Maxon Motor Reise zur dritten Erde

Redakteur: Robert Weber

Dunkler Anzug, weißes Hemd, offener Kragen und klare Sprache: Der Maxon Motor CEO Eugen Elmiger ist mit dem Unternehmen auf der Überholspur. Zusammen mit seinen listigen Ingenieuren identifiziert der ehemalige Vollblut-Verkäufer immer neue Einsatzfelder. Mit der Redaktion sprach er über Google, Gesundheit und Gefahren.

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(Manuel Tellur_pixelio.de)

Herr Elmiger, der Marsrover dreht seine Runden auf dem roten Planeten und Maxon-Motoren sind an Bord. Als Sie studiert haben, hätten Sie da gedacht, dass Menschen ferne Planeten erkunden und Sie mit Ihren Produkten dazu beitragen?

Wir waren ja alle Science-Fiction-Fans. Lichtgeschwindigkeit in Star Wars, Star Trek und vieles anderes, das hat uns fasziniert. Und so haben wir im Studium nachts um 2:00 Uhr unterschiedliche Experimente durchgeführt und Ideen geschmiedet. Heute glaube ich daran, dass wir auch eine zweite oder dritte Erde finden können – mit unseren Motoren natürlich (lacht). Everything is possible. Vielleicht waren wir Studenten damals gerade deshalb Apple-Freaks, Steve Jobs unser Vorbild. Und so tüftelten wir selber an einer Maussteuerung per Fuß rum.

Wilde Zeiten. Heute sind Apple, Amazon und Google Wettbewerber um die besten Ideen und Lösungen?

Die Konzerne aus Kalifornien treiben auch uns zu Entwicklungen an. Sie bewegen viele unterschiedliche Branchen. Das ist gut so. Ich habe keine Angst vor den Ideen aus dem Silicon Valley. Das spornt uns an.

Weil Sie dann Motoren für die Google-Roboter und Autos liefern?

Unabhängig von Google, Robotik ist für uns neben der Medizintechnik ein wichtiges Wachstumsfeld. Gemeinsam mit Wissenschaftlern forschen wir an sehnengesteuerten Modellen, die dem Menschen immer ähnlicher werden und uns einst im Alltag oder in der Alterspflege unterstützen sollen.

Von welchem Zeitraum sprechen Sie?

Menschenähnliche, sehnengesteuerte Roboter, die mit der Umwelt und uns Menschen hochgradig interagieren können, kommen nicht in den nächsten fünf Jahren auf den Markt. Ich denke da eher an 20 bis 30 Jahre. Da liegt noch viel Entwicklungsarbeit vor uns. Nur schon der menschliche Gang ist eine sehr komplexe Angelegenheit.

Ein langer Zeitraum – Unternehmen, die so lange planen, sind selten geworden.

Schauen Sie, vor 40 Jahren wurden unsere Motoren in Videorekordern und Taschenrechnern eingesetzt. Damals hätte auch niemand gedacht, dass wir einst Antriebe für Chirugieroboter oder Weltraumfahrzeuge liefern. Man muss sich immer wieder neu erfinden, und so lautet unser Motor als Familienbetrieb: „Wir geben nie auf und planen nachhaltig.“ Wenn es drauf ankommt, machen wir das technisch Machbare möglich. Auch wenn wir dafür neue Wege gehen müssen. Das ist entscheidend in unserer Unternehmenskultur.

Zurück zur Gegenwart. Medizintechnik läuft gut, Robotik ist The next big thing. Wie sieht es bei der Automatisierung aus?

Grundsätzlich muss sich auch die Automatisierung immer wieder neu erfinden. Forscher sind überall auf der Welt daran, die industrielle Produktion zu revolutionieren. Mobile Manipulatoren könnten eine Lösung sein. Und dafür braucht es intelligente und effiziente Antriebe. Ich stelle mir magnetorheologische Antriebssysteme vor, die durch intelligente Ansteuerung in der Robotik, in Zukunft großes bewegen werden. Beispielsweise beim Einsatz in humanoiden Robotern für komplexe Fortbewegung oder in der robotergesteuerten Therapie. Ich sehe in diesem Bereich unendliche Chancen für uns.

Medizintechnik und Luftfahrt – das sind anspruchsvolle Kunden. Wie schwierig ist es mit ihnen im Vergleich zu Google zu verhandeln ?

In der Medizintechnik setzen wir uns mehr mit Regularien und Gesetzen auseinander, aber die Mitarbeiter aus den Unternehmen haben sich viel Wissen über unsere Motoren und die Einsatzszenarien selber antrainiert, was die First-Selektion vereinfacht. Wir sind dann bei der Entwicklung von Speziallösungen umso mehr gefragt.

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