Eurem Award Preiswürdige Sparprogramme

Redakteur: Carina Schipper

Fast ein Jahr lang bildeten sich die angehenden Energiemanager weiter. Sie besuchten Veranstaltungen mit Anwesenheitspflicht, schrieben eine theoretische Prüfung und setzten ein eigenes Effizienzprojekt um. Die besten Praxisarbeiten zeichnete die Eurem aus.

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Den ersten Platz in der Kategorie kleine Unternehmen erhielt Adam Moravec von Renergie.
Den ersten Platz in der Kategorie kleine Unternehmen erhielt Adam Moravec von Renergie.
(Bild: Eurem)

Am 22. und 23. April versammelten sich zur 6. internationalen Eurem-Konferenz mehr als 170 Energiemanager aus 19 Ländern in Prag, um Erfahrung rund um das Thema Energieeffizienz auszutauschen. Die Verleihung des Eurem-Awards fand im Rahmen der Veranstaltung statt. Prämiert wurden besonders herausragende Energiesparprojekte der Kursteilnehmer des vergangenen Jahres. Die Projektarbeit bildet einen entscheidenden Bestandteil des Trainings. Die betreute Arbeit wird in der Regel anhand einer möglichen Energiesparmaßnahme aus dem Unternehmen des Teilnehmers aufgebaut. Die Umsetzung der darin enthaltenen Vorschläge zieht oftmals direkte Energieeinsparungen für den Betrieb nach sich. Eine Jury wählt unter diesen Arbeiten die besten aus. Der Preis teilt sich in drei Kategorien mit jeweils drei Plätzen auf: Kleine, mittlere und große Unternehmen. Die Gewinner stammen aus den verschiedensten Disziplinen, darunter beispielsweise Kühltechnik, elektrische Antriebe oder Pumpen und verteilen sich auf ganz Europa und darüber hinaus.

Biogas und Bier bei kleinen Betrieben

Bei den kleineren Unternehmen heißt der Erstplatzierte Adam Moravec von Renergie s.r.o.. Renergie kommt aus dem Bereich Strom und Wärmeerzeugung. Innerhalb seines Projekts verbesserte Moravec die Energiebilanz eines bestehenden Biogas-Kraftwerks. Die Anlage erzeugt 495 kW Strom und 600 kW Wärme für einen Landwirtschaftsbetrieb und ein Treibhaus, in dem Topfpflanzen gezüchtet werden. Durch die Maßnahmen des Tschechen auf den Gebieten Beleuchtung und Prozesswärme spart sein Betrieb jährlich 500 MWh Strom und 1.300 GJ thermische Energie.

Den zweiten Platz in der Sparte der kleinen Unternehmen sicherte sich Benjamin Kloos von Kitzmann Bräu. Der deutsche Energiemanager beschäftigte sich mit der Kühltechnik in der Brauerei. Die Anlagen zur Kälteerzeugung beanspruchen den größten Teil des Stromaufkommens.Die Gärung der Biere erfordert Temperaturen um die 8-10 Grad. Die Lagertemperatur sollte bei Grad liegen. Kloos stattete beispielsweise die Pumpen in der Kühlung mit Frequenzumrichtern aus. Diese passen die Leistung der Pumpen an den tatsächlichen Bedarf an. Insgesamt liegt in Kloos' Projekt ein Einsparpotential von 54.329 kWh pro Jahr. Ivana Kacafura von der Goriška Local Energy Agency aus Slowenien belegte den dritten Platz.

Zwei Goldmedaillen für den Mittelstand

Den ersten Platz in dieser Kategorie teilen sich Yogesh Inamdar von Bharat Forge Ltd. a Kalyani Group Companye aus Indien und Gyula Rucz, Hirschmann Car Communication Kft. aus Ungarn. Das Unternehmen von Gyula Rucz entwickelt Sende- und Empfangs-Systeme für analoges und digitales Radio, Mobilfunk, Navigation und Satelliten-Dienste sowie für den digitalen Fernsehempfang in Fahrzeugen. Inamdar arbeitet bei einem Maschinenbauer und kümmerte sich dort um die elektrischen Antriebe und das Lastenmanagement. Sein Ziel bestand in der Schaffung eines geschlossenen Regelkreises für die Bestandteile des zentralen Kühlsystems. In diesem Zusammenhang setzte Inamdar beispielsweise ein Echtzeit-Interface zur automatischen Steuerung der Leistung der Kühltürme, etwa in den Pausen, ein. Insgesamt verbraucht sein Arbeitgeber jährlich 360.000 KWh Energie weniger. Die Silbermedaille verdiente sich der Österreicher Herwig Ferstel von Tannpapier. Das Unternehmen fertigt und vertreibt Spezialpapiere für die Tabakindustrie. Den dritten Platz belegte Fahmy Tamer von The Arab Contractors. Das ägyptische Unternehmen ist in der Baubranche tätig und errichtet eine Vielzahl von Gebäuden, wie zum Beispiel Brücken und Straßen, Flughäfen, Kläranlagen, baut Schiffe oder setzt elektromechanische Projekte um.

Erster Preis für große Unternehmen geht nach Finnland

Helen Ldt. bietet Fernwärme und -kühlung an, erzeugt Strom und ist Netzbetreiber. Timo Marttinen ist dort angestellt und steht bei den großen Unternehmen ganz oben auf dem Siegertreppchen. Der Finne verbesserte die elektrischen Antriebe und richtete ein Energiedatenmanagementsystem ein. Er wollte eine Energieeffizienz von über 70 % in jeder Pumpenstation erreichen. Anfangs gab es keine Online-Verbrauchsmessung und die Mitarbeiter konnten die Leistung der Pumpenstationen nicht einschätzen. Der Effizienzdurchschnitt lag bei 64 %. Die Messergebnisse landen in einem zentralen Überwachungssystem. Das hilft den Angestellten im Hinblick auf den gesamten Prozess die richtige Einstellung für die jeweilige Pumpe zu finden. In den ersten 4 Monaten ergab sich so eine Einsparung von 20.000 Euro für eine Pumpenstation. Das Projekt spart jährlich 1,69 GWh Strom.

Auf Marttinen folgt María Elisa Luque von Axion Energy aus Argentinien. Bei ihr ging es hauptsächlich um Prozesswärme. Axion Energy beteiligt sich an den Märkten Raffination, Vermarktung von Treibstoffen, Schmiermitteln und Derivaten. Luque hatte sich vorgenommen den Energieverbrauch der Prozessöfen zu senken und diese zu verbessern. Zu ihren Vorschlägen zählt beispielsweise Idee, die Reinigung und Abdichtung der Anlage mit einem geplanten Stillstand der Prozesse zusammenzulegen. Durch diese und weitere Maßnahmen sparen die Südamerikaner innerhalb eines Jahres 6.194 kWh Energie. Die Effizienz, Produktivität und Zuverlässigkeit der Prozesse steigen. Den dritten Platz in der letzten Kategorie verlieh die Jury Markus Jänicke vom Genossenschaftsverband e.V.

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