Automatica 2012: Produkt-Highlights spiegeln wichtige Branchentrends wider

Redakteur: Ines Stotz

Auf der Automatica, die vom Dienstag, 22. Mai bis Freitag, 25. Mai auf dem Gelände der Neuen Messe München stattfindet, präsentieren über 720 Aussteller aus 40 Nationen zahlreiche Innovationen. Eine Auswahl der Highlights aus den Schwerpunktbereichen Robotik, Industrielle Bildverarbeitung sowie Montage- und Handhabungstechnik dokumentiert die wichtigen Trends der Branche.

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(Bild: ABB-Zweiarmroboter)

Früher mussten Schutzkäfige um die Roboter herum die Menschen schützen – künftig arbeiten beide Partner quasi Hand in Hand. Diese Kollaboration sowie Flexibilität und die schnelle, einfache Programmierung sind zentrale Themen der Roboterhersteller und -forscher auf der Automatica.

Mensch und Roboter gehen auf Tuchfühlung

Davon zeugt eines der Highlights von ABB (Halle B2, Stand 321), der mit dem Red Dot Award ausgezeichnete Konzeptroboter zur Montage von Kleinteilen. Mit seinen insgesamt 14 Achsen ist der zweiarmige Roboter eine äußerst bewegliche Maschine, die auch flexible Greifer, Teilezuführsysteme, kamerabasierte Teilelokalisierung und eine Robotersteuerung auf dem neuesten Stand der Technik umfasst. Ein von Grund auf neues Konzept erlaubt es dem Roboter, gemeinsam mit und Seite an Seite von Menschen zu arbeiten. Dabei ist der Roboter nicht nur physisch sicher, sondern er signalisiert diese Sicherheit, so dass sich Menschen in seiner Nähe auch sicher "fühlen".

Auf enge Zusammenarbeit mit dem Menschen ist ebenfalls ein Roboter ausgelegt, der von den Forschern des Geschäftsfelds Robotersysteme des Fraunhofer IFF Magdeburg (Halle B3, Stände 339, 510 und 511) entwickelt wurde. Er ist komplett mit einer taktilen Sensorik zur sicheren Kollisionserkennung zwischen Mensch und Roboter ausgestattet. Berührt der Roboter Menschen, stoppt er sofort. Die Sensorik zur Kollisionserkennung ist zudem mit einer Dämpfungsschicht versehen, um Kollisionen und Stöße abzufedern und den Roboter bereits vor einem "harten" Kontakt zum Stillstand zu bringen. Ermöglicht wird das durch eine auf dem taktilen Sensorsystem basierenden "künstlichen Haut". Auf die künstliche Haut einwirkende Kräfte werden direkt als Steuerimpulse interpretiert. Damit kann der Roboter durch Führung von Menschen programmiert werden.

Markante Fortschritte bei Robotersteuerungen

Gleich mehrere Roboterhersteller verleihen ihren neuen Steuerungen das Prädikat Highlight. So präsentiert Reis Robotics (Halle B3, Stand 103 und 113 sowie Halle A2, Stand 510) die neue Steuerungsgeneration ROBOTstar VI mit dem innovativen Programmierhandgerät reisPAD im Tablet-Format. Der Programmierer arbeitet nur noch mit einer Bedienoberfläche ohne mechanische und elektrische Bedienelemente. Intuitive Bedienung wird durch wegweisende, haptische Elemente am Bildschirmrand möglich.

Fanuc Robotics (Halle B2, Stände 330 und 331) stellt seine neue Robotersteuerung R-30iB erstmals in Europa auf der Automatica vor. Zahlreiche Verbesserungen machen die Steuerung samt Teach-Pendant bedienungsfreundlicher und steigern die Produktivität der Roboter. Eine Reihe von Features der Steuerung verbessern die Energieeffizienz, beispielsweise die Möglichkeit der Energierückspeisung bei bremsenden Roboterantrieben. Zudem ist die R-30iB nicht einmal halb so groß, wie die Vorgängerversion.

Mit dem neuen Software-Paket Kuka.CNC macht der Augsburger Roboterhersteller Kuka (Halle B3, Stände 211 und 221) seine Industrieroboter zu einer Bearbeitungsmaschine mit offener Kinematik. Durch die direkte Integration eines CNC-Kerns auf der Robotersteuerung bekommt das Roboter-Bearbeitungs-System zusätzliche Funktionen mitgeliefert. Mit Kuka.CNC können CNC-Programme nach DIN 66025 direkt mit der Robotersteuerung abgearbeitet werden. Der komplette Standardcode-Umfang wird hierüber interpretiert und vom Roboter umgesetzt.

Picking – Packing – Palletizing durchgängig per Roboter

Lösungen für den gesamten roboterbasierten Verpackungsprozess stellt Yaskawa (Halle B2, Stand 320) zur Automatica 2012 in den Fokus. In einer Zelle mit fünf verschiedenen Motoman-Robotern zeigt das Unternehmen, dass das komplette Line-up vom Picking über das Packing bis zum Palletizing (PPP) nicht nur ein breites Portfolio an geeigneten Modellen voraussetzt. Auf einer Länge von über elf Metern lösen Roboter, Förderbänder und Sensoren am Messestand eine komplexe Verpackungsaufgabe: Bei 250 Takten pro Minute werden Kunststoff-Taler automatisch sortiert, dann in Papp-Trays verpackt und auf eine Palette verladen.

Premiere auf der Automatica: Epson (Halle B2, 318) zeigt seinen 6-Achsroboter C3 in klassischer IP67- oder in IP67/VHP-Ausführung als Bestandteil von Automatisierungslösungen für aseptische und antiseptische Bereiche, wie sie beispielsweise in der Pharmaindustrie sowie der Medizin- und Chemietechnik häufig zu finden sind. Der schnelle Epson 6-Achser bietet eine Reichweite von 600mm bei einer Nutzlast von bis zu 3kg. Eine MTBF (Mean Time Between Failures) von 36 Monaten garantiert zudem eine hohe Zuverlässigkeit.

Quantensprung beim "Griff in die Kiste"

Wichtige Trends in der Industriellen Bildverarbeitung sind die Ermittlung und Auswertung von 3D-Daten zur Steuerung, höhere Auflösungen und "intelligentere" Systeme. Sie können auch komplexe Aufgaben, wie etwa den "Griff in die Kiste" bewältigen und aus einer ungeordneten Teileansammlung heraus Werkstücke in den Produktionsprozess einspeisen.

Der "Griff in die Kiste", das geordnete und exakte Zuführen chaotisch bereitgestellter Werkstücke durch einen Roboter ist eine Königsdisziplin in der Industrieautomation. Unabdingbare Voraussetzung ist ein zuverlässiges 3-D-Bilderkennungssystem. Die auf der diesjährigen Automatica in München präsentierte Lösung IPA BP3 - BinPicking3d des Fraunhofer-Instituts für Produktionstechnik und Automatisierung IPA (Halle B3, Stand 339) zeichnet sich durch besonders schnelle Objekterkennung und sichere Berechnung von Greifpunkten sowie Verfahrwegen für die kollisionsfreie Entnahme aus. Dank seiner offenen Schnittstellenarchitektur ist die Lösung zu praktisch allen Roboter- und 3-D-Sensor-Systemen kompatibel.

Auch mit dem Sensor 3D SHAPEscan von Isra Vision (Halle B3, Stand 309) wird der automatisierte Griff in die Kiste, das "Bin Picking", perfekt gelöst. Mithilfe zweier Standard-Kameras und einer speziellen Laserbeleuchtung wird die genaue Lage der einzelnen Teile in der Kiste bestimmt. Innerhalb von zwei Sekunden wird eine typische Gitterbox über das komplette Volumen von etwa 1 Kubikmeter abgetastet. Der Sensor lässt sich auch mobil am Roboter befestigen.

VMT Bildverarbeitungssysteme (Halle B3, Stand 302) präsentiert als Highlight ein neues Komplettsystem zur Roboter-Positionsregelung. Mit VMT RP wird es möglich, Anbauteile oder Werkzeuge relativ zu einem Werkstück exakt zu positionieren.

Auch Kleinst-Serien kostengünstig automatisieren

Flexible Automatisierung, "intelligente" Zuführungen und vollautomatische Systeme mit immer größeren Funktionsumfängen sind wichtige Trends, die Unternehmen der Montage- und Handhabungstechnik auf der Automatica präsentieren. Dazu zählen Systeme, die auch die Automatisierung bei Kleinstserien zulassen

oder die sich flexibel an wachsende oder schrumpfende Produktionsvolumina anpassen können.

Maschinenbau Kitz (Halle A2, Stand 303) zum Beispiel stellt auf der Automatica ein neues Trayumlauf- und Handlingsystem vor, das optimal auf ein patentiertes, voll automatisierungsfähiges Mehrweg-Tray abgestimmt ist. So lassen sich selbst Kleinstserien kostengünstig automatisieren. Die Produkte verbleiben während des gesamten Wertschöpfungsprozesses in einer definierten und damit automatisierungsfähigen Lage. Sie können bei unterschiedlichen Prozessschritten automatisch bestückt, bearbeitet und weiterverarbeitet werden. Das Sortieren oder Umverpacken der Produkte während der Produktion, Lagerung und dem Transport entfallen. Bei einem Produktwechsel muss lediglich das Inlay ersetzt werden.

Mikron Automation (Halle A1, Stand 310) zeigt unter anderem das flexible Montagesystem Mikron EcoLine Pilot. Damit können Kunden die Kapazität bei steigendem Volumen leicht schrittweise erhöhen. Dies kann beispielsweise in der Pilotphase bei der Herstellung von Medizingeräten hilfreich sein. Ideal eignet sich die Mikron EcoLine Pilot aber auch für halbautomatische Lösungen, wie sie die Automobilindustrie im Sinne des Lean Manufacturing benötigt.

Der Adept Flexibowl Feeder von Adept Technology (Halle B2, Stand 311) ist ein innovatives Zuführgerät, das im Zusammenspiel mit jedem Adept Roboter- und der Bildverarbeitung AdeptSight eine Vielzahl verschiedenster Teile zuführen kann. Eine kreisförmige Bandverfolgung erlaubt die Entnahme von Teilen während der Bewegung, und ermöglicht so einen hohen Durchsatz. Dank seiner Vielseitigkeit ist der Adept Flexibowl in der Lage, verschiedenste Teile zuzuführen – auch zerbrechliche Objekte oder Produkte aus Gummi und Silikon.

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