regionen der Welt schwierig waren und auch 2016 sein werden. Wir sind deshalb dankbar, dass wir im abgelaufenen Jahr den höchsten Umsatz der Firmengeschichte erzielen konnten.

Auch bei Pilz haben die Wechselkursschwankungen und die Unruhe an den internationalen Finanzmärkten Einfluss auf die wirtschaftliche Entwicklung. 2015 beeinflusste zum einen der schwache Euro den internationalen Absatz unserer Produkte und Systeme positiv, doch genauso negativ haben uns die Schwankungen anderer Währungen getroffen. Die Unsicherheiten bei den Währungskursen machen deutlich, wie wichtig ein geeintes Europa mit einer gemeinsamen Währung ist. An dieser Stelle möchte ich betonen, dass Europa weit mehr sein muss als eine Wirtschaftsgemeinschaft. Um die politischen Themen gemeinsam lösen zu können, müssen wir uns auf unser Wertefundament besinnen.

Auch für 2016 haben wir anspruchsvolle Ziele und daher freuen wir uns, dass wir gut in das Geschäftsjahr 2016 gestartet sind.

Erfolgsfaktor Mensch

Einen großen Dank für diese anhaltend positive wirtschaftliche Entwicklung bei Pilz spreche ich unseren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern aus. Als Botschafter der Sicherheit setzen sie sich Tag für Tag für ihre Aufgaben und die Anforderungen unserer Kunden ein.

Die Zahl der Beschäftigten hat erstmals in der Unternehmensgeschichte die Marke von 2000 übertroffen. Zum Stichtag 31.12.2015 beschäftigte Pilz 2030 Mitarbeiter. Das bedeutet einen Zuwachs von rund 6 % gegenüber 2014 (31.12.2014: 1922). 972 Personen, knapp die Hälfte der Belegschaft, ist am Stammsitz in Ostfildern beschäftigt.

2016 werden wir weiter neue Arbeitsplätze schaffen. Neben Softwareentwicklern suchen wir insbesondere in den Bereichen Customer Support sowie Produktionstechnik, wo uns qualifizierte Fachkräfte bei der Einführung neuer und der Optimierung bestehender Produktionsverfahren helfen.

Personalbedarf auch durch eigenen Nachwuchs decken

Bei der Besetzung der Stellen bauen wir zunehmend auf Nachwuchs aus den eigenen Reihen. Pilz bildet in Kooperation mit der Dualen Hochschule Baden-Württemberg (DHBW) in diesem Jahr neun Studenten in den Fachrichtungen Elektrotechnik, Informatik und Wirtschaftsingenieurwesen aus. Das sind drei Studenten mehr als in 2015. 2016 stellt Pilz 12 Auszubildende (sechs gewerbliche Auszubildende in den Richtungen ‚Mechatroniker‘ und ‚Elektroniker Geräte und Systeme‘ sowie sechs DHBW-Studenten) ein. Insgesamt beschäftigt Pilz momentan 35 Auszubildende.

Zu den weiteren Aktivitäten für ein nachhaltig erfolgreiches Recruiting zählen die Förderung von acht Studierenden im Rahmen des Deutschlandstipendiums an vier Hochschulen sowie Bildungspartnerschaften mit drei weiterführenden Schulen hier in der Region um Ostfildern. Wir wollen frühzeitig mit Schülern und Studenten in Kontakt kommen, um auf Pilz als attraktiven Arbeitgeber aufmerksam zu machen.

Fluktuationsquote unter dem Durchschnitt

Auch wenn der Wettbewerb um gute Bewerber hier in der Region stark ist, kann Pilz Stellen mit qualifizierten Bewerbern besetzen. Dazu trägt nicht zuletzt bei, dass wir ein familiengeführtes, werteorientiertes Unternehmen sind. Auch die Investitionen hier am Stammsitz in unser neues Produktions- und Logistikzentrum und die Erweiterung zum Pilz Campus haben unseren Ruf als attraktiver und verlässlicher Arbeitgeber hier in der Region nochmals gestärkt. Festmachen lässt sich dieses gute Image auch an der niedrigen Fluktuationsquote von unter 2 %. Die Fluktuationsrate bei Pilz liegt damit nach wie vor deutlich unter den vom Bundesministerium für Arbeit und Soziales veröffentlichen Quoten.

Renate Pilz: Weltweit für die Kunden da sein

Pilz ist ein international ausgerichtetes Unternehmen: Wir sind Partner des exportorientierten Maschinenbaus und von weltweit produzierenden Unternehmen. 2015 erwirtschaftete Pilz mehr als 70 % des Umsatzes außerhalb von Deutschland. Der Exportanteil stieg um 1,4 %punkte auf 70,9 %. Europa blieb 2015 die umsatzstärkste Region: 74,5 % des Umsatzes erzielen wir hier; 15,3 % in Asien und knapp 10 % in Amerika. Das Umsatzwachstum bei Pilz verteilt sich auf die einzelnen Regionen wie folgt: Europa: +8 %, Asien: +20 %, Amerika: +15 %.

Die wachstumsstärkste Tochtergesellschaft in Asien ist neben Japan insbesondere Süd-Korea. Unsere Teams dort haben es verstanden, den Markt für unsere Produkte und Dienstleistungen zu begeistern. Eine Besonderheit des koreanischen Marktes ist, dass es dort vergleichbare Standards mit Blick auf das Thema Sicherheit wie in Europa oder Nordamerika gibt. Hersteller oder Maschinenbauer, die nach Korea exportieren wollen, müssen bestimmte Anlagen nach den Standards der KOSHA (Korea Occupational Safety & Health Agency) zertifizieren lassen. Pilz kann dank eines funktionierenden und gelebten Wissenstransfers zwischen den Tochtergesellschaften Kunden auf der ganzen Welt bei der Erfüllung der Bestimmungen für den Markteintritt in Süd-Korea unterstützen. Das gilt im Übrigen für alle Sicherheits-Standards weltweit.

Chancen auf dem asiatischen Markt nutzen

Pilz will die sich auf dem asiatischen Markt bietenden Chancen auch 2016 nutzen und eröffnet in den nächsten Wochen in Singapur „Pilz Southeast Asia“. Von Singapur aus wird Pilz nun mit einer eigenen Vertriebs- und Service-Organisation Kunden im ASEAN-Raum bedienen. Zu dieser Wachstumsregion gehören die Länder Brunei, Indonesien, Kambodscha, Laos, Malaysia, Myanmar, Philippinen, Singapur, Thailand und Vietnam. Damit erweitert Pilz die bestehenden Geschäftsbeziehungen in Südostasien und ist in der Lage, seine Kunden umfassend mit Komponenten, Systemen und Dienstleistungen direkt zu bedienen. Die Zahl der Tochtergesellschaften von Pilz steigt damit auf 40.

Der ASEAN-Raum gilt als eine der am stärksten wachsenden Wirtschaftsregionen der Welt. Die Länder sind zwar geprägt durch unterschiedliche Sprachen, Währungen und auch kulturelle und wirtschaftliche Unterschiede, doch vereint die Region der Wille, Handelsbarrieren abzubauen. Bislang wurden die Kunden von Pilz über Handelspartner mit Produkten versorgt. Pilz und seine Produkte besitzen in diesen Ländern bereits einen sehr guten Ruf – insbesondere mit Blick auf die Sicherheit. Durch eine enge Betreuung dank eigener Ingenieure ist Pilz in der Lage komplette Automatisierungslösungen mit Beratung, Engineering und Schulung anzubieten.

China wächst weiter

Auch wenn das Wachstum in China nicht mehr die Steigerungsraten vergangener Jahre aufweist, ist Pilz zufrieden mit der Entwicklung dort. Mit der von China angestrebten Abkehr vom Image des Billig-Anbieters steigt auch die Nachfrage nach Automatisierungslösungen und die Aspekte der Sicherheit für Mensch, Maschine und Umwelt gewinnen weiter an Bedeutung. Pilz wächst weiterhin in China und hat mit der Eröffnung der ersten Produktionsstätte außerhalb von Europa in Jintan eine wichtige Voraussetzung für das Wachstum dort geschaffen. Die Produktionsstätte 250 Kilometer westlich von Shanghai produziert Pilz Produkte und Systeme für den chinesischen Markt. Das Werk hat auf Anhieb die Zertifizierungen wie ISO 9001 geschafft und arbeitet nach denselben Standards und Prozessen wie die Werke im französischen Betschdorf oder am Stammsitz in Ostfildern.

Neue Perspektiven im Iran

Pilz ist seit vielen Jahren im gesamten Mittleren Osten sowohl über Repräsentanzen vertreten als auch im Direktgeschäft. Entsprechend hoch ist heute die Anzahl der installierten Pilz Produkte in Branchen wie Automotive, Werkzeugmaschinen oder Pressen allgemein. Nach dem Ende der Sanktionen der USA und der EU gegen den Iran sehen wir dort insgesamt einen großen Investitionsbedarf, sowohl in Infrastruktur als auch in den Unternehmen.

Uns liegen aktuell zahlreiche Projektanfragen aus dem Iran vor, bei denen es z. B. um die Umrüstung von Produktionsanlagen geht. Anlass dafür sind häufig Sicherheitslücken. Anders, als hierzulande, ist dort Maschinensicherheit nicht gesetzlich gefordert. Erwähnen möchte ich in diesem Zusammenhang die Ausrüstung eines von sieben iranischen Schulungszentren zur Arbeits- und Maschinensicherheit in Teheran mit Steuerungstechnik und Sensorik von Pilz. Rund 1.000 Menschen werden jährlich dort geschult. Damit leisten wir vor Ort einen Beitrag zur Schaffung einer Kultur für den Schutz von Mensch, Maschine und Umwelt. Ein stärkeres Engagement im Iran prüfen wir derzeit intensiv.

Wir sind weltweit für unsere Kunden da! Über unsere Tochtergesellschaften können wir nicht nur mit Produkten, sondern auch mit unserem umfangreichen Know-how unterstützen. Unsere Kunden schätzen das. Zusammenfassend möchte ich sagen, dass Pilz ein gesundes Unternehmen ist, das aus eigener Kraft in allen Bereichen und in allen Regionen wächst.

Renate Pilz: Wir automatisieren. Sicher.

Seine Wurzeln hat Pilz als Anbieter von Steuerungstechnik. In den 60er und 70er Jahren brachte Pilz in Deutschland das erste frei zu programmierende Steuerungssystem, die PC4K, auf den Markt. Ende der 70er folgte mit der PITRONIK P8 eine der ersten deutschen Speicherprogrammierbaren Steuerungen (SPS) überhaupt. 1987 dann leitete Pilz mit den Sicherheitsschaltgeräten PNOZ (Pilz Not-Aus-Zwangsgeführt) die Ära der sicheren Automatisierungstechnik bei Pilz ein.

Dieses erste Not-Aus-Schaltgerät sorgte für den zuverlässigen Stopp von Maschinen im Gefahrenfall. Es ist das weltweit am häufigsten eingesetzte Sicherheitsschaltgerät: Wo immer man einen Schaltschrank öffnet, findet man mit hoher Wahrscheinlichkeit ein PNOZ darin installiert. Die Erfolgsgeschichte setzt sich bis heute fort: 2015 hat Pilz erstmals über eine Million der Sicherheitsschaltgeräte in einem Jahr verkauft. Haupteinsatzgebiete sind Sicherheitsfunktionen wie Not-Aus, Schutztür- oder Drehzahlüberwachung. Damit sind und bleiben wir Weltmarktführer im Bereich Sicherheitsschaltgeräte.

Steuerungen im Sinne von Industrie 4.0

Mit seiner Steuerungstechnik bietet Pilz eine Lösung für Sicherheits- und Automatisierungsfunktionen. Die Zukunft gehört Automatisierungssystemen wie unserem PSS 4000, das es ermöglicht auch vernetzte, verteilte und somit komplexe Maschinen und Anlagen zu steuern – ganz im Sinne von Industrie 4.0.

2015 haben wir unsere webbasierte Visualisierungslösung PASvisu auf den Markt gebracht mit der wir unseren Anspruch untermauern, Komplettanbieter für die sichere Automation zu sein. Pilz bietet damit Werkzeuge, die den gesamten Automatisierungs-Prozess von der Entwicklung, dem Engineering, über den Betrieb bis zu Wartung und Diagnose abdecken und zwar für Sicherheit und Automation.

Sensorik und Antriebstechnik sind zunehmend wichtig

Über die Steuerungstechnik hinaus bieten wir komplette Lösungen im Bereich der Automation, die auch für die Sensorik und Aktorik einschließen. Ergänzt wird das Portfolio durch entsprechende Dienstleistungen.

Diese Erweiterung des Portfolios um Sensorik und Antriebstechnik in den letzten Jahren war und ist auch wirtschaftlich gesehen für Pilz ein Erfolgsfaktor. Die Steuerungstechnik bleibt mit 66 % absolut gesehen der wichtigste Umsatzträger, doch tragen heute Sensorik (15 %) und Dienstleistungen (12 %) jeweils im zweistelligen Bereich zum Umsatz bei.

Unser Sensorik Portfolio reicht von Sicherheitsschaltern zur Überwachung von Positionen und trennenden Schutzeinrichtungen bis hin zu optischen Sensoren wie Lichtschranken oder Kamerasystemen zur Überwachung von Flächen und Räumen. Mit Innovationen, darunter eine Weltneuheit im Bereich Lichtgitter, sowie Schutztürsystemen und der Sensor Diagnose werden wir die Erfolgsgeschichte Pilz Sensorik, kurz PSEN, auch 2016 weiter fortschreiben.

Wachstum im zweistelligen Bereich

Genauso erfreulich ist die Entwicklung unseres jüngsten Produktbereiches Antriebstechnik, Pilz Motion Control, kurz PMC. Unser Portfolio umfasst hier Motion-Control-Steuerungssysteme, Servoverstärker und Servomotoren. Die Wachstumsraten in 2015 lagen im deutlich zweistelligen Bereich, sodass auch dieser Bereich bereits auf kurze Sicht einen signifikanten Anteil am Umsatz haben wird.

Unser Produktportfolio ist eine gesunde Mischung von am Markt etablierten Produkten, die von Kunden stark nachgefragt werden sowie neuen, zukunftsträchtigen Produkten, die einen Technologiefortschritt bedeuten. Pilz bietet komplette Automatisierungslösungen mit der Kernkompetenz Sicherheit. „Wir automatisieren. Sicher.“

Susanne Kunschert: Industrie 4.0 – fest bei Pilz verankert

Das Zukunftsprojekt Industrie 4.0 ist fest in unserem Unternehmen und seiner Strategie verankert. Es wurde eine Stabsstelle „Industrie 4.0“ gegründet. Über die Mitarbeit in Normengremien für Safety und Security setzen sich Experten von Pilz darüber hinaus für die Schaffung gemeinsamer, praktikabler Standards für die Industrie der Zukunft ein.

Mit seinen Produkten, allen voran dem Automatisierungssystem PSS 4000 und der webbasierten Visualisierung PASvisu, wird Pilz bereits heute den Anforderungen der Industrie der Zukunft gerecht: Auf der Hannover Messe präsentiert Pilz den Besuchern eine Industrie-4.0-Produktionslinie. Komplett automatisiert mit Sensoren, Steuerungen und Antrieben von Pilz veranschaulicht die modular aufgebaute Modellanlage, wie sich dank verteilter Intelligenz, Steuerungsaufgaben effizient und anwenderfreundlich lösen lassen.

Industrie 4.0 in der Fertigung bei Pilz

Mit der zunehmenden Vernetzung von Maschinen und Infrastruktur unter Einsatz von IT-Technologien in der Fertigung wird Pilz seinem Anspruch als Technologieführer auch in der eigenen Fertigung gerecht. Im Sinne von Industrie 4.0 haben wir in unserem neuen Peter Pilz Produktions- und Logistikzentrum die notwendige Infrastruktur für die intelligente Produktion geschaffen. Für die Fertigungssteuerung werden Maschinendaten gezielt in unserer Cloud gesammelt und verarbeitet. Durch deren Auswertung werden wichtige Informationen über Zustandsänderungen und den Verschleiß von Maschinen gewonnen. So kann die Wartung vorbeugend erfolgen. „Predictive Maintenance“ vermeidet Störungen und Stillstandszeiten.

Pilz ist sich den Herausforderungen an die IT-Security durch eine komplett vernetzte Produktion bewusst. Daher investiert Pilz in eine umfangreiche Security-Infrastruktur zur Überwachung des gesamten Datenverkehrs. Eine permanente Analyse von Protokoll- und sämtlicher anderer Daten ermöglicht eine frühzeitige Erkennung von Anomalien. Zusätzlich wurden für einzelne Fertigungsbereiche unterschiedliche Firewall-Systeme installiert, wodurch der notwendige Security-Level je Zone individuell festgelegt wird. Ausfälle und Sicherheitsrisiken werden vermieden, das Know-how geschützt.

Ohne Mensch keine Industrie 4.0

Das Thema Security macht aber auch deutlich, dass Industrie 4.0 keine rein technische Angelegenheit ist, sondern ein Change-Prozess, bei dem der Mensch im Mittelpunkt stehen muss. Bei Pilz haben wir unsere auf Werten basierende Führungsrichtlinie mit Blick auf die Anforderungen der digitalen Arbeitswelt erweitert. Und wenn an Hochschulen hierzulande neue Studiengänge entstehen, wie etwa „Mechatronik und Informationstechnik“ am KIT, die sich aus den Fakultäten Elektrotechnik/Informationstechnik sowie Maschinenbau speisen, dann ist das der richtige Weg.

Gefordert wird zukünftig eine stärkere Interdisziplinarität zwischen Engineering und der Informations- und Kommunikationstechnik. So müssen die IT-Administratoren stärker in (Fertigungs-)Prozessen und wirtschaftlichen Zusammenhängen denken. Die Fertigungstechnik wiederum muss den Wert digitaler Daten und die Gesetzmäßigkeiten der Informationstechnik kennen. Und letztlich müssen die verschiedenen Bereiche lernen, in interdisziplinären Projekten zusammenzuarbeiten. Industrie 4.0 bedeutet also nicht nur einen Technologie- sondern auch einen Kulturwandel in allen Unternehmensbereichen.

Thomas Pilz: Robotik als Beispiel für ganzheitliche Forschung & Entwicklung

Die Innovationskraft ist unser Motor. Pilz war und ist Wegbereiter für die Automatisierung der Zukunft. Beleg dafür: Pilz investiert seit Jahren kontinuierlich rund 20 % seines Umsatzes in Forschung & Entwicklung. Im Geschäftsjahr 2015 waren es 19,8 %. Zum Vergleich liegt der Branchenschnitt der bereits forschungsintensiven Elektroindustrie bei 8,6 % (Quelle ZVEI, September 2015).

Ein Großteil unserer Produktinnovationen der vergangenen Zeit haben wir in enger Partnerschaft mit technikorientierten Instituten und Forschungseinrichtungen auf den Weg gebracht. Eine davon: Safety Eye. Dieses intelligente Kamerasystem für die dreidimensionale Raumüberwachung wurde gemeinsam mit dem Stuttgarter Institut für Mikroelektronik, dem IMS, und einem Partner aus der Automobilindustrie entwickelt und 2006 auf den Markt gebracht.

Dreidimensionale Raumüberwachung als Alleinstellungsmerkmal

Wir haben in den vergangenen Jahren das System beständig weiter entwickelt und mit jeder neuen Generation verbessert. Die sichere dreidimensionale Raumüberwachung als Alleinstellungsmerkmal von Safety Eye bietet vielfältige neuartige Einsatzmöglichkeiten für die Zusammenarbeit von Mensch und Maschine ohne trennende Zäune oder andere trennende Schutzeinrichtungen. Dabei steckt sowohl in dem Prinzip der dreidimensionalen Überwachung als auch in der Technologie noch großes Potenzial zur Weiterentwicklung. Dieses werden wir bei Pilz auch ausschöpfen.

Das dreidimensionale Kamerasystem Safety Eye ist auch 10 Jahre nach seiner Vorstellung das bislang einzige sichere Kamerasystem zur 3-D Raumüberwachung. Mehrere hundert Safety-Eye-Systeme sind in der ganzen Welt im Einsatz, darunter in Russland oder den USA. Es kommt beispielsweise in der Automobilindustrie, in der Luftfahrtindustrie oder in Roboterapplikationen zum Einsatz, also überall dort, wo Mensch und Maschine ohne trennende Schutzeinrichtungen besonders eng zusammenarbeiten.

Robotik ist neben Industrie 4.0 das große Zukunftsthema

Die Robotik ist neben Industrie 4.0 das große Zukunftsthema der industriellen Automatisierungstechnik. Wir werden mit weiteren Innovationen unsere Rolle als Pionier der sicheren Automatisierungstechnik unterstreichen. Kurz vor der Marktreife steht beispielsweise unsere taktile Sensorik für Roboterapplikationen. Diese unterstützt bei Visualisierung und Ortsbestimmung von Mensch und Roboter und ist ein vielversprechender Weg zu mehr Dynamik bei der Mensch-Roboter-Kollaboration.

Einen Prototyp in Form einer Trittmatte werden wir auf der Messe Automatica im Juni in München zeigen. Auch bei der taktilen Sensorik nutzen wir die Forschungsarbeiten von Universitäten oder namhafter Institutionen, wie in diesem Falle dem Fraunhofer IFF aus Magdeburg, und führen sie über in marktreife und industriefähige Innovationen weiter.

Von der Kooperation zur Kollaboration

Die Entwicklungen im Bereich Roboterapplikationen sind momentan geprägt von dem Wunsch, dass Mensch und Maschine möglichst eng miteinander agieren. Statt Roboter hinter Gitter zu sperren, sollen sich Mensch und Maschinen den Arbeitsraum teilen. Das stellt folglich neue, besondere Herausforderungen an die Sicherheit.

Den einen sicheren Roboter oder die eine sichere Sensorik, die alle möglichen Anwendungsfälle mit Blick auf den Aspekt Sicherheit abdeckt, wird es wohl auch künftig nicht geben. Um das Schutzziel zu erreichen, werden oft Kombinationen nötig sein, die dann beispielsweise aus dem sicheren 3D-Kamerasystem Safety Eye sowie taktiler Sensorik bestehen.

Normative Grundlagen sind gelegt

Voraussetzungen dafür sind zum einen zuverlässigere Steuerungen und intelligente, dynamische Sensoren, sowie zum anderen die normativen Grundlagen. Hier herrschte bislang ein Vakuum. Um Lösungswege aufzuzeigen, wurde das internationale Normengremium ISO/TC 184/SC2 WG3 beauftragt, die Technische Spezifikation ISO/TS 15066 „Robots and Robotic Devices – Collaborative industrial robots“ zu erarbeiten. Als Mitglied in diesem Internationalen Normengremium arbeitet Pilz aktiv an der Ausgestaltung mit. Diese neue Norm ist bahnbrechend und wegweisend für die Mensch-Maschine-Kollaboration im industriellen Umfeld.

Wesentliches Unterscheidungsmerkmal zwischen „klassischen“, umhausten Roboterapplikationen und der Mensch-Roboter-Kollaboration ist, dass Kollisionen zwischen Maschine und Mensch ein reales Szenario sein können. Sie dürfen jedoch zu keinen Verletzungen führen. Im Anhang der Technischen Spezifikation ISO/TS 15066 wird ein Körperzonenmodell aufgeführt. Es macht zu jedem Körperteil (z.B. am Kopf, an der Hand, am Arm oder am Bein) eine Angabe zu den jeweiligen Kollisionsgrenzwerten. Bleibt die Anwendung während einer Begegnung zwischen Mensch und Roboter innerhalb dieser Grenzen, so ist sie normenkonform.

Kollision als mögliches Szenario

Diese Schmerzschwellenwerte werden in der Praxis zur Validierung einer sicheren MRK herangezogen. Zur Messung von Kräften und Geschwindigkeiten hat Pilz ein Kollisionsmessgerät entwickelt und im Automobilbau bereits erfolgreich erprobt. Ausgestattet mit Federn und entsprechenden Sensoren, können die einwirkenden Kräfte bei einer Kollision mit einem Roboter exakt erfasst und mit den Vorgaben aus der ISO/TS 15066 verglichen werden.

Dank dieser intensiven Produktentwicklungen, der Mitarbeit in internationalen Normengremien und der großen Wissensbasis aus über zehn Jahren CE-Kennzeichnung für Maschinen und Anlagen konnten wir in den vergangenen Jahren ein umfassendes Dienstleistungsangebot aufbauen, mit dem wir den Weg zur sicheren Mensch-Roboter-Kollaboration ebnen. (jv)

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