Prognose Produktion soll in Elektro- und Digitalindustrie um 4 Prozent wachsen

Von Sandro Kipar

Der Verband der Elektro- und Digitalindustrie ZVEI blickt optimistisch ins Jahr 2022 und benennt Probleme sowie Chancen.

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Der ZVEI blickt optimistisch auf das Jahr 2022.
Der ZVEI blickt optimistisch auf das Jahr 2022.
(ZVEI/Mark Bollhorst)

Der ZVEI hat in einer Pressekonferenz eine erste Prognose für die Elektroindustrie im neuen Jahr abgeben. Demnach geht der Verband von 4 Prozent Produktionswachstum aus. Aufgrund der Corona-Pandemie und den anhaltenden Lieferengpässen sei diese Prognose allerdings noch mit großen Unsicherheiten verbunden.

Auch rückblickend ist der Verband mit den Zahlen zufrieden. „Als eine von wenigen Branchen ist es gelungen, die Verluste aus dem Vorjahr mehr als nur wettzumachen“, sagt ZVEI-Präsident Gunther Kegel über die Geschäftsentwicklung 2021. Demnach sei die Produktion zwischen Januar und November 2021 um etwa 9 Prozent gestiegen. Die nominalen Erlöse stiegen in diesem Zeitraum um knapp 10 Prozent. Auf das gesamte vergangene Jahr hochgerechnet habe der Umsatz erstmals knapp die 200-Milliarden-Euro-Marke erreicht. Die Beschäftigtenzahl legte um mehr als 5.000 auf 877.000 zu, während die Kurzarbeit deutlich auf 15.000 zurückging, so der Verband.

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Branche leidet unter Materialknappheit

„Es ist der Branche im vergangenen Jahr sehr gut gelungen, die Pandemie-Situation zu managen. Die von den Unternehmen getroffenen Sicherheitsmaßnahmen haben gegriffen“, so Kegel. Wichtig sei nun, das wirtschaftliche und gesellschaftliche Leben weiter aufrecht zu erhalten. Notwendige Schutzmaßnahmen schließe das jedoch nicht aus. „Das beste Mittel zur Bekämpfung der Pandemie ist nach wie vor die Impfung", sagt der ZVEI-Präsident.

Die Branche leidet laut dem Verband immer noch unter der Materialknappheit. Der ZVEI erwartet frühestens ab Jahresmitte eine Besserung der Lage. Etwa am Chipmangel würde sich deshalb so schnell nichts ändern. Normalität werde hier frühestens 2023 einkehren. Kegel fordert deshalb, dass Europa in diesem Bereich die Produktion forcieren muss.

Europa muss mit eigenen Kompetenzen souverän agieren können

„Wir sehen außerdem mit Sorge, wie die Globalisierung immer weiter unter Druck gerät und in Blöcke zu zerfallen droht", sagt Kegel. Handelsabkommen dürften außerdem nicht ewig ausgehandelt werden und am Ende scheitern, wobei Kegel auf das Transatlantische Freihandelsabkommen TTIP verweist, was zwischen den USA und der Europäischen Union verhandelt wurde. Die Gespräche dazu dauerten von 2013 bis 2016 an und kamen schließlich ohne Unterzeichnung eines Vertrags zum Erliegen. Begleitet wurden diese Verhandlungen von Kritikern und Protesten in mehreren EU-Ländern sowie den USA.

„Europa kann nur aus einer starken Position heraus seine Wirtschaftsinteressen gegenüber China und den USA selbstbewusst vertreten. Hierfür darf es keine einseitigen Abhängigkeiten geben, weder bei Spitzentechnologien wie Halbleiter noch in der Spitzenforschung“, so der ZVEI-Präsident weiter. Europa müsse mit eigenen Kompetenzen stark und souverän agieren können, ohne protektionistisch zu sein. Dazu müsse beispielsweise die EU das zweite IPCEI für Mikroelektronik jetzt schnell auf den Weg bringen. Bei den sogenannten Important Projects of Common European Interest (IPCEI) handelt es sich um Förderprojekte der Europäischen Kommission. Bei dem ersten IPCEI für Mikrotechnik standen unter anderem energieeffiziente Chips, Leistungshalbleiter, Smart Sensors, optische Komponenten und Verbundmaterialien im Fokus.

Koalitionsvertrag als positives Signal

Eine weitere große Baustelle sei das Themenfeld „Normungen“. Bei der Geschwindigkeit von Normungsprozessen müsse Europa zu den USA und vor allem zu China aufschließen. „Aktuell mischt sich die EU bei der Standardisierung ein und sorgt damit in dem Prozess für einen zusätzlichen Schritt, der alles verlangsamt. Wir wollen die EU davon überzeugen, diesen Schritt früher und besser in die Prozesse zu integrieren, Ressourcen zu investieren und die Situation von KMUs zu berücksichtigen", so Kegel.

Bei den Themen Elektrifizierung und Digitalisierung sieht der ZVEI den aktuellen Koalitionsvertrag der neuen Bundesregierung als positives Signal. „Um die ambitionierten Klimaziele zu erreichen, muss die Elektrifizierung mit durchgängiger Kopplung der klimarelevanten Sektoren Energie, Industrie, Gebäude und Mobilität jetzt entschlossen angegangen werden“, sagt Wolfgang Weber, Vorsitzender der ZVEI-Geschäftsführung. „Durch Elektrifizierung kann der Primärenergiebedarf bis 2045, dem Zieljahr für Klimaneutralität, um mehr als 40 Prozent gesenkt werden.“

Doch bis dahin gebe es noch viel zu tun. Weber nennt als Beispiel den vernachlässigten Netzausbau oder die Infrastruktur in Deutschland. Einen effektiven Hebel sieht der ZVEI im Strompreis. Weber: „Um erneuerbaren Strom als vorrangigen Energieträger attraktiv zu machen, muss der Strompreis rascher gesenkt werden – für alle.“ Die Abschaffung der EEG-Umlage allein reiche nicht. Auch die Stromsteuer müsse abgesenkt und für erneuerbaren Strom vollständig reduziert werden.

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