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Wirtschaft

Rezessionsrisiko steigt auf höchsten Wert seit 2012

| Redakteur: Katharina Juschkat

Das Risiko für eine Rezession ist laut dem IMK rasant angestiegen: Mit fast sechzigprozentiger Wahrscheinlichkeit erwartet Deutschland in den nächsten drei Monaten eine Rezession.

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Die Indikatoren deuten laut dem IMK darauf hin, dass eine Rezession droht.
Die Indikatoren deuten laut dem IMK darauf hin, dass eine Rezession droht.
( Bild: gemeinfrei / Pixabay )

Das Risiko, dass Deutschland in den kommenden drei Monaten eine Rezession erlebt, ist im September rapide gewachsen: Im August 2019 lag die Wahrscheinlichkeit noch bei 43 Prozent, jetzt bereits bei 59,4 Prozent. Das berichtet das Institut für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK), ein Institut der Hans-Böckler-Stiftung. Zuletzt war der Wert im Jahr 2012 so hoch, der Hochphase der Eurokrise. Damit schaltet die IMK Konjunkturampel auf rot.

Dazu beigetragen haben diverse außenwirtschaftliche Ereignisse wie der drohende harte Brexit, die US-Handelskonflikte sowie geopolitische Spannungen, erklärt das IMK. Aber auch die strukturellen Schwächen der deutschen Automobilindustrie und dem Maschinenbau tragen zu dem Risiko bei. Unsicherheiten über die Antriebstechnik der Zukunft zusammen mit der verzögerten Markteinführung neuer Modelle stellen die deutsche Automobilindustrie vor eine harte Probe.

Das IMK berechnet das Rezessionsrisiko anhand verschiedener Frühindikatoren. Dazu zählen unter anderem:

  • Rückläufige Zahlen für die Produktion und für Auftragseingänge im verarbeitendem Gewerbe
  • Weniger offene Stellen am deutschen Arbeitsmarkt
  • Gedrückte Stimmung in der deutschen Wirtschaft

Aktuell wird die Prognose laut dem IMK noch durch günstige Finanzierungsbedingungen stabilisiert sowie durch die Entwicklung der Aktienkurse.

„Die Schwächen der Deutschen Industrie sind ernst“

Der Leiter des Referats Finanzmärkte und Konjunktur am IMK, Thomas Theobald, erklärt: „Mit den vorliegenden Ergebnissen mehren sich die Indizien dafür, dass das BIP Wachstum auch im dritten Quartal des Jahres negativ sein wird . Damit wäre Deutschland nach landläufiger Definition in der Rezession angekommen.“ Damit diese keine tiefen Spuren auf dem Arbeitsmarkt hinterlasse, sollte die Wirtschaftspolitik möglichst zeitnah reagieren.

Auch der wissenschaftliche Direktor des IMK, Sebastian Dullien, warnt: „Die bisherige Hoffnung, dass die gute Inlandsnachfrage Deutschland vor der Rezession retten kann, schwindet zunehmend. Die Schwäche der deutschen Industrie stellt sich als dauerhafter und ernster heraus, als noch im Frühjahr vermutet.“ Aufgrund der großen wirtschaftlichen Bedeutung Deutschlands für die Euro-Zone insgesamt erhöhe sich damit der Druck auf die Europäische Zentralbank, die Geldpolitik weiter zu lockern.

Die nächste Aktualisierung des IMK Konjunkturindikators erfolgt Mitte Oktober 2019.

Wie funktioniert die Konjunkturampel des IMK?

Die Konjunkturampel des IMK bildet die Wahrscheinlichkeit ab, ob in Deutschland in den nächsten drei Monaten eine Rezession oder ein wirtschaftlicher Boom zu erwarten ist. Dabei soll die Ampel als Frühwarnsystem fungieren und besteht aus zwei Lichtern, die jeweils grün, gelb oder rot leuchten. Errechnet werden die Wahrscheinlichkeiten anhand von diversen Indikatoren, die in der Vergangenheit auf eine Rezession oder einen Boom hinwiesen. Die Konjunkturampel kann man hier in Echtzeit mitverfolgen.

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